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Demonstrationen trotz Ausgangssperre

Militär unterstützt Polizei

Protestierende in Kairo, die von Wasserwerfern auseinander getrieben werden sollen. (AP)
Protestierende in Kairo, die von Wasserwerfern auseinander getrieben werden sollen. (AP)

Auch heute demonstrierten in Ägypten Zehntausende Menschen gegen das Regime unter Präsident Hosni Mubarak - trotz einer heute verhängten Ausgangssperre. Die Polizei setzt Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse gegen die Demonstranten ein.

Ägyptens Präsident Mubarak hat bis morgen früh 7 Uhr (Ortszeit) eine landesweite Ausgangssperre verhängt. Deutschlandradio-Korrespondentin Esther Saoub berichtete, dass "ganz Kairo" unter "einem Nebel von Tränengas" liege. Aus ganz Ägypten seien Demonstrationen gemeldet worden, sagte Jürgen Stryjak im Deutschlandfunk. In Kairo habe das Militär damit begonnen, zentrale Orte zu besetzen.

Augenzeugen zufolge zahlreiche Verletzte gegeben haben. Widersprüchliche Angaben gibt es zu möglichen Todesopfern.

Unter den Protestierenden befand sich auch Mohammed el Baradei, Ex-Chef der internationalen Atomenergie-Behörde und Friedensnobelpreisträger. Er hat sich im Falle eines Regime-Sturzes als Übergangspräsident angeboten. Er soll mittlerweile unter Hausarrest gestellt worden sein.

Die Regierung wolle keine weiteren Kundgebungen dulden, hatte sie im Vorfeld der Demonstrationen erklärt, zu denen die Opposition heute nach den Freitagsgebeten aufgerufen hatte. Um es für die Protestierenden schwerer zu machen, sich auszutauschen und zu verabreden, störte die Staatsmacht am Freitag Vormittag das Internet und SMS-Dienste für einige Mobiltelefone.

Regierungsumbildung in Tunesien

Unterdessen hat sich in Tunesien die Übergangsregierung neu formiert (DLF: Kabinettsumbildung für den Neuanfang, MP3-Audio). Die Regierungsmitglieder, die bereits unter dem gestürzten Präsidenten Ben Ali ihr Amt bekleideten, mussten ihren Posten räumen. Nur Ministerpräsident Mohammed Ghannouchi bleibt an der Spitze. Die Regierungsumbildung war eine der Hauptforderungen der Menschen, die in den vergangenen Tagen protestiert hatten. Nun sollen freie Wahlen folgen.

In Ägypten ist daran noch nicht zu denken. In der Nacht zum Donnerstag wurden nach Angaben des Fernsehsenders CNN mehrere Oppositionelle verhaftet, darunter auch Mitglieder der Muslimbruderschaft.

Mohamed El Baradei (Mitte,sitzend) wird von anderen Protestierenden vor den Freitagsgebeten in Kairo begrüßt. (AP)Mohamed el Baradei (Mitte, sitzend) und andere Demonstranten vor den Freitagsgebeten in Kairo (AP)

Hessel: Ausland hat besondere Verantwortung

Sie und andere Regimegegner verlangen den Rücktritt von Präsident Mubarak, der seit 1981 regiert. Dadurch sollen der Aufbau demokratischer Strukturen und die Bekämpfung von Korruption, Arbeitslosigkeit und Menschenrechtsverletzungen vorangebracht werden.

"In Ägypten wäre es ein enormer Fortschritt, wenn man den Mubarak loswürde", sagte der frühere französische Widerstandskämpfer Stéphane Hessel in einem Interview im Deutschlandradio Kultur. Zugleich hob er die bedeutende Rolle des Auslands in der Zeit nach einem möglichen Umsturz hervor. Es sei gefährlich, wenn man sich nur empöre und danach alles laufen ließe. Es sei wichtig, Verantwortung dafür zu übernehmen, dass der Widerstand auch zu einer Eroberung von Demokratie führe.

Sollte das Regime in Ägypten fallen, bestünde eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch andere Länder nachfolgen, sagte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik im Deutschlandfunk-Interview. Inwieweit dies tatsächlich zu einer Demokratisierung dieser Länder führe, sei aber fraglich.

Der tunesische Oppositionspolitiker Moncef Marzouki prophezeite im Deutschlandfunk-Interview hingegen einen "Frühling der Demokratie". Er sieht das Ende der Staatslenker in Ägypten, Algerien und Syrien gekommen und selbst will bei der Präsidentschaftswahl in Tunesien antreten und der Demokratie Vorschub leisten.

Das Auswärtige Amt empfiehlt Ägypten-Reisenden,Menschenansammlungen und Demonstrationen weiträumig zu meiden.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

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