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Demonstranten stürmen Sitz der Muslimbrüder

Proteste schlagen in Gewalt um

Seit Monaten gibt es immer wieder Ausschreitungen in Ägypten. (picture alliance / dpa / EPA)
Seit Monaten gibt es immer wieder Ausschreitungen in Ägypten. (picture alliance / dpa / EPA)

Regierungskritische Demonstranten haben den zentralen Sitz der islamistischen Muslimbruderschaft in der ägyptischen Hauptstadt Kairo gestürmt. Das Gebäude im Viertel Mokattam wurde in Brand gesetzt. Demonstranten warfen Gegenstände aus den Fenstern.

Laut Augenzeugen wurden auch Räume geplündert. Zu Beginn der Erstürmung habe sich niemand in dem Gebäude aufgehalten, vielmehr sollen alle Anwesenden schon vorher in Sicherheit gebracht worden sein. Jetzt sind an der Fassade Brandspuren und zerbrochene Fensterscheiben zu sehen - "ein Bild der Verwüstung", so unser Reporter Peter Steffe aus Kairo. An der Vorderseite der Parteizentrale entfernte ein Demonstrant ein Schild mit dem Logo der Muslimbruderschaft.

Bereits in der Nacht hatte es in Ägypten schwere Zusammenstöße gegeben. Dabei kamen nach Regierungsangaben mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen, allein neun in Kairo.

Seit einem Jahr ist Präsident Mohammed Mursi, der damalige Kandidat der Muslimbrüder, im Amt. Derzeit schlägt ihm der bisher stärkste Protest entgegen. Landesweit versammelten sich am Sonntagabend Gegner zu Großdemonstrationen. Mindestens sieben Menschen wurden getötet.

Bewaffnete schießen vom Motorrad

In Städten südlich von Kairo wurden fünf weitere Personen getötet. In der Provinz Assiut eröffneten nach Angaben der Sicherheitsbehörden bewaffnete Unbekannte auf einem Motorrad das Feuer auf protestierende Aktivisten. Dabei seien drei Menschen getötet und mindestens acht verletzt worden. Ein Demonstrant starb laut lokalen Medienberichten in der ebenfalls südlichen Stadt Bani Sueif bei Zusammenstößen zwischen Unterstützern und Gegnern Mursis. In Fayum sei ein 18-Jähriger ums Leben gekommen.

Mehr als 600 Menschen seien landesweit verletzt worden, berichtete die Zeitung "Al-Ahram" unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Kundgebungen wurden auch aus Alexandria, im Nil-Delta, aus Port Said und Suez am gleichnamigen Kanal sowie aus Mursis Geburtsstadt Sagasig gemeldet. Insgesamt waren mehr als eine Million Menschen auf die Straßen gegangen. Sie wollten den ersten Jahrestag von Mursis Amtsantritt nutzen, um den Rücktritt des Islamisten zu fordern. Aus Kreisen der Armee hieß es, bis zu 14 Millionen Menschen könnten an den Protesten teilgenommen haben.

Rote Karte für Mursi

Bei den zentralen Kundgebungen auf dem Kairoer Tahrir-Platz, wo sich mehr als eine halbe Million Menschen versammelten, und vor dem Präsidentenpalast blieb die befürchtete Gewalt zwischen islamistischen Anhängern Mursis und der Opposition aus. Bis zum frühen Montagmorgen harrten dort zahlreiche Menschen aus. Sie riefen dem Staatschef "Verschwinde!" entgegen und zeigten ihm die Rote Karte.

Oppositionsaktivisten kündigten an, einen langen Atem zu haben. Ähnliche Szenen hatten sich im Arabischen Frühling 2011 bei den Protesten gegen den damaligen Machthaber Husni Mubarak abgespielt.

Die Massenproteste markieren das Ende einer Unterschriftenkampagne, mit der die Protestbewegung den Staatschef zum Rücktritt zwingen will. Seit Anfang Mai sammelten die Initiatoren von "Tamarud" (Rebellion) nach eigenen Angaben mehr als 22 Millionen Unterschriften gegen den Präsidenten.

Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa)Ägyptens Präsident Mohammed Mursi (picture alliance / dpa)

Mursi bietet Dialog an

Die säkulare Opposition wirft Mursi und den islamistischen Muslimbrüdern vor, die Ideale der Revolution von 2011 zu verraten und einen ähnlich autoritären Staat wie unter Mursis Vorgänger Mubarak anzustreben. Die massiven wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes habe er nicht gelöst. Deshalb habe er seine Legitimität verloren und müsse abtreten.

Mursi, der als Kandidat der Muslimbrüder gewählt worden war, betonte, an seinem Amt festhalten zu wollen und bot erneut an, die islamistisch geprägte Verfassung des Landes zu überarbeiten. Sollte ein gewählter Präsident zurücktreten, «wird es Leute oder Opposition auch gegen den neuen Präsidenten geben, und eine Woche oder einen Monat später werden sie ihn zum Rücktritt auffordern», sagte Mursi der britischen Zeitung "The Guardian".

Sein Sprecher Ehab Fahmi sagte, der Dialog sei der "einzige Weg, über den wir eine Einigung erzielen können". Von den Demonstranten verlangte er, den "friedlichen Charakter" ihrer Bewegung zu wahren. Für die Muslimbrüder kommen Neuwahlen nicht infrage. In dem Kairoer Vorort Nasr City kamen rund 25.000 Mursi-Anhänger zusammen, um die "Legitimität" ihres Präsidenten zu verteidigen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

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