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"Die Anklage ist absurd"

Punkband "Pussy Riot" weist vor Gericht den Vorwurf der Blasphemie zurück

Von Gesine Dornblüth

Maria Alyokhina, Mitglied der russischen Punkband Pussy Riot, wurde verhaftet (picture alliance / dpa / Novoderezhkin Anton)
Maria Alyokhina, Mitglied der russischen Punkband Pussy Riot, wurde verhaftet (picture alliance / dpa / Novoderezhkin Anton)

In dem Prozess um den Skandalauftritt von "Pussy Riot" in der wichtigsten orthodoxen Kirche Russlands haben die drei Angeklagten die schweren Tatvorwürfe bestritten. Sie räumten ein, allenfalls "Ordnungswidrigkeiten" begangen zu haben.

Die drei angeklagten Punk-Musikerinnen saßen in einer Art verriegeltem Glasschrank im Gerichtssaal. Sie wirkten selbstsicher und gelassen, als der Staatsanwalt die Anklage vortrug.

"Die drei Angeklagten werden des Rowdytums beschuldigt: Sie haben die öffentliche Ordnung grob verletzt, ihre Missachtung der Gesellschaft ausgedrückt, und zwar aus Motiven des religiösen Hasses und des Hasses auf eine bestimmte soziale Gruppe."

Gemeint war die Gruppe der orthodoxen Gläubigen. Keine der drei Frauen bekannte sich schuldig im Sinne der Anklage. Lächelnd erklärte die 22-jährige Nadeschda Tolokonnikowa:

"Ich erkenne das mir zugeschriebene Motiv nicht an. Ich hatte nicht das Motiv religiösen Hasses. Mir ist Hass insgesamt fremd. ( ... ) Wir hatten politische Motive."

Wie die drei jungen Frauen im Gericht einmal mehr erklärten, wollten sie mit ihrer umstrittenen Aktion in der Christ-Erlöser Kathedrale, dem Sitz von Kirchenoberhaupt Kirill, gegen die Verschmelzung von Kirche und Staat in Russland protestieren. Der Patriarch hatte sich im Präsidentenwahlkampf offen für Wladimir Putin ausgesprochen und die Gläubigen angehalten, nicht an Protestkundgebungen teilzunehmen. Verteidiger Nikolaj Polozow machte klar:

"Die Anklage ist absurd. Sie ist eine Beleidigung für uns, für die Angeklagten und für die gesamte Justiz."

Am Morgen hatte sich die Verteidigerin der Punk-Musikerinnen, Violetta Volkova, das Recht erkämpft, handschriftliche persönliche Erklärungen ihrer Mandantinnen zu verlesen. Nadeschda Tolokonnikowa gibt darin zu, dass der Auftritt in der Kirche unter Umständen ethisch verwerflich war.

"Wenn sich jemand von unserem Auftritt verletzt fühlte, dann bin ich bereit, anzuerkennen, dass wir einen ethischen Fehler begangen haben. Dafür entschuldige ich mich. Aber für so einen Fehler gibt es keinen Artikel im Strafgesetzbuch. Wir sitzen bereits fünf Monate im Gefängnis, obwohl wir kein Verbrechen begangen haben."

Die Anwältin der Nebenkläger wies die Erklärungen der Frauen postwendend zurück.

"Wir sind hier nicht auf einer Kundgebung. Diese Meinungsäußerungen der Angeklagten sind ein Verfahrensverstoß. ( ... ) Sie haben nichts mit der Sache zu tun und sind ausschließlich für die Presse gedacht, die diese Gruppe erst bekannt macht. Es weiß doch jeder, dass es der Band Pussy Riot nur um Geld geht."

Das Verfahren fällt in eine Zeit, in der Richter, Ermittler und Polizisten auf allen Ebenen Druck auf Regierungskritiker ausüben. Gleichfalls heute musste der prominente oppositionelle Blogger Alexej Navalnyj vor dem Ermittlungskomitee aussagen.

Vor drei Jahren soll er das Vertrauen eines Forstbetriebes missbraucht haben, das Unternehmen falsch beraten und es damit um einen Gewinn von etwa 25.000 EUR gebracht haben. Im Fall einer Anklage drohen ihm bis zu fünf Jahre Haft. Navalnyj rechnet damit, dass die Anklage morgen erfolgt.

Beobachter gehen davon aus, dass die Regierung die Sommerpause nutzen will, um sich für neue Proteste im Herbst zu wappnen und Sympathisanten der Protestbewegung abzuschrecken. Im Fall der Punk Band Pussy Riot könnte das allerdings ins Gegenteil umschlagen.

Wie eine jüngste Umfrage des unabhängigen Levada Instituts ergab, wächst die Zahl derer, die den Prozess als unverhältnismäßig kritisieren, immer schneller.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:56 Uhr

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