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Der direkte Draht ins Amt

Prototyp des bundesweit ersten interaktiven Bürgerterminals in Dresden vorgestellt

Von Claudia Altmann

3D-Entwurf des interaktiven Bürgerterminals für den Freistaat Sachsen in Dresden (eKiosk)
3D-Entwurf des interaktiven Bürgerterminals für den Freistaat Sachsen in Dresden (eKiosk)

Der Bevölkerungsrückgang in Sachsen stellt die Verwaltung vor neue Herausforderungen: Für viele Bürger ist der Weg zum nächsten Verwaltungsamt weit, besonders für ältere Menschen ein Problem. Ein elektronisches Bürgerterminal soll Abhilfe schaffen.

Von einer bürgernahen Verwaltung kann man in Zeiten des demografischen Wandels in vielen Gegenden Sachsens schon lange nicht mehr sprechen. Wegen schrumpfender Einwohnerzahlen, Kosten- und Personaleinsparungen mussten zahlreiche Ämter geschlossen werden. 1990 gab es im Freistaat 1626 Städte und Gemeinden. Heute sind es noch 438. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet das lange Wege. Vor allem für die zunehmende Zahl älterer Menschen ein großes Problem. In Sachsen soll nun die Verwaltung wieder enger an den Bürger heranrücken. Und zwar mithilfe des interaktiven Bürgerterminals. Als erste öffentliche Testperson stellte sich Sachsens Justizminister Jürgen Martens bei der Präsentation in der Dresdner Firma eKiosk zur Verfügung. Sie hat das Terminal entwickelt und stellt ihn auch her.

Martens: "Schönen guten Tag. Ich hätte gerne eine Auskunft."
Sachbearbeiter: "Eine Auskunft ..."
Martens: "Wohngeld. Kann ich ..."

Martens nimmt vor dem 1,60 Meter großen grauen Terminal Platz. Vor ihm in Augenhöhe ein Touchscreen. Das Neue: Über eine Webcam wird per Videoschalte eine direkte Verbindung zu einem Verwaltungsbeamten hergestellt. Bei der Präsentation sitzt dieser nur wenige Meter weiter im selben Raum. Im Ernstfall liegen zwischen beiden Dutzende Kilometer. Der Sachbearbeiter geht mit dem Bürger jeden Schritt durch. Dabei helfen ein Scanner, ein Drucker und ein Lesegerät für den Personalausweis.

"Das werden Sie in der Öffnung vor sich gleich sehen. Der Drucker startet. Die beiden Dokumente ..."

Das Gespräch kann auch vertraulich über einen eingebauten Telefonhörer geführt werden. Der Bürgerterminal ermöglicht künftig eine Rundumversorgung des Bürgers, erklärt Jürgen Martens:

"Gleichzeitig ist es hier aber auch möglich, Verwaltungsdienstleistungen bis hin zum Ausdruck eines Bescheides zu erhalten, Anträge zu stellen oder auch eine qualifizierte Signatur abzugeben. Alles Dinge, die man so zum Beispiel am Telefon oder im Internet nicht machen kann."

Und das so bürgernah wie möglich:

"Da gibt es natürlich dann entsprechend auch die Anleitungen dazu, wie man damit umgeht, dass die Leute dann nicht einfach davor sitzen und damit nichts anfangen können. Wobei Sie haben gesehen, man muss keinerlei Computerkenntnisse haben, um das Teil bedienen zu können. Sondern der Mitarbeiter sagt einem, was jetzt passiert. Man kann es selber mit verfolgen am Bildschirm, das Ausfüllen von Formularen etwa. Der kann sagen: Halt, das schreiben wir jetzt anders, Sie haben ein falsches Datum eingegeben. Und Sie kriegen zur Kontrolle dann immer unten ausgedruckt das Dokument."

Zehn Terminals werden in den kommenden Wochen in entlegenen Gegenden aufgestellt und zwei Jahre lang getestet. Zunächst in leer stehenden Amtsgebäuden. Denkbar - so Martens - wären auch diskrete Standorte in Einkaufszentren. Wenn sich das Modell bewährt, sei auch eine Kooperation etwa mit Banken oder Sparkassen denkbar, was auch die Kosten senken würde. Der Bürgerterminal und die dazugehörige Station in der Verwaltung kosten 17.000 Euro. Die Entwickler der Firma eKiosk haben zudem noch weitere Nutzungsmöglichkeiten im Auge, erklärt Geschäftsführer Peter Jütte:

"Sparkassen, die Versicherungen, vielleicht auch die Krankenkassen, die Schufa-Auskunft, solche Dinge können alle da drauf. Und weil sie auch zentral über ein Videocallcenter dann gemanagt werden. Das ist nur eine Know-how-Frage und eine Frage wie viel. Was dann wieder Auswirkungen auf die Investition hat, die dann gegen null gehen kann."

Zunächst aber muss sich der interaktive Terminal in Verwaltungsfragen bewähren. Den ersten Vorführtest hat er schon mal bestanden.

Martens: "Dann bedanke ich mich sehr."
Sachbearbeiter: "Kann ich Ihnen außerdem noch behilflich sein?"
Martens: "Ja, ich brauche noch eine Hundesteuermarke. Aber das machen wir dann ein anderes Mal."



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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