Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Demonstrationen für Frauenrechte in Tunesien

Regierung unter Druck von Salafisten

Tunesien: Frauen-Proteste und Verzögerung bei der Verfassungsfindung (dapd)
Tunesien: Frauen-Proteste und Verzögerung bei der Verfassungsfindung (dapd)

Tausende Menschen haben gestern Abend in Tunesiens Hauptstadt Tunis demonstriert: Sie befürchten, dass sich die regierende Ennahda-Partei dem Druck von Islamisten beugt und die Rechte der Frauen beschneiden könnte.

Die Protestierenden, vorwiegend Frauen, lehnten eine Formulierung im Verfassungsentwurf ab, in dem es heißt, Frauen und Männer ergänzten einander. Stattdessen müsse das Gesetz von 1956 in Kraft bleiben, nach dem beide Geschlechter vollständig gleichberechtigt sind.
Die Demonstrantinnen forderten, die Regierung solle sich besser um Probleme wie Arbeitslosigkeit und Entwicklung in den Regionen kümmern.

Ringen mit den Salafisten

Die gemäßigt islamistische Ennahda-Partei, die seit Oktober die Regierung in dem nordafrikanischen Land führt, hatte zugesichert, das islamische Recht nicht einzuführen und die Rechte der Frauen zu respektieren. Sie steht dabei unter Druck von zwei Seiten: Die kompromisslosen Salafisten verlangen die Einführung des strengen islamischen Rechts, säkulare Oppositionsgruppen sind strikt dagegen.

Verabschiedung der neuen Verfassung verzögert sich

Gestern war bekannt geworden, dass sich die Verabschiedung der neuen Verfassung Tunesiens um ein halbes Jahr verzögert. Das vollständig ausgearbeitete Regelwerk werde in der verfassungsgebenden Versammlung erst Ende April 2013 zur Abstimmung gestellt, sagte der Abgeordnete und Generalberichterstatter der Versammlung, Habib Kheder. Ursprünglich sollte die neue Verfassung bis zum 23. Oktober dieses Jahres verabschiedet werden.

Die Verzögerung ist vor allem auf unterschiedliche Haltungen zur zukünftigen Staatsform zurückzuführen. Dabei geht es um die Frage, ob diese ausschließlich parlamentarisch sein soll oder dem Staatschef weiterhin umfassende Vorrechte eingeräumt werden sollen. Die Verfassung soll die Gesetze ablösen, die seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Zine al-Abidine Ben Ali vor anderthalb Jahren übergangsweise in Kraft sind.

Tunesien gilt als eines der liberalsten Länder in der arabischen Welt. Der Sturz Ben Alis löste den Arabischen Frühling aus, in dem es auch in Ägypten und Libyen zum Umsturz und in zahlreichen anderen arabischen Ländern zu Protesten kam.

Weitere Informationen auf Deutschlandradio.de:
Interview "Es sind natürlich die ganzen alten Kräfte noch da" - Ex-Justizministerin Däubler-Gmelin setzt auf die Kraft der neuen Verfassung in Tunesien
Interview "Man spürt den Durst nach einem Neubeginn" - Grünen-Vorsitzende Claudia Roth über ihre Reise nach Libyen und Tunesien
Tunesien hat die freie Wahl - Großer Andrang bei erstem unabhängigen Urnengang in der Geschichte des Landes (Aktuell)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:17 Uhr Andruck - Das Magazin für Politische Literatur

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Der Kirch-Prozess und die FolgenDeutsch-Banker vorm Strafgericht

(Wolfram Steinberg dpa)

Am Dienstag wird in München ein Prozess eröffnet, wie ihn die deutsche Wirtschaftsgeschichte selten erlebt hat. Noch nie standen fünf aktuelle und ehemalige Vorstands-Vorsitzende der Deutschen Bank gleichzeitig vor Gericht. 

TrauerarbeitDie Seelsorger der Politiker

Innehalten für die Opfer: Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, während der Trauerfeier für die Germanwings-Opfer im Kölner Dom am 17. April 2015. (picture alliance / dpa - Oliver Berg)

Politiker müssen bei Unglücken zur Stelle sein oder in Kriegs- und Krisensituationen Entscheidungen treffen. Das kann sehr belastend sein. Zwei Seelsorger sind daher im Bundestag beschäftigt, ein katholischer und ein evangelischer.

BundesnachrichtendienstEin Eiertanz der Bundesregierung

Graues Schild mit blauer Aufschrift "Bundesnachrichtendienst" vor einer grauen Mauer und blauem Himmel (dpa/picture alliance/Stephan Jansen)

In der neuen Spionageaffäre um den Bundesnachrichtendienst sieht Bundeskanzlerin Merkel derzeit keine Notwendigkeit für personelle Konsequenzen. Diese Jobgarantie hat allerdings ein Haltbarkeitsdatum, kommentiert Falk Steiner. 

Nepal Flacher Erdbebenherd führte zu starker Zerstörung

Trümmer eines eingestürzten Hauses in Kathmandu, im Hintergrund der Blick in eine Straße mit zerstörten Häusern und einigen Menschen. (picture alliance / dpa / Narendra Shrestha)

Das Erdbeben in Nepal am Samstag hatte auch deshalb eine so verheerende Wirkung, weil es tektonisch in nur 10 bis 15 Kilometern Tiefe stattfand. Zusätzlich verstärkten die schlechte Bausubstanz der Gebäude sowie der Untergrund von Kathmandu die Zerstörung.

Deutscher Fußball-Meister 2015Warum uns der Bayern-Titel so egal ist

Münchens Spieler Thomas Müller steht in der Allianz-Arena in München am Zaun zum Fanblock. Nach dem Sieg gegen Porto animiert er die Zuschauer mit einem Megaphon zu Sprechchören. (Thomas Eisenhuth/dpa)

Kein Freudentaumel, keine Bierduschen - so still wie dieses Jahr ist wohl noch kein Fußball-Club deutscher Meister geworden. Christoph Biermann aus der "11 Freunde"-Chefredaktion spricht mit Blick auf die dominanten Bayern von einem "starken Gewöhnungseffekt".

Studieren am NordpolErst mal schießen lernen

Die angehenden Polarwissenschaftler an der nördlichsten Uni der Welt müssen sich nicht nur warm anziehen, sondern erst mal Schießen lernen. In der Arktis regiert der Eisbär - und den gilt es auf Abstand zu halten. Nur wenn es gar nicht anders geht, darf geschossen werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Ausgangssperre in Baltimore:  Ausnahmezustand verhängt, Nationalgarde alarmiert | mehr

Kulturnachrichten

Unesco will Welterbe  nach Erdbeben rekonstruieren | mehr

Wissensnachrichten

Hintergrund  Warum Erdbeben-Vorhersagen nicht funktionieren | mehr