Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Der Abzug aus Afghanistan soll kommen

Bundestag verlängert Einsatz und setzt Abzugsfrist

Bewaffnete deutsche ISAF-Soldaten stehen in der deutschen Basis in Masar-e-Sharif, nördlich von Kabul. (AP)
Bewaffnete deutsche ISAF-Soldaten stehen in der deutschen Basis in Masar-e-Sharif, nördlich von Kabul. (AP)

Seit Dezember 2001 steht die Bundeswehr in Afghanistan - zum ersten Mal war heute im Bundestag auch der "Beginn vom Ende des Afghanistan-Einsatzes" Thema - und damit die Frage: Ist das Land reif für die Autonomie?

420 Abgeordnete für, 116 gegen den Einsatz: Der Deutsche Bundestag hat erneut einer Mandatsverlängerung in Afghanistan um ein Jahr zugestimmt - nicht ohne erstmals auch einen geregelten Abzug aus dem Land als Ziel zu setzen. Der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Christian Schmidt (CSU) bekräftigte im Zuge dessen heute Morgen im Deutschlandfunk-Interview: "Im Mandat steht drin, sofern die Sicherheitslage es erlaubt" - und räumte mit Spekulationen darüber auf, dass ein Abzugsbeginn zum Ende des Jahres sicher ist.

Ab 2014 soll Afghanistan nach den Vorstellungen der Bundesregierung für sich selbst verantwortlich sein. Dazu heißt es im Standpunkt der Bundesregierung zur Mandatsverlängerung Afghanistan-Einsatz:

"Die Bundesregierung ist zuversichtlich, im Zuge der Übergabe der Sicherheitsverantwortung die Präsenz der Bundeswehr ab Ende 2011 reduzieren zu können. Dabei soll jeder sicherheitspolitisch vertretbare Spielraum für eine frühestmögliche Reduzierung genutzt werden. Dies aber nur, soweit die Lage es erlaubt und ohne dadurch unsere Truppen oder die Nachhaltigkeit des Übergabe-Prozesses zu gefährden. Der Beginn der Übergabe in Verantwortung ist allerdings nicht gleichzusetzen mit dem Abzug der internationalen Sicherheitskräfte. Er erlaubt allenfalls deren allmähliche Verringerung in bestimmten Bereichen. Erst wenn die afghanischen Kräfte die Sicherheitslage tatsächlich beherrschen können, wird abhängig vom Erfolg der Übergabe eine Reduzierung der internationalen Präsenz möglich."

Eine breite Zustimmung zum Afghanistan-Mandat galt im Bundestag als sicher, weil auch die SPD Unterstützung signalisiert hatte. Die Linke lehnt den Einsatz rundweg ab, die Grünen enthielten sich. Deren Chefin Claudia Roth sagte "ZEIT online": "Ich halte dieses Mandat für schlichtweg nicht akzeptabel."

Einer der Särge mit den sterblichen Überresten eines am 23. Juni 2009 bei einem Gefecht nahe Kundus, Afghanistan, getöteten deutschen Soldaten steht während der Trauerfeier in der Stadtkirche in Bad Salzungen. (AP)Einer der Särge mit den sterblichen Überresten eines am 23. Juni 2009 bei einem Gefecht nahe Kundus, Afghanistan, getöteten deutschen Soldaten steht während der Trauerfeier in der Stadtkirche in Bad Salzungen. (AP)

Der "kriegsähnliche " Einsatz

Die Lage am Hindukusch hat sich seit Mandatsbeginn stark verändert: Aus dem relativ ruhigen Norden des Landes, in dem die Bundeswehr hauptsächlich agiert, ist über die Jahre ein Kriegsschauplatz geworden. Selbst besonnene deutsche Politiker sprechen längst von "Krieg" oder "kriegsähnlichen Zuständen" - Zustände, die sich widerspiegeln in 27 deutschen Soldaten, die im Einsatz fielen - also im Gefecht getötet wurden. Hinzu kommen 18 weitere, die durch nicht kampfbedingte Zwischenfälle ums Leben kamen.

"Die Schreie sind eigentlich überwiegend das Schlimmste gewesen"

Martin Jäger war Reservist, als er 2003 in den Afghanistan-Einsatz ging. Er fuhr den Gepäckbus, als bei einer ISAF-Patrouille ein Taxi neben dem Konvoi explodierte. Martin Jäger sah Bilder, die kein Fernsehsender zu zeigen wagt: Seit acht Jahren ist er in Therapie - doch die Bilder in seinem Kopf bleiben.

Warum ist Deutschland in Afghanistan?

