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Der Überraschungspapst aus Argentinien

Franziskus gilt als "Kardinal der Armen"

Der neue Papst Franziskus - hier noch als Jorge Mario Kardinal Bergoglio bei der Anreise zum Konklave am 6. März. (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)
Der neue Papst Franziskus - hier noch als Jorge Mario Kardinal Bergoglio bei der Anreise zum Konklave am 6. März. (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)

Mit Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien hatte fast keiner gerechnet. Der Erzbischof von Buenos Aires wurde im fünften Wahlgang zum Papst gewählt. In seiner Heimat Argentinien prangerte er Korruption und soziale Ungerechtigkeit an. Kritiker werfen ihm aber auch eine zu große Nähe zur Militärdiktatur der 70er und 80er Jahre vor.

Besonders die italienischen Kardinäle hatten sich wieder einen der ihren auf dem Papststuhl gewünscht, andere auch mal einen Nicht-Europäer. In diesem Sinne kann Jorge Mario Bergoglio als Kompromisskandidat gelten, denn der neue Papst Franziskus hat italienische Eltern, die nach Südamerika ausgewandert waren. 1936 wurde er in Argentinien geboren. 1958, im Alter von 21 Jahren, trat er ins Priesterseminar ein und wurde 1969 zum Priester geweiht. Zuvor hatte er sein Chemiestudium nach einer Atemwegserkrankung beendet, in deren Folge ihm ein Lungenflügel entnommen wurde.

Bergoglio ist nicht nur der erste Nicht-Europäer seit über 1000 Jahren an der Spitze der katholischen Kirche, sondern auch der erste Jesuit. Er leitete den Orden in Argentinien, während das Land von einer Militärdiktatur regiert wurde. Damals kamen 30.000 Menschen ums Leben oder verschwanden. Kritiker stellten immer wieder die Frage, welche Rolle Bergoglio damals spielte, und werfen ihm bis heute eine zu große Nähe zum damaligen Regime vor. Er soll einzelne linksgerichtete Mitglieder des Jesuiten-Ordens denunziert haben, berichtet unser Korrespondent Julio Segador aus Lateinamerika. Der frühere Dekan der Sozialwissenschaften an der Universität von Buenos Aires, Fortunato Mallimacci, sagte, Bergoglio habe sich während der Diktatur mit dem Militär arrangiert - und außerdem jede Erneuerung der Kirche zu verhindern versucht.

Bergoglio: Homo-Ehe zerstört Gottes Plan

Jorge Bergoglio wurde zum Papst gewählt. Er nennt sich Franziskus I. Dieses Bild stammt von 2005. (dpa / picture alliance)Jorge Bergoglio als Erzbischof von Buenos Aires im Jahr 2005 (dpa / picture alliance)1998 wurde Bergoglio Erzbischof von Buenos Aires. In dieser Funktion legte er sich mit den Regierungen von Präsidentin Cristina Kirchner und ihren Vorgänger und Ehemann Nestor an. Seit vielen Jahren kritisiert er Korruption und soziale Ungerechtigkeit in Argentinien und der Welt. Gegen die geplante Einführung der Homo-Ehe in seinem Land im Jahr 2010 führte er eine erbitterte Kampagne. Wenige Tage vor der Annahme des Gesetzes im Kongress schrieb er in einem Brief: "Lasst uns nicht naiv sein. Dies ist kein simpler politischer Kampf, es ist ein Versuch, Gottes Plan zu zerstören."

Bergoglios Biographin Francesca Ambrogetti beschreibt ihn als gemäßigt, einen Menschen mit der Fähigkeit zu vermitteln und bereit, sich mit Herausforderungen auseinanderzusetzen: "Er ist in der Lage, die notwendige Erneuerung anzugehen, ohne dabei Schritte ins Unbekannte zu tun. Er wäre eine ausgleichende Kraft", sagte sie. Er teile die Sicht, dass die Kirche eine missionarische Rolle einnehmen sollte, auf die Menschen zugehen und sie aktiv einbeziehen solle - "eine Kirche, die den Glauben weniger reguliert als ihn vielmehr vorantreibt und unterstützt".

Ambrogetti zufolge lebte Bergoglio auch als Erzbischof schlicht und entsagend: "Er fährt mit der U-Bahn und dem Bus, und nach Rom fliegt er Economyclass." Die komfortable Residenz des Erzbischofs lehnte er ab und zog stattdessen in ein kleines Appartment außerhalb von Buenos Aires, wo er seine Wochenenden einsam verbrachte.

Erster Papst mit dem Namen Franziskus

Kardinal Bergoglio winkt als neuer Papst Franziskus im Vatikan vom Balkon. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)Kardinal Bergoglio winkt als neuer Papst Franziskus im Vatikan vom Balkon. (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)Seinen Papstnamen Franziskus wählte Bergoglio nach dem heiligen Franz von Assisi (1181/82-1226), dem Begründer des Ordens der Franziskaner - ein Bettelorden, der eine Erneuerung der Kirche bewirkte. Damit trug er auch zu einer spirituellen Erneuerung der christlichen Botschaft im Mittelalter bei. Franz von Assisi gilt unter anderem als Anwalt der Armen. Er predigte Zeit seines Lebens die Botschaft vom Ideal eines einfachen Lebens, der Liebe zu den Tieren und zur ganzen Schöpfung. Im 13. Jahrhundert sprach ihn Papst Gregor IX. heilig. Aus dem Franziskaner-Orden entstanden auch die Minoriten und die Kapuziner.


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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:07 Uhr

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