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"Der Feind wird von uns hergetrieben"

Reihe: "Juni '40 - Der Revanchekrieg gegen Frankreich" - Teil 2

Von Jörg Hafkemeyer

Ein deutscher Panzer im Fronteinsatz. (AP Archiv)
Ein deutscher Panzer im Fronteinsatz. (AP Archiv)

"Die Operationen des Heeres und der Luftwaffe südlich der Somme und des Aisne-Oise-Kanals schreiten planmäßig und erfolgreich fort. Die Weygand-Linie wurde auf der ganzen Front durchbrochen."

Eine Meldung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 7. Juni 1940.

"This is Berlin ... I'm William Shirer

Die deutschen Militärexperten, die für Berliner Zeitungen schreiben, halten sich sehr zurück. Ihr hauptsächlicher Punkt ist heute, dass jetzt die Weygand-Verteidigungsstellungen südlich der Somme eingenommen wurden und nun die Kriegsführung in offenem Gelände – die den Deutschen so lieb ist – möglich wird."

Der amerikanische Radiokorrespondent William Shirer aus Berlin in seinem Bericht für CBS. In Princeton notiert am Tag darauf, am 8. Juni, Thomas Mann in sein Tagebuch:

"Die Kämpfe in Frankreich grauenhaft. Die Deutschen 'heulende Derwische', offenbar unter Drogen. Trotz zähester Verteidigung muss man Paris wohl abschreiben, aber die Deutschen werden übel zugerichtet dort ankommen – und es wird sinnlos sein."

Frontberichterstatter: "Der Feind wird von uns hergetrieben. Er kann nirgends mehr Widerstand leisten. Alle Straßen sind frei. Die französischen Truppenteile ergeben sich überall in völliger Auflösung."

Ein Frontberichterstatter im deutschen Rundfunk. - In Le Vesinet, einem westlichen Vorort von Paris, lebt der deutsche Kaufmann Karl Reichenbach mit seiner zweiten Frau und zwei Kindern. Er notiert über diesen Tag:

"Die Nachrichten über die Unmittelbarkeit der Gefahr widersprechen sich. Die unentwegten Optimisten fangen an, sich selbst zu belügen. Man klammert sich an jeden Strohhalm, ohne noch an die Möglichkeit einer glücklichen Lösung zu glauben: mutigen, aber nicht verzweifelten Sinnes."

OKW-Meldung: "Unsere Operationen südlich der Somme und des Aisne-Oise-Kanals schreiten weiter erfolgreich fort. Auch südlich der unteren Somme wurde der Feind geworfen. Zur Unterstützung des Heeres griff die Luftwaffe mit starken Kräften südlich der Somme in den Erdkampf ein und belegte Truppenansammlungen, Kolonnen, Infanterie- und Artilleriestellungen erfolgreich mit Bomben."

"Geräusche ungewohnter Unruhe, die von der Straße heraufklingen, lassen meine Frau aus dem Bett springen. Es ist fünf Uhr früh. Man bereitet den Aufbruch vor! Die allgemeine Flucht beginnt. Soll man gehen?","

fragt sich Karl Reichenbach in Paris. Der Sicherheitsdienst der SS schreibt in seinem täglichen Geheimbericht über die Stimmung im Reich:

""Ein Beweis für die Siegeszuversicht und das Vertrauen des Volkes in die Kriegsführung ist die allgemein vertretene Ansicht, dass die Einnahme von Paris schon innerhalb der nächsten acht Tage bevorstehe. Allgemein ist man fest davon überzeugt, dass es nunmehr zur völligen Vernichtung Frankreichs kommen müsse."

"This is Berlin ... I'm William Shirer

Die deutsche Presse berichtet von einem wieder aufgelebten Interesse am Erlernen von Fremdsprachen, besonders Englisch und Französisch. Eine Nachrichtenagentur berichtet, dass allein in Berlin 350 Kurse angefangen hätten und meint dazu, viele Leute seien davon überzeugt, dass der Krieg Personen mit der Kenntnis dieser Sprachen neue Möglichkeiten eröffne."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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