Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Deutschland erkennt Kosovo an

Serbien ruft Botschafter aus Berlin zurück

Ein Kosovo-Albaner schwenkt in Kosovska Mitrovica eine albanische Fahne. (AP)
Ein Kosovo-Albaner schwenkt in Kosovska Mitrovica eine albanische Fahne. (AP)

Drei Tage nach seiner Unabhängigkeitserklärung hat die Bundesregierung das Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt. Das Kabinett fasste am Mittwoch einen entsprechenden Beschluss.

Formell wird die Anerkennung durch eine Note von Bundespräsident Horst Köhler an den Kosovo-Präsidenten Fatmir Sejdiu ausgesprochen. Diese Note sollte noch am Mittwoch nach Pristina übermittelt werden.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier verteidigte die Anerkennung der ehemaligen serbischen Provinz. Nachdem man sich neun Jahre lang vergeblich um eine einvernehmliche Lösung bemüht habe, könne Deutschland nun "nicht in Enthaltung flüchten", sagte der SPD-Politiker im Bundestag. Es sei notwendig, das Kosovo zu unterstützen und das Beste daraus zu machen. Zugleich forderte er den neuen Balkan-Staat zur Einhaltung seiner Versprechen auf. Präsident Fatmir Sejdiu habe ausdrücklich zugesichert, dass sich sein Staat an die Vorgaben der Vereinten Nationen halten werde und die Rechtsstaatsmission EULEX unterstütze.

Auf scharfen Protest stieß die Entscheidung bei der Partei Die Linke. Der Außenexperte der Bundestagsfraktion, Norman Paech, kündigte an, dass seine Partei vor dem Bundesverfassungsgericht gegen die deutsche Anerkennung des Kosovos klagen werde. Die Bundesregierung "verachte" das Völkerrecht, sagte Paech.

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung reiste unterdessen ins Kosovo. Sein Sprecher teilte mit, der CDU-Politiker wolle mit dem Befehlshaber und den dort stationierten deutschen Soldaten der UN-Schutztruppe KFOR zusammentreffen.

Aus Protest gegen die Entscheidung der Bundesregierung rief Serbien seinen Botschafter aus Deutschland zurück. Die serbische Regierung betrachtet die Abspaltung des Kosovos als völkerrechtswidrig.

Der SPD-Europaparlamentarier Klaus Hänsch äußerte Verständnis für die harschen diplomatischen Reaktionen Serbiens auf die Unabhängigkeit des Kosovos. "Wir müssen ein bisschen Geduld haben mit Serbien", sagte er. Ein militärisches Eingreifen indes dürfen sich die Serben laut Hänsch nicht erlauben, das würde zu Reaktionen führen müssen. (Text/ MP3-Audio)

Die Lage im Kosovo blieb am Mittwoch ruhig, nachdem am Dienstag Angehörige der serbischen Minderheit zwei Grenzposten angegriffen hatten. Präsident Fatmir Sejdiu rief die Serben zur Ruhe und zur Teilnahme am öffentlichen Leben auf.

Von Brüssel enttäuscht

Wohl in keinem EU-Land hat die Unabhängigkeitserklärung größere Aufregung und schärferen Protest hervorgerufen als in Rumänien. Rumänische Politiker fürchten, das Kosovo könne zum Präzedenzfall für die Region und vor allem für ihr Land werden. (Text / MP3-Audio)

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:27 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Die neue Platte XL

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 04:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

HochschulenMisstrauen unter türkischstämmigen Studenten

Rotes Schloss, im Vordergrund eine grüne Wiese, auf der eine kleine Gruppe Menschen sitzt. (dpa/picture alliance/Daniel Kalker)

Das harte Vorgehen der türkischen Behörden sorgt auch an deutschen Hochschulen für Unruhe. Die meisten türkischen Studenten winken ab, wenn man sie nach ihrer Meinung fragt. Offene Gespräche sind kaum noch möglich. Es gibt Angst, als Staatsfeind oder Verräter angefeindet zu werden.

Afrika-Historiker Jürgen ZimmererZähe Verhandlungen um Völkermord an den Herero

Jürgen Zimmerer - Afrika-Historiker und Genozid-Forscher an der Universität Hamburg.  (privat)

Während des Herero-Nama-Kriegs vor über 100 Jahren töteten deutsche Kolonialtruppen rund 100.000 Einheimische. Die Bundesregierung habe sich schwergetan, von Völkermord zu sprechen, sagt der Afrika-Historiker Jürgen Zimmerer.

Rolle der MedienIm Wettlauf um Meldungen bleibt kaum Zeit zur Prüfung

Kurz nach den ersten Schüssen im Olympia-Einkaufszentrum twitterten Augenzeugen und luden Videos vom Tatort hoch. Klassische Nachrichtenmedien geraten dadurch unter Zugzwang, denn von ihnen wird erwartet, dass sie genauso schnell reagieren.

Amoklauf von München"Einsatz der Bundeswehr hätte nicht weitergeholfen"

Sie sehen die Grünen-Politikerin Irene Mihalic (dpa / picture alliance / Maurizio Gambarini)

Nach dem Amoklauf von München hat die Grünen-Politikerin Irene Mihalic im DLF klargestellt, dass sie wenig davon hält, die Bundeswehr einzubeziehen. Die Polizei habe hervorragende Arbeit geleistet, auch in der Öffentlichkeitsarbeit.

München als mediales Ereignis Soziale Medien hysterisieren die Gesellschaft

Auf einem iPhone sind Hashtags, die als Reaktion auf die Schießerei in München gepostet wurden, zu sehen. Über die Hashtags "#München" und "#offenetür" gewährten Bewohner der Stadt nach der Schießerei anderen Menschen Unterschlupf. (picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand)

Bei Onlinemedien liegen Fluch und Segen nah beieinander, bestätigt Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im Gespräch mit Deutschlandradio Kultur. Zwar seien die Sozialen Medien strukturell schneller, tragen aber auch zur Hysterisierung bei.

Unentdeckte LänderSchon mal auf dem Schiffsfriedhof in Karakalpakstan gewesen?

Nein? Dafür aber Dennis Gastmann. Der Entdeckungsreisende hat unsere Welt nach unbekannten Gegenden, weißen Flecken und vergessenen Welten durchforstet.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Kabul  International Entsetzen über Anschlag mit 80 Toten | mehr

Kulturnachrichten

Seehofer sagt Staatsempfang bei den Bayreuther Festspielen ab  | mehr

Wissensnachrichten

Politiker in Deutschland  Regierungsbänke ohne Muslime | mehr