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Der erste Papst aus Lateinamerika

Mit Glückwünschen und Appellen reagiert die Welt auf die Wahl von Papst Franziskus

Der neue Papst Franziskus segnet nach seiner Wahl die Gläubigen auf dem Petersplatz und in aller Welt. (dpa / Michael Kappeler)
Der neue Papst Franziskus segnet nach seiner Wahl die Gläubigen auf dem Petersplatz und in aller Welt. (dpa / Michael Kappeler)

"Das erste Mal in der Geschichte haben wir einen lateinamerikanischen Papst, einen südamerikanischen Papst und einen Papst, dessen Muttersprache Spanisch ist." Der Begeisterung von Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos haben sich viele Gratulanten aus der ganzen Welt angeschlossen.

Insbesondere in Lateinamerika wurde Ernennung der Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zum neuen Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche positiv aufgenommen. Der Generalsekretär der mexikanischen Bischofskonferenz, Eugenio Lira, brachte es auf den Punkt: "Diese Wahl erfüllt uns mit Freude, weil wir uns noch besser mit jemandem identifizieren können, der die Situation der lateinamerikanischen Völker kennt." Die Brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff lud den neuen Papst ein, Südamerika bald zu besuchen. Die Gläubigen erwarteten ihn ungeduldig zum Weltjugendtag in Rio de Janeiro.

Die Staatspräsidentin von Argentinien, Cristina Fernandez de Kirchner. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)Die Staatspräsidentin von Argentinien, Cristina Fernandez de Kirchner. (picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte)Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner gratulierte dem früheren Erzbischof der Hauptstadt Buenos Aires über den Kurznachrichtendienst Twitter und erklärte, sie wolle am Dienstag nach Rom reisen, wenn erstmals ein Argentinier offiziell in das Amt des Papstes eingeführt werde.

Obama begrüßt einen "Vorkämpfer für die Armen"

Glückwünsche kamen auch aus Washington. Der US-amerikanische Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle schickten "herzliche Grüße für den ersten amerikanischen Papst" über den Atlantik. Franziskus sei ein Vorkämpfer für die Armen, Schwachen und Verletzlichsten. Das Votum für einen Lateinamerikaner belege die Stärke und Vitalität einer Region, die die Welt zunehmend forme, sagte Obama in Washington.

Uno und EU: Hoffnung auf erfolgreiche Friedensarbeit

Dem schloss sich Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon an: Die Vereinten Nationen und die Kirche hätten viele gemeinsame Ziele wie Frieden, Gerechtigkeit und ein Ende von Armut und Hunger. Für die Europäische Union gratulierten Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Ratspräsident Herman Van Rompuy: "Wir wünschen Eurer Heiligkeit und der katholischen Kirche ein langes und gesegnetes Pontifikat, das es Euch ermöglicht, die grundlegenden Werte von Frieden, Solidarität und Menschenwürde zu verteidigen".

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionschef Manuel Barroso äußerten die Hoffnung, dass Papst Franziskus sein Pontifikat dazu nutze, die Grundwerte des Friedens, der Solidarität und der Menschenwürde zu verteidigen.

Bundespräsident Joachim Gauck in Rostock (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Bundespräsident Joachim Gauck (picture alliance / dpa / Jens Büttner)Unter den internationalen Gratulanten war auch Bundeskanzlerin Angela Merkel Bundeskanzlerin Merkel, die in Berlin erklärte, Millionen von Gläubigen erhofften sich Orientierung nicht nur in Glaubensfragen. Bundespräsident Joachim Gauck, gratulierte mit den Worten: "Sie treten die Nachfolge Petri in Zeiten großer Herausforderung an. Die Menschen in Deutschland, besonders die katholischen Christen, sehen Ihrem Pontifikat voller Erwartung und Sympathie entgegen."

"Die wankende katholische Kirche stützen"

Die Deutsche Bischofskonferenz sicherte dem neuen Oberhaupt der katholischen Kirche volle Unterstützung zu. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sieht in dem neuen Papst einen Mann der Praxis. Er sei davon überzeugt, dass Papst Franziskus für mehr Transparenz eintreten werde, sagte Zollitsch im Deutschlandfunk. Er habe große Leitungserfahrung, etwa an der Spitze der großen lateinamerikanischen Bischofskonferenz. Außerdem traue er Franziskus zu, dass er nun in der Kurie die nötigen Reformen durchsetzen könne.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Alois Glück. Er sehe in der Wahl des Argentiniers ein Zeichen für den Reformwillen der katholischen Kirche, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Zudem würdigte er den ersten öffentlichen Auftritt des neuen Papstes, in dem dieser die Gemeinsamkeit von Volk und Bischof betont habe.

