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"Der Ton war kämpferischer früher"

Alice Schwarzer zum 35. Geburtstag der Zeitschrift "Emma"

Alice Schwarzer mit einer Ausgabe ihrer Zeitschrift "Emma" (picture alliance / dpa /  Thomas Schulze)
Alice Schwarzer mit einer Ausgabe ihrer Zeitschrift "Emma" (picture alliance / dpa / Thomas Schulze)

Am 26. Januar 1977 erschien die feministische Zeitschrift "Emma" das erste Mal. Sie habe die Politik beeinflusst, sagt Herausgeberin Alice Schwarzer heute. Zwar könnten die Feministinnen nicht steuern, wie schnell Missstände abgeschafft würden. Aber sie machten darauf aufmerksam.

Die alle drei Monate erscheinende Zeitschrift gilt als das feministische Leitblattim deutschsprachigen Raum. Die Aktion "PorNo" gegen Pornografie, Texte gegen Genitalverstümmelung oder für die Ehe von Homosexuellen sind nur drei der Kampagnen, mit denen Alice Schwarzer und ihr Team bekannt wurden.

Kampf gegen Paragraf 218

Zum Jubiläum habe sich das Team entschlossen, alle Ausgaben der Zeitschrift vollständig kostenlos ins Internet zu stellen, sagte Schwarzer im Deutschlandradio Kultur. Ein Schritt, der für sie als Verlegerin zwar rechnerisch nicht vernünftig sei. Für die Feministin in ihr sei es aber wichtig. "Diese 35 Jahre Emma sind eine wahre Goldgrube", es solle jeder darauf zugreifen können, sagte Schwarzer.

"Emma" entstand in einer Zeit, in der Frauen immer stärker für ihre Rechte kämpften. Immer mehr wurden berufstätig, da ihre Bildungschancen sich verbesserten, nahmen auch mehr Frauen ein Studium auf als vorher. Daher empfanden viele es als ungerecht, dass sie ganz offiziell noch die Hauptlast für die Versorgung des Haushaltes trugen. Ein herausragendes Ereignis für die Frauenbewegung, das die spätere Gründerin der "Emma", Alice Schwarzer, initiierte, war die die Aktion "Ich habe abgetrieben" in der Zeitschrift "Stern" im Jahr 1971. 374 Frauen bezichtigten sich selbst öffentlich der Abtreibung und kämpften damit für die Abschaffung des Paragrafen 218, der Abtreibung generell unter Strafe stellte.

"Der Ton war kämpferischer früher", sagte Schwarzer mit Blick auf einen Artikel, den sie in den 70er-Jahren veröffentlichte. "Das waren einfach die Zeiten." Sie habe in einem Klima angefangen zu arbeiten, als Männer noch über die Köpfe ihrer Ehefrauen hinweg bestimmen konnten, ob diese arbeiten durften oder nicht.

Immer wieder Kritik aus eigenen Reihen

Eine Partei zu gründen habe sie nie angestrebt. "Emma" habe einen "Kulturkampf" geführt. Schwarzer und "Emma" ernten aber immer wieder Kritik auch aus den Reihen der Frauenbewegung. Der Zeitschrift wird vorgeworfen, sich als "Sprachrohr" der Bewegung darzustellen, ohne dafür eine Legitimation zu haben. Einige prominente Frauen distanzierten sich öffentlich von der Art des Feminismus, wie ihn Alice Schwarzer verkörpert.

Familienministerin Kristina Schröder (CDU) (AP)Familienministerin Kristina Schröder (CDU) (AP)2010 kritisierte Bundesfamilienministerin Kristina Schröderin einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel: "Ich glaube, dass zumindest der frühere Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden." Auch glaube sie nicht, dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr ausschließlich mit der Unterwerfung der Frau möglich sei.

Die harsche Kritik von Alice Schwarzer auf Schröders Thesen kam prompt. Die junge Ministerin verwende Stammtischparolen aus den 70er-Jahren. Im Jahr 2001 sorgte Verona Pooth, damals noch Verona Feldbusch, mit einem Streitgespräch mit Alice Schwarzer im ZDF für Aufsehen. Feldbusch, unter anderem durch die Ehe mit Dieter Bohlen und verschiedene Werbeauftritte bekannt, sah Schwarzers Feminismus als überholt an. Schwarzer hingegen kritisierte, Feldbusch lasse sich auf die Rolle als "Weibchen" reduzieren.

Mit Kind keine "Emma"

Alice Schwarzer veröffentliche 2011 erstmals ihre Memoiren und gab darin tiefe Einblicke in ihr Privatleben. Ein Schritt, den sie sonst immer vermieden hatte. Beispielsweise schreibt sie über ihre Entscheidung gegen ein Kind. "Mit Kind hätte ich 'Emma' nicht machen können", sagte sie in einem Interview auf Deutschlandradio Kultur. "Da kann ich mich nicht nach offenen Krippenzeiten richten und ob es eine Ganztagsschule gibt. Da muss man ganz dran bleiben." Den Schritt bereue sie bis heute nicht.


Links auf dradio.de:

Charlotte Roche, Alice Schwarzer und die Sechzehnjährige - Alte Geschlechterrollen und neuer Konservatismus

Ein lebenshungriges Vollweib - Alice Schwarzer: "Lebenslauf". Kiepenheuer & Witsch

Singuläre Erscheinung - Alice Schwarzer: "Lebenslauf", Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2011, 461 Seiten

"Dinge, die man sonst nirgendwo liest" - Deutschlands Feministin Nr. 1 über 35 Jahre "Emma", ihren Kampf für die Frauen und den neuen Feminismus


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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:47 Uhr

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