Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Den Kopf zu lange in den Sand gesteckt

Die Flüchtlingswelle aus Tunesien und die EU-Asylpolitik

Ein mit Flüchtlingen besetzes Boot vor Lampedusa (AP)
Ein mit Flüchtlingen besetzes Boot vor Lampedusa (AP)

Auf Lampedusa, der italienischen Insel im Mittelmeer knapp 130 Kilometer vor Tunesien, sind in den letzten Tagen Tausende von Flüchtlingen angelandet. Der Grund: Nach der erfolgreichen Revolution in Tunesien wollen viele Opfer der Ben-Ali-Diktatur ins gelobte Europa.

Flüchtlingsorganisationen haben an die Europäische Union appelliert, ihre Migrationspolitik zu ändern. "Mit der alten Politik der Abschottung und der Heuchelei wird es so nicht weitergehen." Europa sei langfristig auf Zuwanderung angewiesen, so Elias Bierdel, Gründer von "borderline europe" im Deutschlandfunk: Dafür bedürfe es einer gemeinsamen Einwanderungspolitik.

Der CDU-Politiker Jürgen Klimke, Obmann der Union im Entwicklungsausschuss des Deutschen Bundestages, schlägt eine geregelte Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Maghreb vor. Gleichzeitig sollte die EU jedoch eine wirtschaftliche Perspektive für die Menschen in ihren Heimatländern schaffen helfen und die Grenzpolizei Frontex mit mehr Personal ausstatten.

Afrikanische Flüchtlinge auf Lampedusa (AP)Afrikanische Flüchtlinge auf Lampedusa (AP)Italien habe das Aufnahmelager auf Lampedusa viel zu spät geöffnet, sagt Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl. Der Notstand sei so künstlich hergestellt worden. Wichtig sei jetzt, die Flüchtlinge menschenwürdig aufzunehmen und "europäische Solidarität bei der Unterbringung" zu zeigen, sagt Kopp im Deutschlandradio Kultur.

Die EU reagiere auf akute Notlagen und schicke keine Flüchtlinge zurück,verteidigt der Europapolitiker Michael Gahler die Politik der Europäischen Union. Den Menschen werde aber am besten geholfen, Arbeit im eigenen Land zu finden, betonte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk.

Der Kampf an den Außengrenzen der EU

Nicht nur Italien, auch andere Länder an der EU-Außengrenze fühlen sich häufig mit den Flüchtlingsströmen allein gelassen. Griechenland und Spanien werden in diesem Zusammenhang häufig genannt.

In Griechenland werden Flüchtlinge nach ihrer Ankunft wie Kriminelle behandelt, sagt die Generalsekretärin von Amnesty International, Monika Lüke. Sie lebten meist ohne ärztliche Betreuung auf engstem Raum und würden nach bis zu 18 Monaten Aufenthalt abgeschoben. Aus diesem Grund dürfe die Bundesregierung keine Menschen mehr nach Griechenland abschieben, fordert Lüke im Deutschlandfunk.

Ein afrikanischer Einwanderer liegt erschöpft in einer Wärmedecke am Strand von El Medano auf Teneriffa. (AP)Zu Tode erschöpft (AP)Der DLF-"Hintergrund" Zurück auf Anfang beleuchtet die Problematik der europäischen Asylpolitik. Durch das sogenannte Dublin-II-Abkommen soll seit 2003 verhindert werden, dass Flüchtlinge in mehreren EU-Staaten Asylanträge stellen. Die Mitgliedsländer in der Mitte und im Norden der Union profitieren davon, weil die meisten Flüchtlinge über Mittelmeer-Staaten kommen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:40 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:35 Uhr Presseschau

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Italienische KücheNonnenbrüstchen und Heiligenphallus

Italienisches Gebäck, von oben fotografiert (imago stock&people)

Italien ist ein katholisch geprägtes Land. Das gilt auch für die italienische Küche. Hunderte Rezepte gibt es, die an Heiligenfiguren erinnern. Eine Journalistin und eine Historikerin haben die Geschichten und Rezepte jetzt in einem Buch zusammengefasst. In Italien sind die "Heiligen Zubereitungen" bereits ein Bestseller.

Vor 100 Jahren geborenUS-Präsident John F. Kennedy und sein Rendezvous mit dem Schicksal

Der amerikanische Präsident John F. Kennedy gibt am 22.10.1962 in Washington in einer Fernsehansprache an die Nation die Blockade Kubas bekannt. (epa afp)

Als jüngster jemals gewählter US-Präsident verkörperte John Fitzgerald Kennedy mit seinem strahlenden Charisma für viele Zeitgenossen den Aufbruch in eine hellere Zukunft. Doch hinter dem Mythos JFK verbarg sich ein von Todeserfahrungen geprägter Charakter. Innen- wie außenpolitisch setzte er wegweisende Akzente. Heute vor 100 Jahren wurde Kennedy geboren.

Life-HacksBasteln mit Bierkästen

Bierkästen sind toll - weil sie ein köstliches Getränk beherbergen - und weil es kaum einen Gegenstand gibt, der besser für Life-Hacks geeignet ist.

Filmpreise in CannesSatire "The Square" gewinnt Goldene Palme

Ruben Östlunds "The Square" gewinnt in Cannes die Goldene Palme (28. Mai 2017) (AFP / Alberto Pizzoli)

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund erhält für seine Gesellschaftssatire "The Square" die Goldene Palme. Sehr verdient, urteilt unser Filmkritiker Patrick Wellinski. Als beste Schauspielerin wurde Diane Kruger im deutschen Wettbewerbsbeitrag von Fatih Akin ausgezeichnet.

Nach Trumps erster AuslandsreiseDie Bilanz der Veteranen

US-Außenminister Rex Tillerson steht neben dem Rolling-Thunder-Gründer Artie Muller (3. von rechts  (AFP / Paul Richards)

Am Memorial Day gedenken die USA alljährlich ihrer Kriegsgefallenen. Auch Zigtausende von Veteranen sind auf ihren Harleys nach Washington DC gekommen. Viele von ihnen sind Trump-Fans nach der einfachen Formel: Harley = Veteran = Trump. Gefragt nach der Bilanz von Trumps erster Auslandsreise fällt das Urteil ziemlich eindeutig aus.

Trekkingräder im TestNicht immer überzeugend

Ein Mann fährt auf einem Trekkingrad. (imago / Westend61)

Mehr als vier Millionen neue Fahrräder kauften die Deutschen im vergangenen Jahr. Und rund ein Drittel sind Trekkingräder, die als ideal für die Stadt, aber auch für längere Touren über Land gelten. Die Stiftung Warentest hat Modelle für Damen und Herren untersucht. Längst nicht alle konnten überzeugen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Nordkorea  Kim Jong Un kündigt Entwicklung weiterer Waffen an | mehr

Kulturnachrichten

Wolf Erlbruch  erhält Astrid-Lindgren-Gedächtnispreis | mehr

 

| mehr