Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Der lang erwartete Bericht

UNO-Ergebnisse zu Chemiewaffeneinsatz in Syrien werden vorgestellt

UN-Waffeninspekteure in einem Vorort von Damaskus (dpa / pa)
UN-Waffeninspekteure in einem Vorort von Damaskus (dpa / pa)

Seit mehr als zwei Wochen wartet die Welt auf den Bericht zu den UNO-Ermittlungen in Syrien. Heute wird er veröffentlicht. Generalsekretär Ban Ki Moon legt ihn auch den Mitgliedern des Sicherheitsrates vor. Die Ergebnisse gelten als wichtig für die weiteren Entwicklungen in der Krise.

Generalsekretär Ban hatte am Freitag schon angedeutet, zu welchem Schluss der Bericht kommt. Vor Journalisten sprach er von überwältigenden Beweisen für einen Giftgasangriff in Syrien, die die Inspekteure gefunden hätten.

Wer die Chemiewaffen eingesetzt hat, klärt der Bericht nicht. Das sah das UNO-Mandat nicht vor. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte ein Diplomat, dass man anhand des Berichts aber sehr schnell erahnen könne, wer den Angriff ausgeführt habe.

Auch der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Rolf Mützenich, geht davon aus, dass sich Rückschlüsse ziehen lassen. Das sei dann gegebenenfalls von Ermittlern des Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zu überprüfen, sagte er im Interview im Deutschlandradio Kultur. Die USA und viele andere Staaten machen die syrische Regierung von Präsident Baschad al-Assad für einen Angriff mit mehr als 1400 Toten verantwortlich.

Die Vereinigten Staaten und Russland haben sich am Wochenende auf ein gemeinsames Vorgehen in der Syrien-Krise geeinigt. Bis Samstag hat Damaskus Zeit, seine Chemiewaffenbestände offenzulegen. In den Monaten bis Mitte 2014 sollen die Bestände dann zerstört werden. Die Vereinbarung zwischen Russland und den USA stößt auf ein positives Echo - auch in Syrien selbst.

Syrischer Minister: Krieg in der Region verhindert

Der syrische Minister für nationale Aussöhnung, Ali Haidar, wertete den Rahmenplan, den Russland und die USA ausgearbeitet hatten, als "Sieg für Syrien, der dank unserer russischen Freunde erzielt wurde". Mit dem Papier sei ein Krieg in der Region verhindert worden, sagte Haidar der russischen Agentur RIA Novosti: "Zum einen wird es den Syrern helfen, die Krise zu überwinden, andererseits hat es einen Krieg gegen Syrien verhindert und denen, die diesen Krieg entfesseln wollten, den Anlass dazu genommen." Syrien habe schon begonnen, Unterlagen zusammenzustellen, ergänzte Informationsminister Omran al-Subi im britischen Sender ITV.

Der Abrüstungsplan sei eine wichtige Etappe, aber noch nicht das Ende der Konfliktlösung, betonte Frankreichs Präsident François Hollande am Sonntagabend in einem Fernsehinterview. Es gelte, die Möglichkeit von Sanktionen aufrechtzuerhalten, sollte Damaskus die Forderungen nicht erfüllen. Dies betreffe auch die US-Drohung mit einem Militärschlag.

Zügige UNO-Resolution zu Syrien

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon (picture alliance / dpa / NIU XIAOLEI)Ban Ki-Moon rechnet mit "überwältigenden" Beweisen. (picture alliance / dpa / NIU XIAOLEI)Schon Ende dieser Woche könnte der Sicherheitsrat über eine neue Syrien-Resolution abstimmen, deutete Hollande an. Die Arbeiten an einem Entwurf würden am heutigen Montag bei einem Treffen mit den Außenministern aus Großbritannien und den USA in Paris beginnen. Am Dienstag werde Frankreichs Außenminister Laurent Fabius dann nach Moskau reisen, um die Gespräche abzuschließen, so der französische Präsident.

Syrien tritt in einem Monat offiziell der internationalen Chemiewaffenkonvention bei. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte in New York, seine Organisation habe den übersetzten und geprüften Beitrittsantrag aus Damaskus erhalten. Den Beitrittsregeln der Konvention folgend werde Syrien nun am 30. Tag nach offiziellem Eingang des Dokuments - also am 14. Oktober - festes Mitglied. Ban begrüßte den Beitritt Syriens zu dem Übereinkommen. Es verbietet Entwicklung, Herstellung, Besitz, Weitergabe und Einsatz von chemischen Waffen.

Mehr zum Thema bei dradio.de:

"Wo immer es auf der Welt geht, Flüchtlinge aufnehmen" - Direktorin von Brot für die Welt fordert mehr Unterstützung für Syrer
Aufatmen nach Syrien-Einigung - Beitritt zur Chemiewaffen-Konvention im Oktober
Putin wieder auf Augenhöhe mit den USA - Die russische Diplomatie und das syrische Giftgas
Russland und USA verhandeln über Syrien -Assad: Wir werden Chemiewaffen unter internationale Kontrolle stellen
Assad verteidigt sich im US-Fernsehen - Syriens Staatschef warnt vor unabsehbaren Folgen eines Militärschlags in der Region
Zeitung: Giftgasangriff war wahrscheinlich Alleingang syrischer Militärs - <br /><LI_2229712>Der Bürgerkrieg in Syrien - eine Chronologie

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:17 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 10:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 10:07 Uhr Lesart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Neuer Büchner-Preisträger "Ich bedaure Autoren, die nur Romane schreiben"

Der Schriftsteller Marcel Beyer (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Gerne nimmt sich der neue Georg-Büchner-Preisträger Marcel Beyer der Nachkriegszeit in Bundesrepublik und DDR an - stets mit Rückbezügen auf die NS-Zeit. Auslöser, sich mit Geschichte zu befassen, war Beyer zufolge die Fernsehberichterstattung über den Fall der Mauer. "Geschichte ist etwas, was sich ganz akut in dieser Sekunde vollziehen kann", sagte der Schriftsteller im Deutschlandfunk.

Nobelpreisträgertagung in LindauKluge Köpfe am Bodensee

Das Handout vom 26.06.2016 zeigt das Publikum bei der Eröffnung der Nobelpreisträgertagung im Lindauer Stadttheater. (Christian Flemming  /Lindau Nobel Laureate Meetings / dpa)

Noch bis Ende der Woche läuft in Lindau das 66. Treffen der Nobelpreisträger, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Physik. Dass die Teilnehmer neben ihrem wissenschaftlichen "Know How" einen Sinn für Humor haben, das erfuhr Thomas Wagner bei seinem Besuch.

Arabische Clans in Berlin-NeuköllnVon falschen und enttäuschten Hoffnungen

Polizisten führen bei einem Einsatz eine Person in Handschellen aus einem Haus in Berlin im Bezirk Neukölln. (dpa/ picture-alliance/ Gregor Fischer)

Im April haben Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Razzien in Berliner Wohnungen acht Männer festgenommen. Sie gehörten zu kurdisch-arabischen Clans, die speziell im Berliner Stadtteil Neukölln für schwere und organisierte Kriminalität bekannt sind. Wer sich auf die Suche nach Gründen dafür macht, stößt auf Geschichten von Entwurzelung und enttäuschten Hoffnungen. Für den deutschen Staat wird es Zeit, aus Fehlern zu lernen.

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Bundesagentur für Arbeit  Arbeitslosigkeit geht leicht zurück | mehr

Kulturnachrichten

Coldplay erinnern bei Konzert an Terroropfer von Istanbul  | mehr

Wissensnachrichten

Italien  Kaffeemaschine als Chemielabor | mehr