Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Deutsche nur mittelmäßig gebildet

OECD stellt PISA-Test für Erwachsene vor

Ein Frau in einer Bibliothek (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)
Ein Frau in einer Bibliothek (picture alliance / dpa / Angelika Warmuth)

Die OECD hat erstmals die Fähigkeiten von Erwachsenen im Lesen, Textverständnis und Rechnen in 24 Industrienationen verglichen. Der Bildungsstand deutscher Erwachsener ist laut der "PIAAC-Studie" nur durchschnittlich. Weltweit haben Erwachsene Probleme mit Computern.

Die PISA-Studie sorgte 2001 für Entsetzen über den Bildungsstand der deutschen 15-Jährigen im internationalen Vergleich - nun zeigt sich in einer weiteren Studie ein ähnliches Bild bei den Erwachsenen. Laut der sogenannten PIAAC-Studie, die die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag vorstellte, können Deutschlands Erwachsene im Alter von 16 bis 65 Jahren nur mittelmäßig lesen und Texte verstehen. Gleiches gilt für Rechenaufgaben wie Prozentrechnen und Dreisatzaufgaben sowie das Lösen von Problemen an Computern.

Deutsche können besser rechnen als lesen

Beim Lesen liegen die Deutschen mit 270 Punkten knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 273 Punkten. 17,5 Prozent haben zudem große Mühe mit dem Verstehen selbst einfacher Texte (OECD-Durchschnitt 15,5 Prozent). Bei der Lösung vom komplizierteren mathematischen Aufgaben liegen die Deutschen mit 14,5 Prozent über dem OECD-Durchschnitt von 12,5 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die kaum rechnen können, mit 18,5 Prozent hoch - auch wenn er knapp unter dem OECD-Durchschnitt von 19 Prozent liegt.

Geprüft wurde bei dem Ländervergleich unter anderem das Vermögen, aus Texten verschiedene Informationen zu gewinnen und diese miteinander in Beziehung zu setzen. Zudem mussten die Testpersonen etwa Preisnachlässe bei Sonderangeboten im Supermarkt überschlagen, Grafiken über die weltweit unterschiedlichen Geburtenraten verstehen oder eine Temperatur von Grad Celsius in Fahrenheit umrechnen.

Spitzenwerte im Lesen wie im Rechnen erreichten Erwachsene in Japan und Finnland. Der Kompetenzvorsprung dieser beiden Länder entspricht laut Studie einer Lernleistung von vier bis fünf Schuljahren. Auf den hinteren Plätzen landeten zumeist Spanien und Italien. Für die Studie wurden weltweit 166.000 repräsentativ ausgewählte Personen, darunter 5.465 Deutsche, zwischen Sommer 2011 und Frühjahr 2012 getestet.

12,6 Prozent können keine Computer-Maus bedienen

Ein beträchtlicher Teil der Erwachsenen hat Probleme beim Umgang mit Computern. So konnten in Deutschland zum Beispiel 12,6 Prozent der Testpersonen keine Computer-Maus bedienen. Die meisten waren lediglich in der Lage, einfache Probleme zu lösen, wie zum Beispiel das Einsortieren von E-Mails in bereits angelegte Ordner. Komplexere Aufgaben wie das Navigieren über Webseiten und eigenständige Problemlösungen in mehreren Schritten beherrschten dagegen nur 36 Prozent.

Die soziale Herkunft ist in Deutschland besonders prägend

Der Test zeigt, dass der Bildungserfolg in Deutschland in besonderem Maße von der sozialen Herkunft abhängt. "In kaum einem anderen Land hängt die Lesekompetenz so sehr vom Bildungsstand der Eltern ab wie hierzulande", schreiben die Autoren. Testpersonen, deren Eltern weder Abitur noch Berufsausbildung haben, erzielten in Sachen Textverständnis im Schnitt 54 Punkte weniger als jene, bei denen mindestens ein Elternteil einen Hochschulabschluss oder einen Meisterbrief hatte.