Im Fragen- und Antwortkatalog der Bundesregierung zum Afghanistan-Einsatz heißt es zum "Warum" der Bundeswehrbeteiligung:

"Deutschland engagiert sich als Teil der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan, um zu verhindern, dass Afghanistan wieder zum Rückzugsraum internationaler Terroristen wird. Die verheerenden Anschläge vom 11. September 2001 in New York und Washington mit fast 3000 Opfern plante Al Qaida unter dem Schutz der Taliban-Regierung in Afghanistan. Die internationale Staatengemeinschaft reagierte schnell: Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (VN) verurteilte die Anschläge umgehend.

Dem Aufruf der Vereinten Nationen zur Beteiligung an einer Sicherheits- und Aufbaumission unter NATO-Führung folgten später über 40 Länder. Heute sind 48 Nationen in der ISAF (International Security Assistance Force, das heißt Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe) beim Wiederaufbau Afghanistans engagiert. Gleichzeitig unterstützen diese Staaten die afghanische Regierung dabei, ihre Bevölkerung zu schützen und Wiederaufbau und Entwicklung zu ermöglichen. Deutschland hat sich von Anfang an als Mitgliedsstaat der VN und seit August 2003 im Rahmen des NATO-Bündnisses engagiert."


bundeswehr.de - Afghanistan-Einsatz


Zum Thema Afghanistan-Einsatz auf dradio.de:


Hintergrund: Ein weiteres Jahr in Afghanistan

Niebel sieht Fortschritte in Afghanistan

Westerwelle: Afghanistan-Abzug soll 2011 beginnen

"Es ist nicht alles gut in Afghanistan" - Außenminister Westerwelle erklärt den deutschen ISAF-Einsatz am Hindukusch

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:30 Uhr Sportgespräch

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Rittel/Karwelat: "Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad"Schockierende Einblicke in eine sadistische Sekte

Cover von "Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat. (EFE/EPA/Mario Ruiz/Schmetterling Verlag)

Sie mussten Misshandlungen und Folter ertragen – und viele schauten weg. In "Lasst uns reden" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat berichten Frauen über den menschenverachtenden Alltag der Colonia Dignidad in Chile.

Europapolitik der Bundesregierung"Dieses Zaudern und Zögern ist gefährlich"

Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) spricht in Neumünster bei einem Parteitag. (dpa / Carsten Rehder)

Europa drohe, zu verfallen, sagte Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, im Dlf. Das zögerliche Verhalten der Bundesregierung sei gefährlich, denn für etwas Neues stehe nur ein sehr knappes Zeitfenster zur Verfügung - es gehe um die Zukunft des Westens.

"Eldorado"-Regisseur Markus Imhoof"Das Erste ist, dass es um Menschlichkeit geht"

Eldorado-Protagonist Akhet Téwendé (v.l.n.r.), Regisseur Markus Imhoof und Eldorado-Protagonist Raffaele Falcone.  (Maurizio Gambarini/dpa)

Der Ist-Zustand Europas werde sich durch die Geflüchteten zwangsläufig verändern, meint Markus Imhoof. Das sei auch richtig, so der Regisseur. Für seinen Film "Eldorado" hat er die Mare-Nostrum-Mission zur Seenotrettung begleitet.

Reformprojekt EuropaEine Chance für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron  (picture alliance/dpa/Foto: Kay Nietfeld)

Der französische Staatschef Macron profiliert sich mit Reformideen, die Bundeskanzlerin zögert. Doch trotz ihrer Differenzen wollen Paris und Berlin bis zum Sommer Vorschläge für eine EU-Reform vorlegen. Die Chance sollte Merkel nutzen, meint Peter Kapern.

Koschyk zu NordkoreaErfolg der internationalen Gemeinschaft

Hartmut Koschyk (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten (imago / reportandum)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Aussetzung seines Atom- und Raketenprogramms verkündet. Dass damit Bewegung in die verfahrene Lage auf der koreanischen Halbinsel gekommen sei, liege am Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft, erklärte CSU-Politiker Hartmut Koschyk im Dlf.

Eine Lange Nacht über Vorbilder in der MusikGlühend verehrt, schmerzlich entzaubert

Der amerikanische Trompeter und Bandleader Harry James  (picture alliance/dpa/Foto: Heinz-Jürgen Göttert)

Der amerikanische Jazztrompeter Harry James war einer der ersten Vorbilder für Trompeter Manfred Schoof. Für die Cellistin Tanja Tetzlaff war musikalisch gesehen Heinrich Schiff prägend. Vorbilder können fördern und fordern. Doch nicht jeder ist auch zum Vorbild berufen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Europarat  Verdacht auf Korruption | mehr

Kulturnachrichten

Brasiliens Kult-Regisseur Dos Santos gestorben | mehr

 

| mehr