Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Der hohe Preis der Sicherheit

Die Kosten des Antiterrorkampfs der USA

Von Miriam Braun

Allein die Kriegsausgaben für Arbeitskraft, Materialien, Bomben und Munition haben die USA schätzungsweise etwa 1,3 Billionen Dollar gekostet. (AP)
Allein die Kriegsausgaben für Arbeitskraft, Materialien, Bomben und Munition haben die USA schätzungsweise etwa 1,3 Billionen Dollar gekostet. (AP)

Zehn Jahre ist es her, als durch den Terroranschlag auf die Türme des World Trade Centers in New York die Welt stillstand. Die Anschläge und deren Folgen verursachten enorme finanzielle Kosten für die USA - darunter Ausgaben für die Kriege in Afghanistan und im Irak. Und die Kosten werden weiter steigen.

Ein Schlag, der Amerika und die Welt erschütterte. Umgehend wurde für die Regierung die "Sicherheit jedes einzelnen Amerikaners" oberste Priorität. Präsident George W. Bush erklärte dem Terror den Krieg:

"Der Krieg gegen den Terror beginnt nur mit Al Kaida ..."

Aber er ist erst zu Ende, wenn jede globale Terroristengruppe gefunden gestoppt und zerschlagen wurde. Die Reaktion der US-Regierung schätzte Ökonom Joseph Stiglitz fünf Jahre später so ein:

"Die Frage ist: Reagiert man angemessen und innerhalb der eigenen Wertvorstellung oder wie ein Huhn, dem man den Kopf abgeschlagen hat."

Und die USA habe sich schlimmer aufgeführt als ein kopfloses Huhn, so der Nobelpreisträger.

Im Oktober 2001 waren die ersten Truppen in Afghanistan, der Krieg dort weitete sich Jahre später auf Pakistan aus – im März 2003 folgte der Irakkrieg – der von der Regierung auch mit "Anti-Terror"-Bemühungen gerechtfertigt wurde.

Allein die Kriegs-Ausgaben des Pentagons, für Arbeitskraft, Materialien, Bomben und Munition haben - Schätzungen des Watson Institutes for International Studies zufolge 1,3 Billionen Dollar gekostet. Aber das sei nur die Spitze des Eisberges, sagt Harvard Professorin Linda Bilmes.

"Das ist nur das Geld, das schon ausgegeben wurde. Aber es kommen noch viele, viele weitere Kosten auf uns zu. Ein großer Batzen: Die medizinische und psychologische Versorgung – teilweise auf Lebenszeit - der mehreren Hunderttausend Kriegsheimkehrer."

Linda Bilmes hat gemeinsam mit Stiglitz ein Buch über die Kosten des Antiterrorkampfes geschrieben. Ihren Schätzungen zufolge müssen heute schon rund die Hälfte der 1.200.000 Kriegsheimkehrer behandelt werden. Kosten 32 Milliarden. Zukünftige Heimkehrer und Langzeitfolgen werden in den kommenden 30 Jahren dazu kommen - und etwa eine weitere Billion kosten.

Auch seien die Ausgaben für die Kriege einzig auf Pump finanziert worden. Allein die Zinsen für die Schulden für die Kriegsausgaben des Pentagons betragen weitere 200 Milliarden Dollar. Alles Gelder, die man auch anders hätte ausgeben können.

"Für Ausbildung, Infrastruktur, Wiederaufbau. Man hätte Schulden abbauen können. Die Kriege haben wenig Gewinn gebracht, ökonomisch betrachtet."

Auch für den Ausbau der inneren Sicherheit wurden seit 9/11 weitere 400 Milliarden zusätzlich ausgegeben. Laurie Garret gehört zum Council of Foreign Relations. Auch sie hat ein Buch über die Auswirkungen von 9/11 geschrieben.

"Das Problem ist, das kein Politiker nach den Anschlägen wiedergewählt worden wäre, wenn er gesagt hätte, wir zahlen uns dumm und dusselig hier. Nein, El Kaida wird nicht den Marktplatz in eurem 20.000-Seelen-Dorf wegbomben."

Sie erinnert an etwas, das viele Menschen bei der Kostenberechnung vergessen: 2001, wenige Wochen nach den Anschlägen in New York, wurden mit Milzbrand-Bakterien verseuchte Briefe an Medien und Senatoren verschickt. 5 Menschen starben, 17 erkrankten. Lange dachte das FBI die Absender seien Terroristen, mit Folgen:

"Wir haben jedes einzelne Krankenhaus, in der kleinsten Stadt in eine gegen Bioterrorismus gewappnetes Spezialeinheit verwandelt. Unmengen an Geld für Aufrüstung. Das gleiche gilt für Polizeistationen und Feuerwehren."