Auch das Alter ist entscheidend. Jüngere Erwachsene schneiden fast immer besser ab als die ältesten Teilnehmer. Die besten Leistungen verzeichnen in fast allen Ländern die 25- bis 34-Jährigen, die schlechtesten die 55- bis 64-Jährigen.

Mehr auf dradio.de:

Was ist PIAAC? (Erwachsenen-PISA der OECD)
Deutschlands Erwachsene sind Durchschnitt - Studie der OECD untersucht Alltagsfertigkeiten
"Schlüsselkompetenzen wieder in den Vordergrund stellen" - OECD-Direktorin Ischinger spricht sich für stärkere Förderung von Geringqualifizierten aus

 

Letzte Änderung: 09.10.2013 23:11 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:57 Uhr Sternzeit

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Hillary ClintonUnbeliebt, aber unentbehrlich

Sie sehen Hillary Clinton auf einem Großbildschirm. (AFP/Saul Loeb)

Hillary Clinton sei erfahren, politisch geerdet und ausdauernd, kommentiert Thilo Kößler. Sie sei aber auch Teil des Establishments und wirke kühl und verschlossen. Und doch sei sie die Einzige, die den Demagogen Trump noch stoppen könne.

Indiens Jugend unter DruckScheitern ist nicht vorgesehen

Schulkinder sitzen in Mahabalipuram (Indien) in einem Park. (dpa / picture alliance / Sebastian Kahnert)

Der Konkurrenzdruck im indischen Bildungssystem ist riesengroß − in Nachhilfe-Instituten büffeln Kinder und Jugendliche für ihre Karriere. Wer es nicht schafft, erlebt manchmal fatale Konsequenzen.

EU-Kommission vs. GoogleVon Macht und Ohnmacht

Sie sehen eine Radfahrerin und den Schriftzug Google auf einem Straßenschild. (AFP / Jana Asenbrennerova)

Seit mehr als sechs Jahren laufen die Wettbewerbsverfahren der EU-Kommission gegen Google. Der Vorwurf: Der US-Konzern missbrauche seine Marktmacht. Google sieht sich zu Unrecht in der Kritik, nimmt die Verfahren aber ernst: Denn der Ausgang könnte weltweit Konsequenzen für den Konzern haben.

Kriminalität im Darknet"Da wird zu wenig und das Falsche getan"

Symbolfoto zum Thema Internetkriminalität: eine Hand vor einem Computer-Monitor (imago / epd / Annette Zoepf)

Der Amokläufer von München soll seine Waffe aus dem Darknet bezogen haben. Zuletzt sei es besser gelungen, gegen Kriminalität im Netz vorzugehen, so das Bundeskriminalamt. Ein großes Problem sei aber die mangelnde Expertise der Ermittler, sagt der Forscher Sandro Gaycken.

Coaching und SingenMit Herbert Grönemeyer bei der Sommerakademie

Drei Männer mittleren Alters sitzen an einem Tisch mit Mikrofonen vor sich. Sie werden gleich eine Pressekonferenz geben. (Deutschlandfunk/Dirk Groß-Langenhoff)

Bei der Sommerakademie "Deine Stärken, Deine Zukunft" in Essen ging es darum, Schüler mit Förderbedarf und jugendliche Flüchtlinge beim fragilen Übergang zwischen Schule und Beruf zu unterstützen. "Da ist insgesamt viel Potenzial und das muss man nur auftauen", war das Fazit von Schirmherr Herbert Grönemeyer. Der studierte mit den Schülern auch ein Musical ein.

Digitalisieren für die Nachwelt"Aufnahmen für kommende Generationen erhalten"

Schallplattenspieler mit Langspielplatte  (imago stock&people)

Die Recording Preservation Foundation widmet sich dem Erhalt von amerikanischen Klangaufnahmen wie Radiosendungen, Musik und Reden. Stiftungsleiter Gerald Seligman erklärt die Idee.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Gewalt  Obama und Merkel wollen entschieden gegen Terrorismus vorgehen | mehr

Kulturnachrichten

Zwei geraubte Gemälde wieder aufgetaucht  | mehr

Wissensnachrichten

Südseestaat Tonga  Statt Sonnen lieber Skifahren bei Olympia | mehr