Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Detroit meldet Konkurs an

Stadt sitzt auf 18,5 Milliarden Dollar Schulden

Blick auf die US-Metropole Detroit (picture alliance / dpa / ZUMAPress.com)
Blick auf die US-Metropole Detroit (picture alliance / dpa / ZUMAPress.com)

Einst war Detroit das Zentrum der US-Autoindustrie, heute fehlt sogar das Geld für die Straßenbeleuchtung. Nun hat die "Midwest"-Metropole Bankrott angemeldet. Es ist die größte Städtepleite der US-Geschichte.

Die Bankrotterklärung sei "der einzig mögliche Weg zu einem stabilen soliden Detroit", erklärte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder in einem Begleitschreiben zu den offiziellen Gerichtsdokumenten des Konkurses. Detroit, einst Zentrum der US-Autoindustrie, hat mittlerweile Schulden in Höhe von 18,5 Milliarden Dollar angehäuft. Im Juni wurden die Zahlungen an Gläubiger eingestellt.

Snyders Angaben zufolge kann die Stadt die Steuern aus rechtlichen Gründen nicht weiter erhöhen. Ohnehin könnten die Bürger nicht noch höhere Abgaben schultern, so der Gouverneur. In der einst fünftgrößten US-Stadt mit 1,8 Millionen Einwohnern leben heute nur noch 700.000 Menschen, davon ein Drittel in Armut. Viele öffentliche Dienste wie etwa die Straßenbeleuchtung funktionieren nicht mehr, zahlreiche Wohnungen und Geschäfte stehen leer.

Wer durch die Innenstadt von Detroit fährt, sieht den Verfall überall: kaputte Fensterscheiben, ausgebrannte Häuser, Bettler auf der Straße. Nur ein paar Hotels und Restaurant halten die Innenstadt am Leben. Aufgrund der Insolvenz befürchten die Bürger noch weniger Sicherheit. Dabei ist Detroit schon jetzt eine der gewalttätigsten Städte der USA, berichtet Sabrina Fritz.

Gouverneur: Es ist Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen

Snyder hatte im März den Sanierungsexperten Kevyn Orr eingesetzt, der mit umfassenden Befugnissen ausgestattet wurde, um der desolaten Finanzlage in Detroit Herr zu werden. Er habe gehofft, dass die Stadt nicht Bankrott anmelden müsse, erklärte Snyder. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen: "Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen, wenn sie fällig werden, und ist insolvent."

Einst bekannt für seine blühende Autoindustrie, kämpfte Detroit seit Jahren ums finanzielle Überleben. Doch die scharfe Konkurrenz aus Japan, Fehlentscheidungen in den Unternehmen und Misswirtschaft in der Stadtverwaltung ließen Detroit in einem "60 Jahre andauernden Niedergang" abstürzen, wie Snyder den Verfall der Stadt bezeichnete.

Die Ausgaben zum Betrieb der städtischen Dienste haben seit 2008 die Einnahmen jährlich um rund 100 Millionen Dollar überstiegen. Zudem zehren Zahlungen für langfristige Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse.

Alt-Text



Mehr zum Thema:

Nach dem Konkursantrag - Was nun passieren wird (Detroit Free Press, englischsprachig)
Uhren statt Autos - Gründungsboom in der einstigen Motor City Detroit
Motor City ohne Motoren - Detroit - eine wilde Stadt erfindet sich neu
Eine Ikone des Niedergangs - Detroits Wiedergeburt inmitten von Ruinen
Graswurzelarbeit statt Motor City - Ist Detroit die neue Modellstadt der USA?
Von der Scholle auf den Teller - Urban Farming ist in Detroit mehr als eine Hipster-Angelegenheit

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 03:05 Uhr Weltzeit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Eine Familie, drei starke MarkenDeutschlandradio-Programme ab 1. Mai mit neuen Namen

Dr. Willi Steul, Intendant von Deutschlandradio (© Deutschlandradio/B. Fürst-Fastré )

Deutschland funkt unter neuen Namen: Mit einer neuen Markenführung soll Hörern und Nutzern der drei nationalen Hörfunkprogramme zukünftig die Zuordnung und Orientierung erleichtert werden. Deutschlandfunk, Deutschlandfunk Kultur und Deutschlandfunk Nova werden ab Mai die gemeinsame Marke auf allen Ausspielwegen vertreten. Im Zuge der neuen Namensgebung wurde auch der optische Auftritt angepasst.

