Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Der Castor rückt näher

Polizei geht gegen Demonstranten im Wendland vor

Ein Holzschild mit einem Atom-Logo hängt am Freitag in Salzgitter-Bleckenstedt am Trecker eines Protestkonvois. (AP)
Ein Holzschild mit einem Atom-Logo hängt am Freitag in Salzgitter-Bleckenstedt am Trecker eines Protestkonvois. (AP)

Entlang der Strecke des Castor-Transports nach Gorleben hat es weitere Blockade-Aktionen gegeben. Im Wendland, wo der Zug mit dem Atommüll im Laufe des Tages erwartet wird, ging die Polizei mit Reizgas und Schlagstöcken gegen Demonstranten vor.

Der Castor-Transport hat nach mehreren Unterbrechungen nahe der Stadt Celle seine Fahrt zum Zwischenlager Gorleben fortgesetzt. Zuletzt hatten sich bei Eschede drei Atomkraftgegner an die Gleise gekettet. Außerdem haben sich auf der Straße zum Zwischenlager Gorleben sich hunderte Atomkraftgegner zu einer Sitzblockade zusammengefunden. An der Aktion nimmt auch die Grünen-Parteivorsitzende Roth teil.


Am Vormittag war es zu heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Aktivisten gekommen. Schon vor der Ankunft des Castor-Transports im Wendland hatten rund 250 Demonstranten in einem Wald damit begonnen, das Gleisbett zu unterhöhlen. Zudem setzten sie ein gepanzertes Räumfahrzeug in Brand. Die Stimmung ist angespannt. Immer wieder besetzen in der Region Lüchow-Dannenberg Atomgegner die Gleise, es gibt Krawalle. Mehrere Hundert Autonome sollen die Beamten zudem angegriffen haben, wie die Bundespolizei berichtet.Die Aktivisten sagen, die Polizei habe unverhältnismäßig hart reagiert.

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg hat beide Seiten zur Besonnenheit aufgerufen. Man wolle keine Gewaltdebatte, sagte deren Sprecher. Es gehe darum, die Ankunft des Castor-Transports zu verzögern und den Fahrplan der schwarz-gelben Atompolitik durcheinanderzubringen.

Acht Stunden Verspätung bisher

In der Ortschaft Splietau wurde eine aus Traktoren errichtete Straßensperre geräumt. Der Zug aus der französischen Wiederaufarbeitungs-Anlage La Hague soll im Lauf des Tages den Bahnhof in Dannenberg erreichen. Dort werden die elf Castor-Behälter mit hoch-radioaktivem Atommüll für den restlichen Weg ins Zwischenlager Gorleben auf LKW umgeladen. Der Transport befindet sich derzeit mit acht Stunden Verspätung auf dem Weg von Hannover nach Lüneburg.

Entlang der Strecke war der Zug gestern Abend und heute Früh mehrfach aufgehalten worden. In der Region um Dannenberg und Gorleben sind nach offiziellen Angaben zudem rund 2000 Menschen zur Bahnstrecke unterwegs. Der Transport von der französischen Wiederaufarbeitungs-Anlage La Hague war heute früh erneut fast zwei Stunden gestoppt worden, weil sich Atomkraftgegner im nordhessischen Morschen von einer Brücke abgeseilt hatten und nur wenige Meter über den Gleisen hingen. Etwa 50 weitere Demonstranten, die die Gleise blockiert hatten, wurden weggetragen.

Ministerpräsident fordert mehr Solidarität der Bundesländer

David McAllister, CDU-Fraktionsvorsitzender im niedersächsischen Landtag, spricht in Oldenburg beim Landesparteitag der CDU Niedersachsen. (AP Archiv)David McAllister. (AP Archiv)Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister hat eine gerechtere Verteilung der Lasten gefordert, die durch die Absicherung der Castor-Transporte entstehen. Sein Land übernehme eine Aufgabe für die ganze Nation, sagte der CDU-Politiker im Deutschlandfunk. Am Ende bleibe man pro Transport auf 20 bis 25 Millionen Euro für zusätzliche Polizei-Einsatzkosten sitzen. Im Kreise der 16 Bundesländer gebe es bei diesem Thema wenig Solidarität, kritisierte McAllister.

