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Deutschlandradio Kultur: Weltzeit

Lagos in Nigeria, eine gigantische Stadt, die aus allen Nähten platzt, ein in Beton gegossener Wahnsinn, eine Metropole, die wie kaum eine andere die Übel afrikanischer Großstädte zeigt: Überbevölkerung, Wohnungsnot, Kriminalität und Arbeitslosigkeit.

Die sizilianische Bergstadt Corleone, Hochburg des Katholizismus und der Cosa Nostra, wo jeder Fremde misstrauisch beäugt wird, selbst harmloseste Fragen über die Mafia Angst erzeugen und dennoch Spaghetti mit Anti-Mafia-Siegel hergestellt werden.

Surgut östlich des Urals, eine Stadt, in der sibirischer Reichtum aus Öl und Gas zu besichtigen ist: modernste Hochhäuser, in denen auch im russischen Winter bei minus fünfzig Grad niemand friert, Frauen in eleganten Pelzmänteln und Einkaufszentren mit Delikatessen aus aller Welt.

Drei Stadtportraits, drei Weltzeit-Sendungen, die beschreiben, wie Menschen in Afrika, Europa oder Asien leben, welche Freuden, Sorgen und Nöte sie haben, aber auch, welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systeme Einfluss auf ihr Leben nehmen oder es sogar bestimmen.

Weltzeit ist außenpolitischer Hintergrund, der den Alltag der Menschen in Nahaufnahme zeigt, dabei aber die Analyse nicht vergisst. Unsere Features werden von Montag bis Donnerstag um 18.07 gesendet, in der politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse dargestellt und beleuchtet werden. Die Weltzeit-Sendungen werden in aufgelockerter Form präsentiert: meist als zwei thematisch miteinander verbundene Features, fünf und 15 Minuten lang, mit Originaltonaussagen, Geräuschen und Schilderungen, die im besten Fall "Kino im Kopf" erzeugen.

Wir produzieren keine allgemeinen Länderberichte, sondern versuchen, Alltag und Leben von Menschen in anderen Ländern am Einzelbeispiel darzustellen - das allerdings sollte bis zu einem gewissen Grad verallgemeinerbar oder landestypisch sein. Thematisch sind uns dabei kaum Grenzen gesetzt. Weltzeit-Autoren gehen raus aus den Büros, Hotels und Pressezentren, halten Augen und Ohren offen, sprechen mit Menschen, besuchen sie bei der Arbeit, in der Familie und in der Freizeit. Sie begleiten beispielsweise einen Tag lang einen EU-Abgeordneten und erklären nebenbei, wie das europäische Parlament funktioniert. Sie sind beim Einsatz eines russischen Polizeireporters dabei, fahren Streife mit Polizisten in Mexiko und erzählen Hintergründiges über Medien, Polizeiapparat und Verbrechen. Sie berichten über das Zusammenleben von Juden und Arabern in Haifa oder schildern den Überlebenskampf der Winzer im Bordelais. Sie nehmen an Versammlungen in Universitäten oder Bezirksräten in Bagdad teil und zeigen Ausschnitte aus dem Leben im Irak jenseits von Chaos und Terror. Weltzeit-Autoren erzählen uns von der Hektik der Börsen in der Wallstreet und von der Einsamkeit der Computer-Freaks im Sillycon Valley und manchmal besuchen sie auch Jim Morrison, Chopin, Heine, Sartre und Beckett auf den Pariser Friedhöfen.

Unsere Autoren sind Auslandskorrespondenten, die neben dem täglichen Brot von Nachricht und Meldung Zeit für die ausgiebige Recherche mit Notizblock und Mikrophon finden oder freie Mitarbeiter, die sich auf bestimmte Länder oder Regionen spezialisiert haben. Bisweilen reisen sie auf abenteuerlichen Wegen in Gebiete, in die sich nur selten ein Ausländer verirrt. Aber sie gehen auch dahin, wo alle sind - und entdecken doch Neues und Erzählenswertes.

Die Redaktionsarbeit dagegen ist weniger spektakulär. Wir Redakteure (Angelika Windloff und Eckard Wilker) sind nicht auf der ganzen Welt zu Hause. Unser Arbeitsplatz ist das Zimmer 211 des Funkhauses am Hans-Rosenthal-Platz in Berlin. Wir arbeiten nicht rund um die Uhr und wir trinken weder Whisky noch Bloody Mary in Harry’s Bar, sondern Tee und Kaffee im Büro. Wir sitzen am Schreibtisch und im Studio und zu unserem Handwerkszeug gehören Archiv, Telefon und PC. Wir redigieren Manuskripte, produzieren und schneiden Beiträge, stellen Kurz- und Langfristplanungen auf, tauschen uns mit Autoren aus und forsten Agenturen, Angebote und Internetseiten nach neuen Entwicklungen und Themen für die 200 Weltzeit-Sendungen im Jahr durch - immer in der Gewissheit, dass alles, was wir lesen, nie die ganze Wahrheit ist, sondern allenfalls ein Ausschnitt davon.

Im Fokus

1914-2014100 Jahre Erster Weltkrieg

Französische Infanterie auf dem Schlachtfeld von Verdun im 1. Weltkrieg (1914-1918).

Der Erste Weltkrieg wird auch als die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Die Auseinandersetzung zeigte der Welt, wozu Menschen mit damals hochmodernen Waffen fähig waren. Doch es sollte bei Weitem nicht die schlimmste Ausprägung von Gewalt sein. Der Deutschlandfunk widmet dem Thema einen Schwerpunkt.

 

100 Jahre Erster Weltkrieg

Ein Mädchen aus einem Flüchtlingstreck mit ihrer Puppe im Arm in den Wirren der Nachkriegszeit.

Auch Deutschlandradio Kultur beleuchtet die bis dahin größte Auseinandersetzung zwischen Nationen mit einem eigenen Schwerpunkt.

FreizügigkeitDie EU-Zuwanderungsdebatte

Am Busbahnhof der bulgarischen Hauptstadt Sofia besteigen am 1. Januar 2014 Leute einen Bus nach London über Deutschland und Frankreich. 

Seit dem Jahreswechsel ist es für Rumänen und Bulgaren wesentlich leichter, in Deutschland zu leben und arbeiten, das Prinzip der Freizügigkeit innerhalb der EU greift. Schon streitet die Politik um einen europäischen Kerngedanken: den einer offenen, toleranten und durchlässigen europäischen Gesellschaft. Hier finden Sie Beiträge zum Thema.