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Deutsche Bahn stellt Weichen neu

Druck auf Personalplanung und Stromrabatte

Ein Bahnmitarbeiter läuft neben Gleisen und Weichen auf dem Güterbahnhof in Maschen (AP Archiv)
Ein Bahnmitarbeiter läuft neben Gleisen und Weichen auf dem Güterbahnhof in Maschen (AP Archiv)

Der Druck auf die Deutsche Bahn wächst. Die Bundesnetzagentur droht wegen der Zugausfälle in Mainz mit einem Zwangsgeld von 250.000 Euro, die EU-Kommission mit einem Kartellverfahren. Das Unternehmen müht sich, beide Sanktionen noch abzuwenden.

<p>Die Deutsche Bahn feiert. Weil am Frankfurter Hauptbahnhof vor 125 Jahren der erste Zug einfuhr. Wer vom nahegelegenen Mainzer Hauptbahnhof per Bahn zu den Feierlichkeiten anreisen möchte, muss noch bis Ende des Monats oft auf eine andere Verbindung ausweichen. Denn viele Züge fallen aus oder werden umgeleitet. Ursache sind seit langem bekannte Personalengpässe im Stellwerk. Deswegen droht der Bahn nun ein Strafzahlung von 250.000 Euro.<br /><br />Die Bahntochter DB Netz AG müsse unverzüglich geeignete Maßnahmen ergreifen, damit die Probleme im Betriebsablauf beseitigt würden, forderte die Bundesnetzagentur. Nach Angaben eines Behördensprechers hatten sich private Verkehrsunternehmen beschwert, dass es anderswo zu Zugausfällen gekommen sei - da waren die Mainzer Probleme noch gar nicht bekannt. Die Netzagentur hatte insgesamt acht Standorte mit Problemen aufgelistet.<br /><br /></p><p><strong>Keine Sondersitzung mit Verkehrsminister Ramsauer</strong></p><p><papaya:media src="58d402f3efafebe6cc3e1fce009e76ef" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Blick auf Bahntrasse und Stromleitung einer Strecke bei Frankfurt am Main" popup="yes" />Mainz ist nicht das einzige Probleme. Die EU-Kommission droht mit einem Kartellverfahren, weil die DB Energie - eine weitere Tochtergesellschaft - als einziger Lieferant von Bahnstrom ihre marktbeherrschende Stellung ausnutzen könne. Unter anderem nahm die Kommission Anstoß an Rabatten, die nur Unternehmen des DB-Konzerns in vollem Umfang bekamen. Die Bahn will nun ihr Preissystem ändern, um das Verfahren abzuwenden. Damit könnten auch andere Anbieter Strom an konkurrierende Bahnunternehmen liefern. <br /><br />Der Bundestags-Verkehrsausschuss wird sich nun doch nicht an diesem Freitag mit den Personalproblemen am Mainzer Stellwerk beschäftigen. Die SPD hatte für diesen Termin eine Sondersitzung mit Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) beantragt. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) lehnte die Sondersitzung in der Sommerpause ab, da eine besondere Dringlichkeit nicht gegeben sei. Einen neuen Termin gab es zunächst nicht.<br /><br /></p><p><strong>Neue Personalplanung für 2014</strong></p><p>Die personelle Besetzung für sämtliche Konzerngesellschaften der Deutschen Bahn werde auf den Prüfstand gestellt, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber in Frankfurt am Main nach einem achtstündigen Treffen mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und dem Betriebsrat. Das Unternehmen wolle als Reaktion auf die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof mit den Beschäftigten "gemeinsam daran arbeiten, dass sich ein solches Debakel nicht wiederholt", sagte Weber.<br /><br />EVG-Chef Alexander Kirchner bezeichnete die Zugeständnisse der Bahn als einen Erfolg seiner Gewerkschaft. "Wir haben die Reset-Taste gedrückt", sagte er. Nun werde die laufende Personalplanung und jene für 2014 endlich am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet.<br /><br /></p><p><strong>Überstunden sollen abgebaut werden</strong></p><p><papaya:media src="e76cc6f86ce759cf820493ec090fb062" rspace="5" bspace="5" width="144" height="108" align="left" resize="abs" subtitle="Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber (links) und EVG-Chef Alexander Kirchner." popup="yes" />Die Bahn hatte eingeräumt, dass auch in anderen Stellwerken die <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257735" text="Personalsituation angespannt" alternative_text="Personalsituation angespannt" /> ist. EVG-Chef Kirchner nannte Mainz nur "die Spitze des Eisbergs". Konzernweit seien acht Millionen Überstunden und neun Millionen Stunden ausstehender Urlaub aufgelaufen. Laut der am Mittwoch getroffenen Übereinkunft zwischen Bahn und Gewerkschaft soll daher erreicht werden, dass Überstunden abgebaut und Ruhetage gewährleistet bleiben. Auch genehmigte Urlaube sollen der Vereinbarung zufolge garantiert werden.