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Das Personalkarussell beginnt sich zu drehen

Nach dem Rücktritt von Lötzsch entbrennt eine Debatte um die künftige Führung der Linkspartei

Klaus Ernst: seit gestern alleine an der Spitze der Partei "Die Linke"
Klaus Ernst: seit gestern alleine an der Spitze der Partei "Die Linke" (Deutschlandradio - Bettina Straub)

Linkspartei-Chef Klaus Ernst will nach dem überraschenden Rücktritt seiner Amtskollegin Gesine Lötzsch keinerlei Personalentscheidungen vor den anstehenden Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein treffen. Andere in der Partei dagegen schon.

Derartige Diskussionen trügen in Zeiten des Wahlkampfes nicht zum Erfolg bei, sagte Ernst in München. Das gelte auch für die Debatte um eine Rückkehr des früheren Parteichefs Oskar Lafontaine und eine Doppelspitze mit der Abgeordneten Sahra Wagenknecht. Ernst betonte, er habe sich mit dem Vorstand darauf verständigt, die Linke bis zum Parteitag Anfang Juni allein zu leiten.

Führungsdebatte angestoßen

Thüringens Linken-Fraktionsvorsitzender Bodo Ramelow hat das Duo Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch als neue Parteispitze im Deutschlandfunk ins Gespräch gebracht. Gregor Gysi und Oskar Lafontaine schlug er als Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlkampf 2013 vor. Ramelow selbst schloss eine Rückkehr nach Berlin zum derzeitigen Zeitpunkt aus. "Ich will Ministerpräsident von Thüringen werden", sagte er.

Sachsen-Anhalts Landesparteichef Matthias Höhn warnte wie Ernst vor einer frühzeitigen Personaldebatte. Die Diskussion über die neue Führung solle erst nach den Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein geführt werden, sagte Höhn in Magdeburg.

Doppelspitze aus Mann und Frau

Für die Nachfolge Lötzschs muss die Linke im Juni eine Frau wählen. Auch wer die männliche Hälfte der Doppelspitze stellen wird, ist noch unklar. Klaus Ernst hat sich bislang nicht dazu geäußert, ob er noch einmal antritt. Ob Ex-Parteichef Oskar Lafontaine erneut für den Vorsitz kandidiert, ist Gegenstand zahlreicher Spekulationen. Interesse am Parteivorsitz hat auch der stellvertretende Fraktionschef Dietmar Bartsch angemeldet.

Lötzsch: Rücktritt aus familiären Gründen

Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei Die Linke, zu Besuch beim DeutschlandradioGesine Lötzsch, zurückgetretene Vorsitzende der Partei "Die Linke" (Deutschlandradio - Bettina Straub)Gesine Lötzsch hatte am Dienstagabend überraschend ihr Amt aufgegeben. Als Grund nannte sie in einer schriftlichen Erklärung die familiäre Situation, die eine häufige Abwesenheit von ihrem Wohnort Berlin nicht mehr zulasse.

"Auf Grund der Erkrankung meines Mannes habe ich mich nach reiflicher Überlegung entschieden, das Amt der Vorsitzenden der Partei Die Linke niederzulegen. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen", hieß es darin. Sie wolle sich künftig auf ihr Mandat als Berliner Bundestagsabgeordnete konzentrieren.

Umstrittenes Glückwunschtelegramm an Fidel Castro

Lötzsch wurde in Ostberlin geboren und war von 1984 bis 1990 Mitglied der DDR-Staatspartei SED. Nach der Wiedervereinigung gehörte sie von 1991 bis 2002 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Im Oktober 2002 zog sie in den Bundestag ein. Die 50-Jährige teilte sich seit Mai 2010 mit Klaus Ernst den Vorsitz.

Sie und der Co-Vorsitzende Klaus Ernst standen wegen schlechter Umfragewerte parteiintern seit Monaten unter Druck. Kritik hatte sie sich zudem mit der Kommunismusdebatte Anfang vergangenen Jahres eingehandelt sowie mit der Bewertung des Mauerbaus, aber auch wegen eines umstrittenen Glückwunschtelegramms an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro. Bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verfehlte die Linke den Einzug in die Landtage. Auch die bundesweiten Umfragewerte sanken.

Ungeachtet dessen hatte Lötzsch angekündigt, beim Bundesparteitag Anfang Juni in Göttingen zur Wiederwahl antreten zu wollen. Sie wolle mit ihrer Entscheidung "Klarheit für die Mitglieder schaffen, die dieser Debatte überdrüssig sind", begründete sie seinerzeit ihre Entscheidung.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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