Der Trierer Bischof Stefan Ackermann hält es für ein starkes Signal, dass sich der neue Papst Franziskus nennt. Ackermann sagte im Deutschlandfunk, Franz von Assisi habe sich im 13. Jahrhundert berufen gefühlt, die wankende katholische Kirche zu stützen. Insofern sei die Wahl des Namens in Anlehnung an diesen Heiligen Programm. Ackermann sprach außerdem von einem Einschnitt, weil sich das neue Oberhaupt der katholischen Kirche nicht in eine Tradition gleichnamiger Päpste einreihe.

Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, der selbst an der Wahl teilgenommen hatte, erklärte in Rom: "Ich hätte mir einen anderen vorgestellt." Es sei aber ein gutes Zeichen, dass der neue Papst ganz anders sei als erwartet.

Jüdischer Weltkongress: "Wichtiges Zeichen in die Welt geschickt"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sagte, es freue ihn besonders, dass der neue Papst durch die Namenswahl bewusst ein Zeichen setze für die Armen und für Gerechtigkeit in der Welt. Franz von Assisi, der Namensgeber des neuen Papstes, ist in der Katholischen Kirche der Heilige der Armen und Patron des Umweltschutzes.

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald Lauder, erklärte in New York, die Kardinäle im Vatikan hätten ein wichtiges Zeichen in die Welt geschickt, "indem sie einen so erfahrenen Mann gewählt haben, jemand, der für seine Weltoffenheit bekannt ist."

Ein überraschender Kandidat


Als "sehr überrascht" vom Wahlausgang bezeichnete sich auch ein Ordensbruder von Franziskus, der Provinzial der Jesuiten in Deutschland, Pater Stefan Kiechle. Hintergrund ist die Selbstdefinition des Ordens: "Jesuiten sind zum Dienen da und nicht für die Hierarchie" - so erklärte es Bernd Hagenkord, der jesuitische Leiter des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan im Deutschlandfunk-Interview. Dennoch hätten sich auch die Jesuiten sehr über die Wahl gefreut.

Hocherfreut sind die Franziskaner – und zwar über die Namenswahl des neuen Papstes. Noch nie habe sich ein Papst nach dem Ordensgründer Franz von Assisi genannt, sagte Provinzial Cornelius Bohl in Hamburg.

Franziskus - ein "Papst der Raben?"

Jorge Bergoglio wurde zum Papst gewählt. Er nennt sich Franziskus I. Dieses Bild stammt von 2005. (dpa / picture alliance)Jorge Bergoglio wurde zum Papst gewählt. Er nennt sich Franziskus. Dieses Bild stammt von 2005. (dpa / picture alliance)Selbst in der Heimat des neuen Papstes hatte wohl kaum jemand mit der Wahl von Erzbischof Jorge Mario Bergoglio gerechnet. Nur etwa 200 Gläubige waren in der Kathedrale der argentinischen Hauptstadt versammelt Buenos Aires versammelt, als vom Balkon des Petersdomes verkündet wurde, dass ihr Erzbischof neues Oberhaupt der katholischen Kirche ist.

Daraufhin jedoch strömten tausende Menschen vor der Kirche zusammen, fielen einander um den Hals und beteten. Besonders erfreut zeigte sich der Fußballkub San Lorenzo, dessen Fan der neue Papst ist. Man gratuliere Bergoglio, hieß es in einer Mitteilung. Der neue Papst könnte fortan neben dem offiziellen Namen Franziskus auch den Beinamen "Papst der Raben" tragen. San Lorenzo-Fans bezeichnen sich selbst nach den schwarzen Vögeln in Anlehnung an die Soutane des Klub-Gründers und Priesters Lorenzo Massa.

Hören Sie weitere Reaktionen auf die Wahl des Papstes in den Interviews der Informationen am Morgen im Deutschlandfunk:
ab 8.15 Uhr Kathrin Göring-Eckardt, Bündnis90 Die Grünen, Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland


Welche Aufgaben auf Papst Franziskus warten, beleuchtet die fünfteilige Serie "Baustelle Kirche - Herausforderungen für einen neuen Papst" im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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