<br /><br />Personalvorstand Weber zeigte sich offen für Neueinstellungen, wollte sich aber nicht auf eine genaue Zahl festlegen. Dies werde "der Prozess der nächsten Wochen zeigen". Er wehrte sich gegen den Vorwurf, bei der Bahn gebe es gar keine Personalplanung. Allein im ersten Halbjahr 2013 habe das Unternehmen 2000 neue Arbeitsplätze in Deutschland geschaffen.<br /><br /></p><p><strong>Bessere Entschädigung, mehr Investitionen gefordert</strong></p><p>Die Grünen im Bundestag verlangen wegen der massiven Probleme am Mainzer Hauptbahnhof eine bessere Entschädigung der Fahrgäste. "Verlierer des Bahnversagens in Mainz sind die Verbraucher", sagte Fraktionschefin Renate Künast. "Müsste die Bahn ihre Kunden angemessen entschädigen, könnte sie sich eine solche Personalpolitik auf Kosten ihrer Kunden nicht leisten."<br /><br /><blockquote class="twitter-tweet" data-partner="tweetdeck"><p>Deutsche Bahn muss Zeitkarteninhaber schnell entschädigen. Schon ab 30, nicht erst ab 60 Min Verspätung Anspruch auf Erstattung! <a href="https:twitter.com/search?q=%23Bahnchaos&src=hash">#Bahnchaos</a></p>— Renate Künast (@RenateKuenast) <a href="https:twitter.com/RenateKuenast/statuses/367925694832992256">August 15, 2013</a></blockquote><script async src="https:platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script><br />Der nordrhein-westfälische Verkehrsminister Michael Groschek (SPD) führt die Probleme am Mainzer Hauptbahnhof auf eine Unterfinanzierung der Infrastruktur zurück. Die Bundesregierung müsse auf ihren Gewinn bei der Bahn verzichten und das Geld in das Netz investieren, <papaya:link href="http://www1.wdr.de/themen/wdr5/groschek124.html" text="sagte Groschek im WDR-Hörfunk." title="Groschek-Interview im WDR 5" target="_blank" /> Außerdem sollten die Pläne für einen Börsengang der Bahn aufgegeben werden. Die Vorbereitungen dazu hätten das gegenwärtige Chaos herbeigeführt.<br /><br /></p><p><strong>Unterstützung für Bahn-Chef Grube</strong></p><p><papaya:media src="170e2e851e7c131264276cb252c33725" rspace="5" bspace="5" width="144" height="110" align="left" resize="abs" subtitle="Dr. Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn AG." popup="yes" />Unterdessen stärkte Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) Konzernchef Rüdiger Grube den Rücken. "Bahnchef Grube ist der richtige Mann, um die Funktionstüchtigkeit der Bahn wiederherzustellen", sagte Kauder der "Rheinischen Post". Grube müsse nun allerdings schnell handeln. <br /><br />Der Bahn-Chef hatte den Unmut der Gewerkschaft auf sich gezogen, weil er Mitarbeiter aus dem Stellwerk Mainz persönlich <papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257871" text="um eine Verschiebung ihres Urlaubs gebeten" alternative_text="um eine Verschiebung ihres Urlaubs gebeten" /> hatte. Im Interesse der Kunden und des Unternehmens habe Grube eine Handvoll Mainzer Kollegen angerufen und sie gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten, sagte ein Bahn-Sprecher. EVG-Chef Kirchner hatte daraufhin erklärt, es gebe Kollegen in Mainz, die seit Dezember keine drei Tage am Stück frei gehabt hätten.<br /><br /><br /><strong>Mehr zum Thema auf dradio.de:</strong><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257102" text="&quot;Bahn denkt nicht über demografische Entwicklung nach&quot;" alternative_text="&quot;Bahn denkt nicht über demografische Entwicklung nach&quot;" /><br />EVG-Chef Kirchner wirft der Deutschen Bahn eine verfehlte Personalpolitik vor<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257403" text="Bahn-Manager muss offenbar gehen" alternative_text="Bahn-Manager muss offenbar gehen" /><br />Personelle Konsequenzen nach Problemen am Mainzer Hauptbahnhof <br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="257347" text="&quot;Wir bitten um Entschuldigung&quot;" alternative_text="&quot;Wir bitten um Entschuldigung&quot;" /><br />Probleme am Mainzer Hauptbahnhof spitzen sich zu</p>
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:15 Uhr

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