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Der Diktator und sein Porsche

Tunesien versteigert Ben Alis Reichtümer

Von Alexander Göbel

Ein Porsche wartet in der Auktionshalle auf einen neuen Besitzer.
Ein Porsche wartet in der Auktionshalle auf einen neuen Besitzer. (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)

Schnelle Autos, schicke Häuser, teurer Schmuck, edle Weine, moderne Kunst: Der Ben-Ali-Clan in Tunesien hatte es sich gutgehen lassen, jahrzehntelang und auf Kosten der Bevölkerung. Die Übergangsregierung versteigert die Reichtümer jetzt. Es ist die größte Auktion, die es je im Land gegeben hat.

Luxuskarossen, Diamanten, Perlen, goldene Statuen, sündhaft teurer Kitsch: in der Ausstellungshalle in einem Nobelvorort von Tunis blinkt und glitzert es wie in einer Schatzkammer aus Tausendundeiner Nacht. Mehrere zehntausend Objekte waren im Palast des gestürzten Präsidenten Ben Ali konfisziert worden – nun kommt alles unter den Hammer, was keinen kulturhistorischen Wert hat. Seit Weihnachten können die Tunesier bestaunen, was der Präsidenten-Clan in 23 Jahren Herrschaft so alles angehäuft hat. Der Andrang ist groß, maximal fünfhundert Besucher pro Tag sind zugelassen, der Eintritt kostet stolze 15 Euro. Die Studentin Yasmin hat diesen Betrag gerne investiert.

"Das ist alles so luxuriös, königlich, wie ein Traum. Das ist herausragend, super! Wissen Sie, ich will gar nicht mehr nach Hause, ich würde am liebsten hierbleiben"," sagt die junge Frau kichernd.

Tunesierinnen begutachten Handtaschen, die früher Leila Ben Ali gehörten, der Frau von Tunesiens Ex-DiktatorTunesierinnen begutachten Handtaschen, die früher Leila Ben Ali gehörten, der Frau des Ex-Diktators. (picture alliance / dpa / Mohamed Messara)Kaufen wird Yasmin nichts, aber sie will sehen, wo das Geld des Volkes all die Jahre hingeflossen ist. Brilliantbesetzte Uhren und persische Seidenteppiche im Wert von mehr als 12.000 Euro pro Stück gibt es im Direktverkauf - genauso wie die Garderobe der Präsidentengattin Leila Trabelsi. Designerhandtaschen, Pelzmäntel und maßgefertigte italienische Schuhe sind schon ab umgerechnet 150 Euro zu haben. Viel günstiger als zum Neupreis also, aber immer noch so teuer wie ein monatlicher Mindestlohn in Tunesien. Die Besucher sind sprachlos, viele sind auch ein bisschen angewidert von der unfassbaren Raffgier.

""Ich wollte mir das nur mal anschauen", sagt eine Dame, "aber ich werde nichts kaufen. Ich trage ungern die Kleider anderer Leute, und schon gar nicht die der ehemaligen First Lady."

Wer hier kauft, bleibt allerdings lieber diskret. Die tunesische Oberschicht tummelt sich bei der Schnäppchenjagd, aber auch aus dem Ausland kommen Interessenten. Am eigens eingerichteten Bankschalter steht ein afrikanischer Banker, der seinen Tunesienaufenthalt zum Einkauf nutzt, und plauscht mit dem Kassierer. Er ist bereits zum zweiten Mal in der Ausstellung und hat die Preise der Objekte im Internet verglichen.

"Ich gratuliere den tunesischen Behörden, wie sie das organisiert haben, die Preise sind wirklich gut. Diese Tasche von Luis Vuitton zum Beispiel... Die Preise sind um 15 bis 20% niedriger als auf dem normalen Markt, ich bin wirklich beeindruckt."

Tunesiens Präsident Ben Ali bei einem Auftritt in Rades, Tunesien, am 7. November 2007Hier noch mit Macht und Reichtum ausgestattet: Ben Ali bei einem Auftritt im Jahre 2007 (picture alliance / dpa / EPA)Was über einem geschätzten Wert von rund 2500 Euro liegt, wird an den meistbietenden Interessenten verkauft. Die Hauptattraktion neben den Juwelen: die mehr als 40 Autos der Präsidentenfamilie. Darunter ein Aston Martin, ein Lamborghini Gallardo, ein Ferrari, ein Bentley Continental, ein Mercedes McLaren und ein Maybach 62, der über eine halbe Million Euro teuer sein soll. Fast alles waren Sonderanfertigungen für die Präsidentenfamilie. Mit dem Maybach 62 soll übrigens Jean Todt liebäugeln, der Präsident des Internationalen Motorsportverbandes.

Insgesamt hofft Ausstellungsleiterin Afef Douss auf rund 10 Millionen Euro Einnahmen:

"Wir hatten nicht mit so viel Luxus gerechnet. Wir waren alle überrascht. Dass Präsidenten edle Besitztümer haben ist ja nichts Besonderes, aber die schiere Menge schon. In gewisser Weise kann man sagen, dass diese Leute für Tunesien etwas angespart haben. Ben Ali konnte ja nicht ahnen, dass er einfach so verschwinden würde und das alles dem tunesischen Staat überlassen bliebe."

Den Erlös kann Tunesien dringend brauchen: die Wirtschaft kränkelt, die Staatseinnahmen und Devisenreserven sinken. Das Geld aus dem Verkauf fließt direkt in den Haushalt 2013. Doch dabei handelt sich nur um einen Bruchteil des Vermögens der Familie. Fast vierhundert Firmen wurden nach der Revolution unter die Treuhänderschaft des Staates gestellt, darunter Mobilfunkanbieter und Konzessionshändler internationaler Autofirmen. Diese werden nach und nach verkauft. Doch auf die Ben-Ali-Milliarden, die auf ausländischen Konten liegen, wartet Tunesien bisher vergeblich. Und Ben Ali selbst - zu 35 Jahren Haft verurteilt - verfolgt die Versteigerung aus dem "sicheren" Exil in Saudi-Arabien.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:03 Uhr

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