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Der jugendliche Rebell der Literatur

Vor 50 Jahren starb Hermann Hesse

Starb vor 50 Jahren: Hermann Hesse
Starb vor 50 Jahren: Hermann Hesse (AP Archiv)

Mit Klassikern wie "Steppenwolf" und "Das Glasperlenspiel" prägte Hermann Hesse die Protestbewegung der 1960er-Jahre. Mit einer Gesamtauflage von über 120 Millionen Exemplaren gehört der Literaturnobelpreisträger heute zu den meistgelesenen deutschen Autoren weltweit. Jetzt jährt sich sein Todestag zum 50. Mal.

"Ich bin ein Zigeuner, trage die Hände im Hosensack und schreibe meine Verse an den seltenen Tagen, an denen ich weder für Geld arbeite noch betrunken bin. Nächst Büchern, Wein und Weibern weiß ich nur ein Vergnügen: Wandern.", so beschrieb sich Hermann Hesse um 1900 selber. Da hatte der am 2. Juli 1877 im württembergischen Calw geborene Schriftsteller bereits einige Gedichtsbände verfasst. Doch seine literarische Karriere sollte erst mit seinem 1904 veröffentlichten Debütroman "Peter Camenzind" beginnen.

Als Sohn eines evangelischen Missionars, der mehrere Jahre in Indien stationiert war, trieb es den jungen Hesse 1911 für längere Zeit nach Asien. Seine Auslandsaufenthalte in Ceylon und Indonesien, das Erleben der dortigen Weisheiten und Religionen, prägten Hesses Weltsicht und Werke maßgeblich. Die Suche nach der eigenen Identität wurde zum zentralen Motiv seiner Bücher. Und fast nebenbei gelang es ihm die buddhistische, taoistische und hinduistische Philosophie in der westlichen Welt populär zu machen.

Zu Hesses 50. Todestag wird nun in ganz Deutschland mit Veranstaltungen und Feierlichkeiten an den Autor erinnert. In Lübeck wird eine szenische Installation mit Texten des Autors ausgestellt werden. Im niedersächsischen Hamm lesen Bürgerinnen und Bürger ihre Lieblingspassagen aus Hesses Werken vor. Besonders viele Veranstaltungen sind in Hesses Geburtsstadt Calw geplant, wo sich auch das Herman-Hesse-Museum ausführlich an den Festivitäten beteiligt. Zudem werden bis 2013 mehrere neue Hesse-Biografien auf dem deutschen Büchermarkt erscheinen.

Ein öffentlicher Pazifist

Seine Popularität erlangte Hesse in den 1920er Jahren. Nach der Erfahrung des Ersten Weltkrieges setzte er sich öffentlich für Frieden, Völkerverständigung und eine nationenübergreifende Humanität ein. In dieser Zeit entstanden auch seine bekanntesten Bücher, wie z.B. "Siddharta" (1922), "Der Steppenwolf" (1927), "Narziss und Goldmund" (1930) sowie "Die Morgenlandfahrt" (1932). Während des Nationalsozialismus beherbergte Hesse einige seiner geflüchteten Schriftstellerkollegen (u.a. Thomas Mann) in seiner Schweizer Wahlheimat, deren Staatsbürger er 1924 geworden war.

Parallel zu seinem öffentlichen Aufsteig erlebte Hermann Hesse im Privatleben gravierende Schicksalsschläge. Die schwere Krankheit seines Sohnes Martin, der Tod seines Vaters und die zunehmend schlechtere Verfassung seiner ersten Frau, führten dazu, dass sich Hermann Hesse 1917 einer Psychoanalyse unterzog. Depressionen und Lebenskrisen sollten ihn allerdings bis zum Lebensende begleiten.

Autor für Krisenzeiten

Den literarischen Ritterschlag erhielt Hesse 1946, als man ihm den Literaturnobelpreis "für sein inspiriertes dichterisches Schaffen, das in seiner kühnen und tiefgehenden Entwicklung Ideale des klassischen Humanismus ebenso wie die hohe Kunst des Stils repräsentiert" verlieh. Dennoch blieben der Autor und sein Werk noch zu Lebzeiten umstritten. Erst mit dem Aufkommen der Protestkultur in den 1960er Jahren erlebten seine Bücher eine literarische Wiedergeburt. Heute gilt er als Autor für Krisenzeiten. So schrieb die FAZ 2005:

"Hesse ist der Dichter der spirituellen Erlösungssehnsucht und der poetischen Lebenshilfe, der Dichter der idealistischen Identitätsrecherche und der leidvollen Selbstverwirklichung."

Als Literat genießt Hesse mittlerweile Weltruhm und Anerkennung. So meint der Schriftsteller Michael Kleeberg, Hesse sei ein brillanter Autor, der sich auch formal mehr getraut habe als viele seiner Zeitgenossen. Dennoch polarisiert das Werk von Herman Hesse immer noch die Fachwelt. Bei Hesse gebe es "wunderbare Stücke", aber eben auch "sehr viel esoterischen Schwulst", meint der Deutschlandfunk-Literaturkritiker Denis Scheck.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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