Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Deutsche Elitesoldaten nehmen Top-Taliban fest

Mullah Abdul Rahman in Nordafghanistan gefasst

Von Sandra Petersmann

Soldaten des "Kommando Spezialkräfte" der Bundeswehr (AP)
Soldaten des "Kommando Spezialkräfte" der Bundeswehr (AP)

Mullah Abdul Rahman war der "Schattengouverneur" der Taliban in der afghanischen Provinz Kundus. Die Provinz gilt als unsicher und gefährlich, weil die Taliban dort besonders aktiv sind. Die meisten der mehr als 50 deutschen Soldaten und Polizisten, die in Afghanistan gefallen sind, haben hier ihr Leben verloren.

Mullah Abdul Rahman galt seit etwa zwei Jahren als sogenannter "Schattengouverneur" von Kundus - und damit als ranghöchster Taliban in dem Gebiet. Er löste damals den sehr einflussreichen Mullah Abdul Salam ab, der im Februar 2010 vom pakistanischen Geheimdienst festgenommen worden war. Und zwar in Quetta, also in der Stadt im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet, in der sich die Taliban-Führung um Mullah Omar versteckt halten soll.

Auch dem jetzt festgenommenen Mullah Abdul Rahman werden enge Kontakte zum Führungskreis der radikalen Islamisten nachgesagt. Es darf vermutet werden, dass er mit der Zustimmung von ganz oben vom Feldkommandeur zum Schattengouverneur aufstieg. Sein Reich, die nordafghanische Provinz Kundus, gehört zum Einsatzgebiet der Bundeswehr.

Die nördliche Landeshälfte gilt als vergleichsweise ruhig, doch Kundus ist schon seit Jahren eine Ausnahme. Die Provinz gilt als unsicher und gefährlich, weil die Taliban gerade hier besonders aktiv sind. Die meisten der mehr als 50 deutschen Soldaten und Polizisten, die in Afghanistan gefallen sind, haben ihr Leben in Kundus verloren – durch Selbstmordattentate, Sprengfallen und in der Folge von Gefechten.

Mullah Abdul Rahman hatte bis zu seiner Festnahme offenbar maßgeblichen Einfluss auf die Taktik der Taliban. Er ließ nach Geheimdienstinformationen schwere Waffen nach Kundus schmuggeln. Er soll den Bau von improvisierten Sprengsätzen befohlen haben, die längst zur tödlichsten Waffe der radikalen Islamisten geworden sind. Er soll Selbstmordattentäter in Marsch gesetzt haben.

Im September 2009 soll Rahman, damals noch als Feldkommandeur, auch dafür gesorgt haben, dass seine Kämpfer zwei Tanklaster entführten, die Nachschub für die NATO transportierten. Der deutsche Oberst Georg Klein entschied sich damals, die entführten Tanklaster aus der Luft bombardieren zu lassen. Bei dem verhängnisvollen Angriff kamen aber vor allem Zivilisten ums Leben.

Dem deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" gelang es nach dem Vorfall, mit Rahman zu sprechen. Bei dem konspirativen Treffen gab der Mullah an, Mitte 30 zu sein. Weitere persönliche Angaben liegen über ihn nicht vor.

Über seine Rolle im Geflecht der Taliban gibt es unterschiedliche Ansichten. Die einen halten ihn für einen brutalen Fundamentalisten, während andere anonyme Quellen sagen, dass er zuletzt Gesprächsbereitschaft gezeigt haben soll. Bislang ist es den Taliban in Kerngebieten, die ihnen wichtig sind, in der Regel sehr schnell gelungen, Führungspersonal zu ersetzen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 20:05 Uhr Studio LCB

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 19:05 Uhr Oper

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 19:00 Uhr Club der Republik

Aus unseren drei Programmen

Agenda 2010"Es ist immer wieder gut, Dinge in Frage zu stellen"

BAMF-Chef Frank-Jürgen Weise nimmt am 25.02.2016 in Berlin im Haus der Wirtschaft an der Veranstaltung "Ankommen in Deutschland", dem Aktionsprogramm der Industrie- und Handelskammern zur Integration von Flüchtlingen teil. (picture alliance / dpa / Kay Nietfeld)

Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat die Agenda 2010 gelobt und sich zugleich für Änderungen ausgesprochen. Berufe, Arbeitsverträge und Arbeitsorte veränderten sich. Deshalb könne man erwarten, dass die Politik diese Entwicklungen nach vorne gerichtet unterstütze, sagte er im Deutschlandfunk.

Aretha Franklins GeburtstagSoul-Ikone und Bürgerrechtlerin feiert 75.

Aretha Franklin  (picture alliance / dpa / Ron Sachs)

Aretha Franklin sang für Martin Luther King und bei der Amteinführung von Barack Obama, die afroamerikanische Sängerin gilt als eine der erfolgreichsten Musikerinnen überhaupt. Nun ist die Soul-Diva 75 Jahre alt geworden - und denkt über einen Abschied von der Bühne nach.

BuchprojektAuf einen Coffee to go nach Togo

Ein leerer Starbucks-Kaffeebecher (dpa picture alliance / Inga Kjer)

Coffee to go kennen wir alle. Bloß wo kommt eigentlich der echte Kaffee Togo her? Markus Weber wollte es wissen und machte sich auf den Weg. Mit dem Fahrrad nach Togo, durch 26 Länder, 14.000 Kilometer. Daraus entstand sein Buch "Ein Coffee to go in Togo".

KaczynskilandWie polnische Geschichte und Kultur umgedeutet werden

Das Denkmal "Westerplatte" zu Ehren der polnischen Verteidiger in der gleichnamigen Gedenkstätte in Danzig in Polen, aufgenommen am 17.06.2012. (picture alliance / dpa / Jens Wolf)

Mit dem deutschen Beschuss der Westerplatte vor Danzig beginnt am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Die Polen wehren sich tapfer und unterliegen. So wird die Geschichte im Museum der Stadt Gdansk erzählt. Und das, findet die neue polnische Regierung, ist viel zu unpatriotisch.

FamilienkonflikteGeschichten vom Loslassen

Eine Frau zerreißt ein Foto ihrer Eltern. (imago/epd )

Wenn sich Familienkonflikte nicht lösen lassen, bleibt noch die Möglichkeit, sich ganz zu trennen. Die "Lange Nacht" porträtiert Menschen, die genau das getan haben.

Sir Elton John wird 70"Musik ist meine Liebe, Shoppen meine Sucht"

Elton John in Brasilien  (picture alliance / dpa / Foto: EPA/Antonio Lacerda)

Seit mehr als fünf Jahrzehnten steht Elton John auf der Bühne. Er zählt zu den erfolgreichsten Popstars aller Zeiten. Rund 300 Millionen Alben hat der exzentrische Brite verkauft. Doch ans Aufhören denkt Sir Elton John noch lange nicht: Die Show wird weitergehen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erdogan  Referendum über EU-Mitgliedschaft der Türkei grundsätzlich möglich | mehr

Kulturnachrichten

Anti-Trump-Kunstinstallation erneut abgebrochen  | mehr

 

| mehr