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Demonstrationen beim Agrarministergipfel in Berlin

FAO fordert Stärkung der Kleinbauern

Von Jule Reimer

Ein unterernährtes Kind wartet auf medizinische Versorgung in Mogadischu (picture alliance / dpa / Antoine De Ras)
Ein unterernährtes Kind wartet auf medizinische Versorgung in Mogadischu (picture alliance / dpa / Antoine De Ras)

José Graziano, Chef der Food and Agriculture Organization (FAO) fordert auf dem Agrarministergipfel, die Nahrungsmittelproduktion umweltverträglich zu steigern. Daneben gehe es auch darum, dass Hungernde sich künftig Lebensmittel leisten können und diese auch verfügbar sind.

"Allein die Produktion zu steigern, reicht nicht. Bei den meisten Hungernden geht es nicht um die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Sie haben kein Geld, um sich Essen zu kaufen."

Den Klimawandel stoppen und alle Menschen ernähren: Das gelinge nur unter folgenden Voraussetzungen, mahnte Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner, die heute 70 Amtskollegen aus aller Welt zu einem Agrargipfel eingeladen hatte:

"Wir haben im Kampf gegen den Hunger nur dann eine Chance, wenn Landwirte nachhaltig produktiv wirtschaften, wenn die Ernteverluste auf ein Minimum verringert werden, die Lagerung optimiert ist, wenn auch der Zugang zu Land gesichert ist, und zwar in allen Ländern dieser Erde."

Eine Milliarde Menschen hungert, gut doppelt so viele kämpfen mit Übergewicht, auch weil sie sich aus Unwissenheit oder weil sie zu arm sind, schlecht und falsch ernähren. Derzeit geht weltweit schätzungsweise ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren, wegen Ernteverlusten oder weil sie nicht richtig gelagert werden können. Oder weil sie - vorwiegend in Industriestaaten - einfach weggeworfen werden. Der neue FAO-Generaldirektor, der Brasilianer José Graziano da Silva fordert deshalb Aufklärungsprogramme:

"Wir müssen den Leuten beibringen, wie man richtig isst. Wir lehren die Menschen ja auch, wie man Auto fährt, warum sollten wir sie nicht lehren, wie man sich richtig ernährt?"

Um die Produktion umweltverträglich zu steigern, brauche es eine breit angelegte Partnerschaft zwischen Gesellschaft, Bauern, Unternehmen und Staaten. Aber :

"Allein die Produktion zu steigern, reicht nicht. Bei den meisten Hungernden geht es nicht um die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln. Sie haben kein Geld, um sich Essen zu kaufen."

Der neue FAO-Direktor wirbt dafür, nicht nur auf die großen Agrarunternehmen zu setzen, sondern vor allem die Kleinbauern und die regionale Landwirtschaft zu stärken, ein Ansatz, der heute unter den geladenen Agrarministern viel Unterstützung fand. Gegenüber der Grünen Gentechnik als Lösungsansatz des Hungerproblems war Zurückhaltung zu spüren. Weder Ilse Aigner noch EU-Kommissar Dacian Ciolos wollten die Entscheidung der BASF kommentieren, ihre Gentechnikforschung aus Deutschland abzuziehen und in die USA zu verlagern. In Bezug auf den Kampf gegen den Hunger stellte Ilse Aigner klar:

"Also wenn Sie keinen Zugang zu Land haben und keine Struktur und auch keine Möglichkeit, was zu ernten, dann stellt sich die Frage nach dem Saatgut erst am Ende des ganzen Prozesses."

Mit Sorge sehen die vor allem die Agrarminister aus den Entwicklungsländern, wie sehr die Industriestaaten derzeit noch auf Nahrungsmittelpflanzen als Energiequelle setzen. Kritik auch bei der Graziano da Silva sagt, dass Getreide nicht zu Biosprit verwandelt werden sollte.

Die rund 23.000 Demonstranten, die heute in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt" gegen die bisherige Agrarpolitik und für eine Wende demonstrierten, werden all dies gerne gehört haben.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:46 Uhr

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