Nicht zuletzt habe gerade der Krieg im Irak vehement auf den Ölpreis gewirkt. Der stand im Jahr 2000 auf etwa 30 Dollar pro Barrel, heute ist er fast drei Mal so hoch. Eine weitere Belastung für das Ölimportland Amerika und dessen Industrie. Bilmes und Stiglitz' Schätzungen zufolge, haben allein die Kriege im letzten Jahrzehnt die USA 4 Billionen der 14 Billionen schweren Staats-Verschuldung gekostet. Tendenz steigend.

Zum Themenportal "9/11 - Zehn Jahre danach"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:44 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Jazz Live

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 20:03 Uhr Konzert

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Räumung des Idomeni-CampsEin Zeichen der Ohnmacht

Zwei griechische Polizisten stehen bei der Räumung des des Flüchtlingslagers in Idomeni am 24.05.2016 vor Zelten, vor denen ein Flüchtlingsjunge kauert. (picture alliance / dpa / Yannis Kolesidis)

Zelte, die im Schlamm untergehen: Diese Bilder sind nach der Räumung der Flüchtlingszeltstadt im griechischen Idomeni passé. Doch das ist ein Rückschritt, meint Panajotis Gavrilis − und der große Skandal liege ohnehin woanders.

Ein Konto für jedermannAlle Banken sind jetzt in der Pflicht

Ein Bankkunde hebt in Hamburg mit seiner Girokarte Bargeld von einem Geldautomaten ab. (dpa-Bildfunk / Angelika Warmuth)

Jeder in Deutschland lebende Mensch kann künftig bei einer Publikumsbank ein Konto eröffnen. Das entsprechende Gesetz tritt im Juni in Kraft. Damit sind nahezu alle Banken in der Pflicht, solche Basiskonten auch für Erwerbs- oder Wohnungslose anzubieten. Und solange das Konto im Plus bleibt, kann der Inhaber frei darüber verfügen.

Widerstand gegen WindkraftDie Energiewende als Soziallabor

Eine alte Windmühle steht zwischen Wohnhäusern in Kiel, im Hintergrund ein modernes Windrad.  (picture alliance / Hinrich Bäsemann)

In den vergangenen 25 Jahren sind in Deutschland 25.000 Windräder entstanden. Obwohl die Mehrheit der Deutschen die Erneuerbaren befürwortet, wächst der Widerstand gegen die Windkraft. Was bedeutet das für die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes?

ÖsterreichVan der Bellen will weder Oberlehrer noch Zuchtmeister sein

Der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer (r.) und der künftige Bundespräsident Alexander Van der Bellen (l) sitzen das erste Mal zusammen. (picture-alliance / dpa/epa/Christian Bruna)

Der neue österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen möchte seine Persönlichkeit und Erfahrung in das neue Amt einbringen. In der Wiener Hofburg, seinem künftigen Amtssitz, traf er heute schon mal auf Amtsinhaber Heinz Fischer.

Aggressionen gegen Flüchtlingshelfer"Damit die richtig schön Angst kriegen"

Ehrenamtliche, die Geflüchteten helfen, werden immer häufiger bedroht.  (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Drohbriefe, eingeschlagene Fensterscheiben, Beleidigungen und Verleumdungen in sozialen Netzwerken, sogar Brandanschläge auf Autos - das alles müssen Ehrenamtliche ertragen, die Flüchtlingen helfen.

Gesichtserkennungs-App "FindFace"Das Ende der Anonymität

Ein Mann hält sich die Augen zu (imago/blickwinkel)

Meine Freunde, mein Beruf, meine Hobbys: Eine Software erkennt Gesichter auf Fotos und liefert in kürzester Zeit Informationen aus sozialen Netzwerken. In Russland ist das schon Realität. Auch die Polizei und Geheimdienste sind an der Gesichtserkennung in Echtzeit interessiert.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Türkei  Erdogan macht Flüchtlingsabkommen von Visa-Freiheit abhängig | mehr

Kulturnachrichten

Künstler aus Sachsen bekommen Marion-Ermer-Preis  | mehr

Wissensnachrichten

Roboter-Wachmann  Robocop läuft in US-Einkaufszentrum Streife | mehr