Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Der unsichtbare Literat

Thomas Pynchon wird 70

Foto aus dem US-Armeepass von Thomas Pynchon, wo er von 1955 bis 1957 seinen Militärdienst bei der Marine leistete.  (United States federal government)
Foto aus dem US-Armeepass von Thomas Pynchon, wo er von 1955 bis 1957 seinen Militärdienst bei der Marine leistete. (United States federal government)

Vor allem zwei Fotografien sind von Thomas Pynchon bekannt. Eine zeigt ihn als jungen Matrosen, die andere ist ein Schnappschuss von dem reifen Mann mit Schnauzbart und übergestülpter Kapuze in den Straßen Manhattans mit seinem kleinen Sohn. Comicfans dagegen kennen ihn aus dem Fernsehen: Einer Figur aus den "Simpsons" leiht er Namen und Stimme - aber die Figur trägt über dem Kopf eine Plastiktüte mit aufgemaltem Fragezeichen.

Die "FAZ" schreibt: "Je nachdem, wen man fragt, ist er verheiratet, homosexuell, ein spendabler Philanthrop oder ein Paranoiker mit Platzangst." Thomas Pynchon hat es verstanden, als quasi unsichtbarer Literat fernab der Talkshows ein zufriedenes und häusliches Leben zu führen.

Wenn auch außer den Eckdaten seiner Biografie – geboren 1937 in Glen Cove auf Long Island, Studium der Physik, später der englischen Literatur, Creative-Writing-Seminar bei Nabokov, Arbeit als technischer Redakteur für Boeing, bevor er 1963 untertauchte - nicht sehr viel bekannt ist, so gilt doch als gesichert, dass der Schriftsteller am heutigen 8. Mai seinen 70. Geburtstag feiert.

Bücher wie vorüberziehende Wolken

Thomas Pynchons Bücher ziehen vorüber wie Wolken, die den unwiderstehlichen Drang ausüben, in ihrer Form Gestalten zu entdecken. So versucht die "Süddeutsche Zeitung" die Werke des rätselhaften Autors zu beschreiben, von dem es heißt, dass er vermutlich in New York lebe und mit seiner Agentin Melanie Jackson verheiratet sei.

Ungefähr alle sieben Jahre veröffentlicht er einen Roman, der die Literaturkritik und Legionen von Internetforen in Alarmbereitschaft versetzt. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen "Vineland" (1990) und "Die Enden der Parabeln" (1973, dt. 1981). Sein jüngster Roman "Against the Day" (2006) begleitet eine Balloncrew auf ihrer allegorischen Reise über die großen und kleinen Katastrophen des frühen 20. Jahrhunderts hinweg.

Seine Bücher gleichen gewaltigen Gefäßen für enzyklopädisches Wissen. Sie bieten bizarre Erzählstränge und comicartige Figuren, die durch die Labyrinthe einer aus den Fugen geratenen Welt irren. Manchmal kann man sie in Los Angeles verorten, manchmal in Peenemünde, da wo die deutschen Vergeltungswaffen gestartet wurden, die mit Pynchons furiosem Roman "Die Enden der Parabel" Eingang in die Weltliteratur fanden.

Naumann: Enorme literarische Qualität

Michael Naumann, "Zeit"-Herausgeber und ehemaliger Kulturstaatsminister, war lange Verlagsleiter beim Rowohlt Verlag, wo in Deutschland die Bücher von Thomas Pynchon erscheinen. Michael Naumann kennt den Autor persönlich. Gerade lässt er bei Christies eine signierte amerikanische Erstausgabe von "Vineland" versteigern. Der Erlös soll den Hamburger Bücherhallen zu Gute kommen. Die weltweite Prominenz Pynchons speise sich nicht aus dem Mythos des anonym lebenden Schriftstellers, sondern aus der enormen literarischen Qualität seiner Bücher, sagte Naumann im Deutschlandradio Kultur. (MP3-Audio)

Programmhinweis: Mehr zum Werk Thomas Pynchon erfahren Sie in der Sendung Literatur - Warum Hunde Henry James lesen im Deutschlandradio Kultur.



Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Warum Hunde Henry James lesen

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:22 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Rittel/Karwelat: "Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad"Schockierende Einblicke in eine sadistische Sekte

Cover von "Lasst uns reden. Frauenprotokolle aus der Colonia Dignidad" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat. (EFE/EPA/Mario Ruiz/Schmetterling Verlag)

Sie mussten Misshandlungen und Folter ertragen – und viele schauten weg. In "Lasst uns reden" von Heike Rittel und Jürgen Karwelat berichten Frauen über den menschenverachtenden Alltag der Colonia Dignidad in Chile.

Europapolitik der Bundesregierung"Dieses Zaudern und Zögern ist gefährlich"

Der schleswig-holsteinische Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis90/Die Grünen) spricht in Neumünster bei einem Parteitag. (dpa / Carsten Rehder)

Europa drohe, zu verfallen, sagte Robert Habeck, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen, im Dlf. Das zögerliche Verhalten der Bundesregierung sei gefährlich, denn für etwas Neues stehe nur ein sehr knappes Zeitfenster zur Verfügung - es gehe um die Zukunft des Westens.

"Eldorado"-Regisseur Markus Imhoof"Das Erste ist, dass es um Menschlichkeit geht"

Eldorado-Protagonist Akhet Téwendé (v.l.n.r.), Regisseur Markus Imhoof und Eldorado-Protagonist Raffaele Falcone.  (Maurizio Gambarini/dpa)

Der Ist-Zustand Europas werde sich durch die Geflüchteten zwangsläufig verändern, meint Markus Imhoof. Das sei auch richtig, so der Regisseur. Für seinen Film "Eldorado" hat er die Mare-Nostrum-Mission zur Seenotrettung begleitet.

Reformprojekt EuropaEine Chance für die Kanzlerin

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Emmanuel Macron  (picture alliance/dpa/Foto: Kay Nietfeld)

Der französische Staatschef Macron profiliert sich mit Reformideen, die Bundeskanzlerin zögert. Doch trotz ihrer Differenzen wollen Paris und Berlin bis zum Sommer Vorschläge für eine EU-Reform vorlegen. Die Chance sollte Merkel nutzen, meint Peter Kapern.

Koschyk zu NordkoreaErfolg der internationalen Gemeinschaft

Hartmut Koschyk (CSU), Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten (imago / reportandum)

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat die Aussetzung seines Atom- und Raketenprogramms verkündet. Dass damit Bewegung in die verfahrene Lage auf der koreanischen Halbinsel gekommen sei, liege am Zusammenhalt der internationalen Gemeinschaft, erklärte CSU-Politiker Hartmut Koschyk im Dlf.

Eine Lange Nacht über Vorbilder in der MusikGlühend verehrt, schmerzlich entzaubert

Der amerikanische Trompeter und Bandleader Harry James  (picture alliance/dpa/Foto: Heinz-Jürgen Göttert)

Der amerikanische Jazztrompeter Harry James war einer der ersten Vorbilder für Trompeter Manfred Schoof. Für die Cellistin Tanja Tetzlaff war musikalisch gesehen Heinrich Schiff prägend. Vorbilder können fördern und fordern. Doch nicht jeder ist auch zum Vorbild berufen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Sonderparteitag  SPD wählt Chefin | mehr

Kulturnachrichten

Saudi-Arabisches Kinoverbot aufgehoben | mehr

 

| mehr