Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

DDR-Patienten als Versuchskaninchen westdeutscher Firmen

Empörung über mögliche Pharmatests in den 1980er-Jahren

Nach der Debatte über IKEA-Möbel "made in GDR" sorgen Berichte über Pharmatests für Empörung. (Stock.XCHNG / Sasha Dubovski)
Nach der Debatte über IKEA-Möbel "made in GDR" sorgen Berichte über Pharmatests für Empörung. (Stock.XCHNG / Sasha Dubovski)

Politiker von CDU und FDP verlangen Aufklärung über Medikamententests westdeutscher Pharmafirmen, die in der DDR stattgefunden haben sollen. Der "Tagesspiegel" hatte von über 160 Studien berichtet. Die Patienten seien zum Teil ahnungslos gewesen.

Der Ost-Beauftragte der Bundesregierung, Christoph Bergner (CDU), erklärte, er könne sich nicht vorstellen, dass die Fälle, die derzeit Aufregung auslösten, im Einklang mit dem westdeutschen Recht gewesen seien. "Experimente ohne Einwilligung der Betroffenen halte ich für skandalös", sagte Bergner der "Mitteldeutschen Zeitung". Die Angelegenheit könne auch heute noch Folgen haben, "im Sinne von Entschädigung, möglicherweise sogar von strafrechtlicher Verfolgung".

Der Thüringer FDP-Generalsekretär Patrick Kurth verlangte, dass sich der Bundestag einschaltet und die Vorfälle unter die Lupe nimmt. Die Skrupellosigkeit der DDR-Einheitspartei SED einerseits und von Westfirmen auf der anderen Seite bedeute auch für den Bundestag Verantwortung, erklärte Kurth. Aus seiner Sicht müssen sich die Parlamentarier neben der Aufarbeitung der DDR-Zwangsarbeit auch mit dem Vorwurf der Patienten-Experimente beschäftigen.

Zeitung: 50 Firmen beantragten Studien

Der "Tagesspiegel" hatte berichtet, dass in DDR-Krankenhäusern Arzneimittelversuche im Auftrag westdeutscher Pharmakonzerne durchgeführt worden seien. Die Zeitung beruft sich auf Akten aus dem DDR-Gesundheitsministerium: Darin seien über 50 Firmen aus der Bundesrepublik aufgeführt, die zwischen 1983 und 1989 über 160 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben hätten, in mindestens sieben Fällen ohne Wissen der Patienten. Anfang Dezember hatte bereits der "Mitteldeutsche Rundfunk" über Pharma-Experimente westlicher Firmen berichtet.

Für einzelne Studien sollen bis zu 860.000 D-Mark (rund 440.000 Euro) an die DDR gezahlt worden sein. Die Arzneimitteltests könnten damit ein Baustein der Devisenbeschaffung für die ostdeutsche Republik gewesen sein, die in den 1980er-Jahren unter immer gravierenderen Haushaltsproblemen litt. Zugleich galten in Westdeutschland nach dem Contergan-Skandal strengere Zulassungsrichtlinien für neue Medikamente. Der Beauftragte für die Stasiunterlagen, Roland Jahn, sagte, die Patienten seien von der DDR-Regierung rücksichtslos zum Geldverdienen ausgenutzt worden.

Außerdem auf dradio.de:

Politische Häftlinge in der DDR mussten für Ikea Möbel bauen - Unternehmen legte in Berlin seine in Auftrag gegebene Studie vor
"Ohne die Häftlingsarbeit hätte der Plan nicht erfüllt werden können" - Forscher bestätigt den umfangreichen Einsatz von Zwangsarbeitern in der DDR

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:35 Uhr Kultur heute

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

AusleseWie berühmte Neurologen ticken

Der britische Neurologe und Schriftsteller Oliver Sacks (Imago/leemage)

Zweifellos gibt die "Auslese" Einblick: einen inspirierenden in die Lebensgeschichte des Hirnforschers Oliver Sacks, andererseits einen eher düsteren in die Mechanismen des britischen Gesundheitssystems.

Kampf gegen die WegwerfkulturSelbsthilfegruppe für Reparaturen

Plattenspieler-Reparatur in einem Repair Cafè (dpa/Daniel Karmann)

In Repair Cafés reparieren Teilnehmer gemeinsam mit Anderen kaputte Dinge. Toaster, Handrührgerät, Fahrräder – für jede Reparatur findet sich ein ehrenamtlicher Helfer. Das spart Geld und schont die Umwelt. 

"Offering" von Charenee WadeSoundtrack zum Protest der Afroamerikaner

"Offering" - das neue Album der Sängerin Charenee Wade (Rebecca Meek)

"Offering" von der Jazz-Musikerin Charenee Wade ist ein Tribut an legendären Inspiratoren Gil Scott-Heron und Brian Jackson. Zugleich formuliert sie ein Statement der Afroamerikaner für Gleichberechtigung in den USA.

Alternative für DeutschlandPetry sieht keinen Rechtsruck

Die neu gewählte AfD-Vorsitzende Frauke Petry (picture alliance/dpa/Maja Hitij)

Der wirtschaftsliberale Flügel werde auch weiterhin in der AfD vertreten sein, sagte die neue Parteivorsitzende Frauke Petry. Sie fände es schade, wenn ihr Vorgänger Bernd Lucke die Partei "mit Getöse" verlasse.

80. GeburtstagHappy Birthday, Dalai Lama!

Der Dalai Lama steht auf einer Bühne, neben ihm eine übermannshohe Geburtstagstorte mit einer großen 80., der Musiker Michael Frente Kinder. (AFP / FREDERIC J. BROWN)

Seitdem China von Tibet besetzt ist, lebt der Dalai Lama im Exil in Indien. Von dort aus kämpft er für mehr Autonomierechte für seine Heimat. Doch China sieht den Friedensnobelpreisträger als Gefahr.

Aus den FeuilletonsMonika Grütters findet 67 Millionen

Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, in ihrem Büro im Kanzleramt in Berlin (picture alliance / dpa)

Ob es sein könne, dass bei der Kulturstaatsministerin niemand bemerkt hat, auf wie vielen Millionen man noch sitzt, fragt die "Welt" - und das, nachdem beim Filmförderfonds gekürzt wurde.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Griechenland-Krise  Tsipras will morgen neue Vorschläge machen | mehr

Kulturnachrichten

Autoren kritisieren Bezahlung pro Seite bei Amazon  | mehr

Wissensnachrichten

Johannesburg  Stadt verseucht mit Uran und Bergbaurückständen | mehr