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Deutschlandfunk: Nachrichten

(DRadio)
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Der Deutschlandfunk ist das Informationsprogramm Nummer eins in Deutschland. Sein Herz schlägt in der Nachrichtenredaktion. Aus der zweiten Etage des Kölner Funkhauses wird rund um die Uhr gesendet, 365 Tage im Jahr. 37 Sendungen sind es am Tag: immer zur vollen Stunde, von 5 - 18 Uhr sogar halbstündlich. Zehn mal am Tag bieten wir zehn Minuten Nachrichten. Wo gibt es das sonst noch? Viele der Sendungen werden vom Deutschlandradio Kultur übernommen. Die Nachrichten haben die mit Abstand höchsten Einschaltquoten in unserem Programm.

(DRadio) (DRadio)Mit den Presseschauen entsteht ein weiteres Markenzeichen des DLF in der Nachrichtenredaktion. Inzwischen gibt es täglich sechs Mal den Blick in die Kommentarspalten der deutschen bzw. internationalen Presse. Nimmt man Nachrichten und
Presseschauen zusammen, zeichnet die Redaktion verantwortlich für knapp fünf Stunden Wortprogramm am Tag.

Unsere Redakteurinnen und Redakteure bearbeiten täglich an die 8.000 Meldungen deutscher und internationaler Agenturen. Sie sichten Vorberichte und Interviews von Zeitungen und Fernsehsendern. Die Redaktion recherchiert auch im Internet, per E-Mail und am Telefon, um in der Fülle oft widersprüchlicher Informationen Klarheit zu schaffen. Und dann wird geschrieben, im Wettlauf mit der Uhr.

Schließlich stellt der verantwortliche Redakteur die Sendung zusammen. Er prüft und korrigiert die Texte bis zum letzten Augenblick und übergibt das Manuskript dann dem Sprecher. Die Kollegen aus dem DLF-Sprecherensemble sind für die Nachrichten unverzichtbar und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Auch nicht, wenn bei laufender Sendung Eilmeldungen nachgereicht werden. Übrigens läuft die ganze Nachrichtenarbeit gegen die Klischees aus amerikanischen Filmen sehr unaufgeregt ab. Für Hektik fehlt schlicht die Zeit.

In der Redaktion hat der technische Wandel tiefe Spuren hinterlassen: Mitte der neunziger Jahre ratterten bei uns noch die Fernschreiber der Agenturen lautstark um die Wette. Die Redakteure diktierten ihre Texte einer Sekretärin. Wenn die Formulierungen einmal nicht so recht gelingen wollten, dann wanderte Blatt um Blatt in den Papierkorb. Tipp-Ex floß in Strömen. Unsere Manuskripte wurden mit einer donnernden Rohrpost an die anderen Abteilungen des Hauses geschickt.

Heute ist es beinahe ruhig in der Redaktion. Sicher, die Telefone klingeln immer noch, man hört im Hintergrund ein Stimmengewirr von CNN, BBC, Phoenix und natürlich auch das eigene Programm. Doch wo früher Nachrichtenticker und Schreibmaschinen lärmten, surrt nun leise der Computer. Die Agenturmeldungen kommen über Satellit direkt auf den Bildschirm, am selben Gerät wird geschrieben. Anstatt mehrerer Sekretärinnen gibt es nur noch tagsüber eine Redaktionsassistentin. Sie hält den Journalisten organisatorisch den Rücken frei, gibt die Sendungen ins Internet, besorgt den neuen Wetterbericht etc. Auch die Zahl der Redakteure hat abgenommen. Tagsüber sind meist drei Journalisten im Einsatz. Nachts ist ein Redakteur mit dem Weltgeschehen auf sich allein gestellt.

Mag sich die Arbeitsweise auch verändert haben, unser Ziel ist dasselbe geblieben. Wir wollen alle 30 Minuten pünktlich mit dem Zeitzeichen das Aktuellste aus Deutschland, Europa und der Welt senden. Es soll das Wichtigste sein aus Politik und Wirtschaft, aus Kultur, Wissenschaft und Sport. Die Informationen müssen bis ins letzte Detail stimmen, genauso wie die Sprache mit Zeiten, Fällen und Präpositionen. "Wegen dem" gibt es nicht!

(DRadio) (DRadio)Der Deutschlandfunk sendet "klassische Nachrichten". Den Trend zu den O-Ton-Sendungen, manchmal auch "news-shows" genannt, haben wir nicht mitgemacht. Aus gutem Grund, wie wir finden. In fünf bzw. zehn Minuten können wir mit unseren Meldungen mehr Informationen übermitteln als in einer Sendung mit Kurzaussagen von Politikern und Schnipseln von Korrespondentenbeiträgen. Die klassische Nachrichtenform ist aber auch ausgewogener und aktueller. Denn wir sind nicht abhängig von zufällig vorliegenden O-Tönen oder dem Zustandekommen von Leitungen. Im Übrigen meinen wir, dass auch in der politischen Berichterstattung das Argument wirken muss, egal ob ein Minister für das Mikrofon geschult wurde oder lispelt.

Nachrichten wollen informieren und weder bewerten noch belehren. Die Hörer sollen alle notwendigen Informationen erhalten, um auf dem neuesten Stand zu sein und um sich selbst eine Meinung zu bilden. Wichtig ist auch die Abgrenzung zur Unterhaltung. In der sich schnell verändernden Medienwelt droht das Wesentliche immer öfter, in einem Meer von bunten Meldungen unterzugehen. Nicht bei uns. Wir bleiben dabei, dass Bundestag, Wirtschaftswachstum und EU-Kommission wichtiger sind als das Privatleben von Schlagersängern und Fernsehstars. Wir bieten keine schrille Ware, sondern das, worauf die Hörer einen Anspruch haben - als Bürger und als Gebührenzahler.