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Der Ort der Täter

Die "Topographie des Terrors" in Berlin feiert 25. Geburtstag

Von Jürgen König

Mit einer provisorischen Ausstellung fing alles an: Die "Topographie des Terrors" in Berlin-Mitte. (AP-Archiv)
Mit einer provisorischen Ausstellung fing alles an: Die "Topographie des Terrors" in Berlin-Mitte. (AP-Archiv)

Die Berliner "Topographie des Terrors" zeigt einen Ort des Schreckens: Von 1933 bis 1945 befanden sich hier die wichtigsten Zentralen des Nazi-Terrors. Seit 25 Jahren ist der Ort eine Gedenkstätte. Angefangen als Bürgerinitiative, ist sie heute die meistbesuchte Erinnerungsstätte Berlins.

An etwa 300 Orten wird in Berlin der Opfer des Naziterrors gedacht, die "Topographie des Terrors" versteht sich ausdrücklich als ein "Ort der Täter". In Berlins Mitte gelegen, entlang eines erhaltenen Stückes der Mauer, geht der Besucher unter freiem Himmel an Überresten alter Kellermauern vorbei, gelbgrüne Fliesen an den Wänden, Reste von Rohrleitungen - gespenstische Zeugen einstiger Normalität; Fotos, Texttafeln mit den Lebensläufen derer, die hier einst aus und ein gingen. Andreas Nachama, der geschäftsführende Direktor der Stiftung:

"Wir zeigen die Umrisse des Geländes, sind aber hier nicht in Pompeji. Es geht nicht darum, eine Ausgrabungsstätte zu machen, sondern es geht darum zu markieren, von welchem Ort in Berlin eben die Befehle zunächst deutschlandweit, dann europaweit ausgegangen sind, um diese Terrorpolitik zu machen. Also es geht in dem Sinne nicht um eine Rekonstruktion der Baugeschichte des Ortes."

"Topographie des Terros" in Berlin (AP)"Topographie des Terros" in Berlin (AP)Nach dem Krieg war das zerstörte Gelände des früheren NS-Regierungsviertels erstaunlich schnell in Vergessenheit geraten; es wird eine Brache im Schatten der Mauer. Bürger waren es, die in den 80er-Jahren, in der Hoch-Zeit der "Geschichtswerkstätten", im Vorfeld der großen "Preußen"-Ausstellung nach der Devise: "Grabe, wo Du stehst" die Relikte der NS-Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes "freilegten" und den Ort 1987 mit einer kleinen Ausstellung zum "Gedenkort" erklärten.

Aus dem provisorischen Pavillon, errichtet über einer ehemaligen SS-Baracke, wird eine dauerhafte Einrichtung, 1992 wird die "Stiftung Topographie des Terrors" gegründet. Im Folgejahr gewinnt der Schweizer Architekt Peter Zumthor den Architekturwettbewerb für die Gedenkstätte und ein Dokumentationszentrum. Nach immer neuen Kostensteigerungen kündigt das Land Berlin 2004 seinen Vertrag, der Bund wird Bauherr. Ein weiterer Wettbewerb scheitert, den dritten gewinnen die Architektin Ursula Wilms und der Landschaftsarchitekt Heinz W. Hallmann. Am 2. November 2007 lädt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit zum offiziellen Baubeginn:

"Hier entsteht aber nicht nur ein neues Dokumentations- und Besucherzentrum. Hier entsteht ein Mark- und Eckstein Berliner wie deutscher Erinnerungskultur. Dieser Block zwischen der einstigen Prinz-Albrecht-Straße, Anhalter Straße und Wilhelmstraße, wie kaum ein anderer Ort in Berlin für Terror und Völkermord. In den Zentralen von Gestapo, Reichssicherheitshauptamt, Reichführung-SS und Sicherheitsdienst der SS wurde der Völkermord an den europäischen Juden ebenso geplant, wie die "Germanisierung" der eroberten Gebiete in Polen und der Sowjetunion, die Ermordung sowjetischer Kriegsgefangener und die Verfolgung politisch anders Denkender."

"Geschichte erklären" ist das Ziel der "Stiftung Topographie des Terrors". Mit Texten, Graphiken, Objekten, Fotos, Film- und Tondokumenten, mit Seminar- und Bildungsprogrammen. Im Zentrum der "Topographie des Terrors": das Gelände selbst: 15 Außenstationen mit Überresten alter Grundmauern, Markierungen aus Edelstahl machen die Gebäudestrukturen des ehemaligen Gestapo-Hauptquartiers erkennbar. Frei auf dem Gelände platziert der flache, große, aber schlichte Betonbau des Dokumentationszentrums, die Ausstellungshalle 7m hoch und 55m lang. Das Untergeschoss erhält Tageslicht durch einen Innenhof; viele Flächen nach außen hin sind verglast: Der Bezug zum Gelände, zum "authentischen Ort" ist von jedem Punkt des Gebäudes aus sichtbar. Stiftungssprecher Kay-Uwe von Damaros:

"In einer Zeit, in der die Zeitzeugen bald nicht mehr sprechen können, werden authentische Orte der Geschichte immer wichtiger. Man spürt förmlich, wo man sich befindet."

Was mit einer Bürgerinitiative begann, ist heute, mit über 800 000 Besuchern im Jahr 2011, die meistbesuchte Erinnerungsstätte Berlins.

Topographie des Terrors

Links auf dradio.de:

Eine Brücke in die Gegenwart schlagen - Die Rolle der Gedenkstätten heute
Aufstieg und Untergang des NS-Regierungsviertels - Eine Berliner Ausstellung blickt hinter die Fassaden der "Wilhelmstraße 1933-1945"
Meilenstein der NS-Aufarbeitung - Ausstellung erinnert an Prozess gegen Adolf Eichmann
"Wie hätten wir es denn anders machen sollen?" - Neues Dokumentationszentrum "Topographie des Terrors" in Berlin eröffnet

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:54 Uhr

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