Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

DAX-Konzerne enttäuschen von der Leyen

Freiwillige Selbstverpflichtung zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen

Von der Leyen (CDU, l.) äußert sich in der Repräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin vor einem Treffen mit Vertretern der 30 DAX-Unternehmen. (dapd/ Clemens Bilan)
Von der Leyen (CDU, l.) äußert sich in der Repräsentanz der Deutschen Telekom in Berlin vor einem Treffen mit Vertretern der 30 DAX-Unternehmen. (dapd/ Clemens Bilan)

Die Personalvorstände der DAX-Konzerne sprachen nach ihrem Treffen mit der Bundesregierung zwar von einer "europaweit einmaligen Initiative". Arbeitsministerin von der Leyen vermisste aber konkrete Aussagen zur Förderung des Frauenanteils speziell in Vorständen und Aufsichtsräten.

In der Selbstverpflichtung ist nur sehr pauschal von "Führungskräften" die Rede. Jedes Unternehmen setzt sich individuelle Ziele und Zeitvorgaben. Die Deutsche Telekom etwa beabsichtigt eine Erhöhung des Frauenanteils im mittleren und oberen Management auf 30 Prozent bis Ende 2015. Sportartikelhersteller adidas will den Frauenanteil in Führungspositionen bis 2015 auf bis zu 35 Prozent steigern. Der Konsumgüterhersteller Henkel will lediglich die bisherigen Zuwachsraten von einem Prozent auf bis zu zwei Prozent jährlich steigern.

Deshalb zeigte sich auch Bundesarbeitsministerin von der Leyen enttäuscht von dem Vorstoß der Konzerne: "Ich hätte erwartet heute und mich gefreut, wenn wir eine klare Aussage zu der Frage bekommen hätten: Wie geht es weiter in den Vorständen und Aufsichtsräten. Leider hüllen sich hier die DAX 30 in Schweigen." Die Bundesregierung werde nun das Gespräch mit den Aufsichtsräten suchen.

Die Hauptgeschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Gabriele Sons, ist zufrieden mit den Zielen der DAX-Konzerne zur Erhöhung des Frauenanteils. Man könne niemanden aus dem Nichts in ein Vorstandsposition hieven, sondern müsse mit dem Aufbau der Führungskräfte beginnen, sagte sie im Interview mit dem Deutschlandfunk.

Umstrittene Quote

Vor dem Spitzentreffen in Berlin hatte von der Leyen (CDU) sich heute Morgen im ZDF-Morgenmagazin, erneut für eine gesetzliche Frauenquote ausgesprochen. Eine Quote von 3,7 Prozent Frauen in den Vorständen der Großkonzerne sei im 21. Jahrhundert "einfach unterirdisch". Ihr Ziel seien 30 Prozent im Jahr 2018.

Die Frauenquote per Gesetz ist allerdings auch in der Regierungskoalition umstritten. Einen Frauenanteil von 30 Prozent bis 2018 fordert auch die Sprecherin der Frauen in der Unionsfraktion, Rita Pawelski. Sie legt den 30 DAX-Unternehmen im Deutschlandfunk-Interview allerdings nahe, freiwillig mehr Frauen in ihre Führungsspitzen zu holen - andernfalls müsse die Politik den Druck erhöhen. Wenn die 30 Prozent erreicht sind, solle die Quote wieder abgeschafft werden.
Familienministerin Kristina Schröder (CDU) (AP)Familienministerin Kristina Schröder (CDU). (AP)Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist ebenfalls für eine freiwillige Selbstverpflichtung der Unternehmen, mehr Frauen in die Führungsetagen zu holen. Das soll auch per Gesetz vorgeschrieben werden. Mehr Zwang will sie aber nicht ausüben, weil sich dadurch die Unternehmenskultur nicht ändern lasse. Die Initiative der DAX-Konzerne setzt dagegen ganz auf Freiwilligkeit.



Diskussion um Qualifikation von Frauen

BWL-Professorin Sonja Bischoff hält eine gesetzliche Quote nicht für hilfreich. "Das Einzige, womit Frauen Karriere machen können, ist Kompetenz", sagte sie im Interview in Deutschlandradio Kultur. Es gebe aber nicht genug qualifizierte Frauen für Führungspositionen in der Wirtschaft. Für eine Quote von 20 Prozent müsste man jede Frau, die einen Abschluss in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften gemacht hat, tatsächlich auch verpflichten, eine Karriere in der Wirtschaft zu machen.

Personalberaterin Ulrike Wieduwilt weist darauf hin, dass in der "New Economy" längst Frauen an der Spitze der Unternehmen angelangt seien. Im Deutschlandradio Kultur sagte sie, es gebe genügen hervorragend ausgebildete Frauen, man müsse nur etwas breiter schauen. In den Vorständen und Aufsichtsräten deutscher DAX-Konzerne müsse ein Umdenken in Bezug auf Frauen in Führungspositionen stattfinden.

Ungleiche Bezahlung für Männer und Frauen

SPD-Chef Sigmar Gabriel hält die Initiative zur Anhebung der Frauenquote für unehrlich, wie er im Interview mit dem Deutschlandfunk erklärt. Hier werde sich nur um einen kleinen Teil der Frauen gekümmert wird. Das nütze nicht den vielen Frauen, die in ganz normalen Beschäftigungsverhältnissen stünden und in Deutschland fast 25 Prozent schlechter bezahlt würden als Männer.

Mehr zum Thema auf dradio.de:

Bundesfamilienministerin plädiert für freiwillige Frauenquote (DKultur)
Kommentar: Frauenquote light (DLF)
Koch-Mehrin plädiert für gesetzliche Frauenquote in Unternehmen (DKultur)
Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen zu Frauenquote in Aufsichtsgremien (DKultur)
Neueste Forschungen zu Frauen in Führungspositionen

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:45 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

"Umvolkung"AfD lockt CDU-Politikerin nach Twitter-Entgleisung

Die sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Bettina Kudla (privat / Laurence Chaperon)

AfD-Vize Beatrix von Storch lädt die umstrittene CDU-Abgeordnete Bettina Kudla nach ihrem "Umvolkungs"-Tweet zum Parteiwechsel ein. Und die Unions-Fraktion streitet heftig über den weiteren Umgang mit der Kollegin. "Twittert nicht gleich alles in die Welt!"

Zum Tod von Shimon Peres"Mahner für den Frieden"

Israelischer Ec-Präsident Schimon Peres (dpa / Jens Büttner)

Shimon Peres sei das "Gewissen Israels" gewesen, sagt unser ehemaliger Israel-Korrespondent Sebastian Engelbrecht. Der frühere israelische Präsident habe immer wieder zu neuen Anläufen bei den Friedensgesprächen mit den Palästinensern aufgefordert - auch in Zeiten der rechtsgerichteten Regierung.

Politische RhetorikAbscheu ist keine Lösung

Abscheu ist etwas Körperliches: Diese Frau ist angewidert von ihrem Getränk. (imago/Westend61)

Abscheu ist eine körperliche Reaktion auf etwas Widerwärtiges, ähnlich dem Ekel, und liegt damit im vorpolitischen Raum. Wer politische Positionen und Gegner verabscheut, verlässt den Raum der deliberativen Demokratie, meint der Journalist Alexander Kissler.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Shimon Peres  Deutschland betrauert Tod des Friedens-nobelpreisträgers | mehr

Kulturnachrichten

Rechtsstreit um Gurlitt-Erbe zieht sich hin  | mehr

Wissensnachrichten

Youtube-Ripper  Musikindustrie klagt gegen mp3-Downloads | mehr