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Der gekenterte Chemietanker an der Loreley

Abschlussbericht zu einem der größten Schiffunglücke auf dem Rhein

Von Ludger Fittkau

Feuerwehrmänner untersuchen auf dem Rhein bei Sankt Goarshausen den gekenterten Tanker. (picture alliance / dpa)
Feuerwehrmänner untersuchen auf dem Rhein bei Sankt Goarshausen den gekenterten Tanker. (picture alliance / dpa)

Die "Waldhof" war falsch beladen und zu schnell in einer Rheinkurve unterwegs. Das ist das Ergebnis des Abschlussberichts der Bundesanstalt für Wasserbau zu dem vor zwei Jahren unterhalb der Loreley gekenterten Chemietankers. In der Folge hatten Hunderte Einsatzkräfte wochenlang gegen eine drohende Umweltkatastrophe gelämpft.

"Ich habe gelernt, dass Schwefelsäure die chemische Eigenschaft hat, in Verbindung mit Wasser zu reagieren, dass es zu einer sehr hohen Temperatur kommt und das innerhalb von Stunden sowohl die Innen- und Außentanks durchfressen werden und die Ladung dann in den Rhein gelangen würde."

Kurt Beck, der damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsident im Januar 2011 unterhalb der Loreley. Dort liegt zu diesem Zeitpunkt der gekenterte Chemietanker "Waldhof" schräg im Strom, beladen mit 2400 Tonnen Schwefelsäure, die auszulaufen drohen. Beck spricht von einem der größten Unglücke in der Geschichte der Rheinschifffahrt. Wochenlang kämpfen mehrere hundert Einsatzkräfte gegen eine drohende Umweltkatastrophe:

"Deswegen messen wir kontinuierlich. Wir hatten ja gleich zu Anfang mal einen leichten Ladungsaustritt gehabt. Und das wird ein Thema bei der Bergung sein: Was ist genau passiert, welches Gefahrenpotential ergibt sich daraus, das wird genau in den Bereich rein fließen."

Ein Teil der Säure fließt kurz nach der Havarie in den Rhein, während der Bergung werden dann zusätzlich etwa 1500 Tonnen Schwefelsäure kontrolliert in den Strom geleitet. Nach 32 Tagen gelingt die Bergung der Waldhof. Ein Besatzungsmitglied wird später tot im Rumpf gefunden, ein anderes wird trotz groß angelegter Suchaktionen an den Ufern des Mittelrheins bis heute vermisst. Zwei Jahre nach der "Waldhof"-Katastrophe wurde heute nun der lang erwartete Abschlussbericht zu den Ursachen des Unglücks vorgelegt.

Noch während die Bergung des havarierten Tankers an der Loreley lief, hatte das Bundesverkehrsministerium die Kommission eingesetzt. Bevor die Ergebnisse im einzelnen vorgestellt wurden , erinnerte Heinz-Josef Joeris, Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest heute zu Beginn der Pressekonferenz noch einmal an die menschlichen Folgen der Tragödie:

"Vor zwei Jahren erlebten wir auf dem Rhein ein Unglück, wie es der Rhein bis dahin nicht gesehen hatte. Bei der Kenterung des Tankmotorschiffs "Waldhof" hat ein Binnenschiffer sein Leben verloren, ein weiterer wird bis auf den heutigen Tag vermisst. Und ich denke, zum zweiten Jahrestag kann ich den Angehörigen erneut ausdrücken und ausdrückliches Mitgefühl und Beileid zu diesem tragischen Verlust."

Michael Putschke von der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest leitete die Untersuchungskommission. Ein zentrales Ergebnis: Die Stabilitätskriterien für die Ladung der "Waldhof" wurden zum Ladezeitpunkt nicht eingehalten:

"Speziell Tankschiffe müssen bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Und diese Stabilitätskriterien wurden im Fall des TMS Waldhof in diesem Fall nicht eingehalten."

Heißt im Klartext: Das Schiff war falsch mit Schwefelsäure beladen. Dennoch fuhr es zunächst ohne Probleme rheinabwärts von Ludwigshafen nach Bingen.

Was genau letztlich aber die Havarie des Schiffes in der Nähe der Loreley verursachte, blieb zunächst unklar. Für die Analyse des Unfallgeschehens war der Schiffführungssimulator der Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe entscheidend. Mit diesem Simulator wurde die Fahrt der "Waldhof" rekonstruiert um damit Erkenntnisse über die Unfallursachen zu gewinnen.
Die Kommission sieht jetzt die Hauptursache für die Havarie in einer Begegnung mit einem entgegenkommenden Schiff und einem Ausweichmanöver bei hoher Geschwindigkeit in einer Kurve – das alles bei Hochwasser. In Verbindung mit der nicht den Sicherheitsvorschriften entsprechenden Ladung des Schiffes kam es zum kentern: Thorsten Dettmann von der Karlsruher Wasserbau-Behörde:

"Infolge dieser Begegnung musste die "Waldhof" in der rechten Fahrrinne bleiben. Sie hatte eine hohe Fahrgeschwindigkeit in Folge der hohen Fließgeschwindigkeiten. So und dann hat sie sie die Kurve in einem kleinen Radius durchfahren und das heißt auch deutlich höhere Querkräfte und Querbeschleunigung, die auf das Schiff gewirkt haben."

Aufgrund der Kombination aus falscher Beladung des Schiffes und einem individuellen Fahrfehler sieht die Untersuchungskommission keine Notwendigkeit, die Bauart von Tankschiffen wie der "Waldhof" infrage zu stellen. Allerdings sollten Situationen wie das Unglück an der Loreley künftig in die die Schiffsführerausbildung einfließen. Die strafrechtlichen Folgen des Unglücks sind noch offen.

Längst fährt der Unglückstanker "Waldhof" wieder auf dem Rhein – heute heißt er "Augira". Wie vor der Havarie transportiert das Schiff der Duisburger Reederei Lehnkering Chemikalien und andere Flüssigkeiten. Repariert wurde die "Waldhof" in einer niederländischen Werft. Am Schiffsaufbau hat sich nichts verändert.



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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