Ausländische PflegekräfteWie gut sind Vermittlungsagenturen?

Pflegerin hält die Hand einer Seniorin. (imago / allOver-MEV)

Um eine ausländische Pflegekraft für einen Angehörigen zu finden, greifen Angehörige oft auf Vermittlungsagenturen zurück. Doch wer glaubt, damit einen verlässlichen und kompetenten Ansprechpartner an seiner Seite zu haben, der sollte vor der Unterzeichnung des Vermittlungsvertrages einiges beachten.

100. Geburtstag von I.M.Pei Der große Architekt der Kontraste

Der Louvre in Paris mit der von dem Architekten I.M.Pei konzipierten Glaspyramide. (Undatierte Aufnahme). Foto: Didier Saulnier/Maxppp (dpa / picture alliance / Maxppp Didier Saulnier)

In vielen Bauten des chinesisch-amerikanischen Architekten I.M. Pei - wie etwa der Eingangspyramide des Pariser Louvre - stecke etwas "Verzaubertes", sagt Architekturkritiker Nikolaus Bernau. Pei stehe für eine im 20. Jahrhundert seltene Kunst. Nun wird er 100 Jahre alt.

Netanjahus Absage"Mehr ein Zeichen der Schwäche als der Stärke"

Der frühere Botschafter Israels in Deutschland, Shimon Stein. (imago/Thiel)

Der frühere israelische Botschafter in Deutschland, Shimon Stein, warnt davor, das abgesagte Treffen von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) überzubewerten. Netanjahus Gründe seien innenpolitisch motiviert, sagte Stein im DLF. Die Besatzungspolitik spalte die israelische Gesellschaft - Netanjahus Absage beweise das.

EuGH vs. BVerfG?Auf ein gutes Zusammenspiel der höchsten Gerichte

©PHOTOPQR/L'EST REPUBLICAIN ; INSTITUTION - COUR DE JUSTICE DE L'UNION EUROPEENNE - CJUE - CURIA - COURT OF JUSTICE OF THE EUROPEAN UNION - LOI - LOIS - LEGISLATION EUROPEENNE. Luxembourg 24 novembre 2016. La Cour de justice de l'Union européenne et les drapeaux de tous les pays membres de l'Union Européenne. PHOTO Alexandre MARCHI. 161212 Since the establishment of the Court of Justice of the European Union in 1952, its mission has been to ensure that "the law is observed" "in the interpretation and application" of the Treaties. | (picture alliance / dpa / Alexandre Marchi)

Der Europäische Gerichtshof stellt den Jahresbericht 2016 vor: Arbeitsreiche zwölf Monate, in denen über 1600 Rechtssachen erledigt wurden. Zu viele, finden Kritiker, die einen Bedeutungsverlust des nationalen Rechts fürchten. Alles halb so wild, meint der Jurist Lars S. Otto.

AUSBILDUNG DER ZUKUNFT Skills, Skills, Skills

Vielleicht seid ihr Banker oder Anwältin, vielleicht seid ihr auch Lehrer oder Grafikdesignerin oder vielleicht seid ihr auch Kfz-Mechanikerin oder Schreiner. Die Frage ist, ob das alles Berufe sind, die es so in der Zukunft noch geben wird - vor allem was die Ausbildung angeht. Ein paar kanadische Forscher glauben, dass sich das ändern wird.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Venezuela  Regierung kündigt Austritt aus der OAS an | mehr

Kulturnachrichten

Regisseur Jonathan Demme gestorben  | mehr

 

| mehr