Friedlicher Protest gegen Atompolitik der Bundesregierung

50 000 Menschen hatten gestern friedlich im Wendland gegen die Castor-Transporte und die Atompolitik der schwarz-gelben Bundesregierung protestiert, während der Zug mit dem Atommüll bereits auf dem Weg nach Deutschland war.

Gestern Nachmittag hatte der Castor-Transport die Demonstranten ausgetrickst: Während nördlich von Straßburg fast 2000 Protestanten die Gleise besetzten, stellte die französische Staatsbahn die Weichen um, der Castor fuhr Richtung Kehl. Dafür wurde er in Hessen bei Darmstadt von Atomkraftgegnern für einige Zeit aufgehalten.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:38 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 12:10 Uhr Informationen am Mittag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 12:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Aarhus-Projekt Dänemarks Umgang mit jungen Islamisten

Menschen erinnern am 14. Februar 2016 mit einer Lichterkette an die Anschläge vor einem Jahr in Kopenhagen. (dpa / picture alliance / Claus Bech)

Dialog und harte Hand - so beschreibt der Bürgermeister der dänischen Stadt Aarhus das erfolgreiche Projekt, Syrien-Rückkehrern die Chance zu geben, zurück in ein normales Leben zu finden. Gemeinsam mit muslimischen Mentoren geht die Polizei mit den islamistischen Extremisten in den Dialog.

Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat"Ein Comic-Manifest erklärt die Medienwelt

Ausschnitt aus der deutschen Übersetzung der Graphic Novel "Der Beeinflussungsapparat", geschrieben von Brooke Gladstone und gezeichnet von Josh Neufeld (Correctiv / David Schraven)

Der Journalismus hat zurzeit Probleme mit seiner Glaubwürdigkeit. Ob die Medien sogar fremdgesteuert sind, ist Thema von "Der Beeinflussungsapparat". Die Recherchegruppe Correctiv hat die Graphic Novel aus den USA nun auf Deutsch herausgegeben.

ChinaAKW Hualong 1 für den Sudan

China exportiert Reaktortechnik und baut im Sudan das erste Atomkraftwerk des Landes. Für China ist das der Auftakt. Geplant ist der Export von 30 Reaktoren bis 2030.

Kritik zum Katholikentag"Die christlichen Kirchen werden massiv privilegiert"

Teilnehmer der Vollversammlung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) haben sich am 24.05.2016 in der Kongresshalle in Leipzig (Sachsen) versammelt. (picture alliance / dpa / Sebastian Willnow)

Staat und Kirche müssten konsequenter getrennt werden, fordert der konfessionslose Jurist Maximilian Steinhaus anlässlich des Katholikentages. Die Gesellschaft sei so vielfältig, dass der Staat die unterschiedlichen Weltanschauungen gar nicht gerecht fördern könne.

LandwirtschaftAntibiotika kurbeln Produktion von Treibhausgasen an

Rinder in einem Stall in Deutschland. (imago stock&people)

Antibiotika werden in der Landwirtschaft nicht nur bei Krankheiten von Nutztieren verabreicht, sondern auch als Wachstumsbeschleuniger eingesetzt. Forscher warnen immer wieder davor, dass so antibiotikaresistente Krankheitserreger entstehen. Aber es gibt wohl noch einen weiteren Nebeneffekt.

TV in Russland Sex, Klatsch und viel Propaganda

 Russlands prominente Sex-Beraterin im Fernsehen: Anfisa Chekhova. (imago)

Das russische Fernsehen ist weitgehend unter staatsnaher Kontrolle. Aber anders als zu Sowjetzeiten, als staatstragende Medien öde und langweilig waren, wird die Propaganda heute in beliebte Unterhaltung verpackt - die einen großen Teil der Bevölkerung erreicht.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

G7  Tusk mahnte "klare und harte" Haltung an | mehr

Kulturnachrichten

Architektur-Biennale beginnt für Fachpublikum  | mehr

Wissensnachrichten

Raumfahrt  Raumstation ISS bekommt heute aufgeblasenes Zimmer | mehr