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Die CIA und die Nazis

Geheimdienste deckten NS-Kriegsverbrecher Eichmann

Von Siegfried Buschlüter

Adolf Eichmann in Jerusalem (AP Archiv)
Adolf Eichmann in Jerusalem (AP Archiv)

Deutsche und amerikanische Geheimdienste haben schon 1958 gewusst, dass sich der NS-Kriegsverbrecher Eichmann in Argentinien versteckt hielt. Das geht aus Dokumenten hervor, die die CIA jetzt freigegeben hat. Aus den Unterlagen lassen sich außerdem neue Erkenntnisse über die Beschäftigung ehemaliger Kriegsverbrecher durch die CIA gewinnen.

Als der israelische Ministerpräsident David Ben-Gurion am 23. Mai 1960 in der Knesset bekannt gab, dass sich Adolf Eichmann, einer der schlimmsten Nazi-Kriegsverbrecher, in israelischem Gewahrsam befand, war die US-Regierung so überrascht wie der Rest der Welt. Mit keinem Wort hatten die Israelis die CIA davon in Kenntnis gesetzt, dass Agenten der Mossad Eichmann zwölf Tage vorher in einem Vorort von Buenos Aires auf der Strasse festgenommen hatten.

CIA-Direktor Allen Dulles forderte sofortige Aufklärung. Dabei hätte er wissen müssen und wusste es vielleicht auch, dass die CIA Eichmann selber auf die Spur hätte kommen können, wenn sie sich nur bemüht hätte.

Wie aus jetzt freigegebenen CIA-Unterlagen hervorgeht, hatte die CIA 1958 vom Bundesnachrichtendienst erfahren, dass Eichmann unter dem Namen Clemens in Argentinien lebte. Doch zu dem Zeitpunkt war das Interesse der CIA am Aufenthaltsort oder dem Schicksal Eichmanns längst erlahmt. Es sei nicht die Aufgabe der CIA, Kriegsverbrecher festzunehmen, erklärte ein CIA-Beamter gegenüber dem US-Kongress im Jahr 1953. "Wir sind nicht in der Lage, in diesem Fall eine aktive Rolle zu spielen", so der Beamte wörtlich.

Da es keinen Widerspruch von den Senatoren gab, wurde die Angelegenheit ein Jahr später ad acta gelegt. Und daran änderte auch der Hinweis des BND im März 1958 nichts. Hätten die Israelis die Spur nicht weiterverfolgt, hätte Adolf Eichmann alias Ricardo Clement vermutlich ungestört seinen Lebensabend in Buenos Aires verbracht.

27.000 Seiten bisher geheimer Unterlagen sind jetzt von der CIA freigegeben und unter Druck des Kongresses an das US-Nationalarchiv übergeben worden. Zusammen mit rund 60.000 Seiten, die seit 1999 entklassifiziert wurden, bieten sie Historikern einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Beziehungen zwischen dem US-Geheimdienst und den Nazis, mit neuen Erkenntnissen über die Beschäftigung ehemaliger Kriegsverbrecher durch die CIA.

Timothy Naftali ist Geschichtsprofessor an der Universität Virginia. Er sei kein Staatsanwalt, sagt er, sondern Historiker. Aus der Geschichte könne man lernen, für die Gegenwart und die Zukunft. Was ihn persönlich bei der Auswertung der Unterlagen überrascht habe, sei, dass die CIA zu keinem Zeitpunkt wirklich die moralische Dimension der Anwerbung von ehemaligen Nazis in Erwägung gezogen habe.

Zum zweiten verwundert ihn, von welchem geringen geheimdienstlichen Wert die angeworbenen Kriegsverbrecher waren. Ihr Interesse habe ausschließlich darin bestanden, sich vor einer strafrechtlichen Verfolgung zu schützen. Unter dem Strich habe ihre Anwerbung nichts gebracht, so Naftali.

Zwar findet er entlastende Umstände im Klima der Zeit, des Kalten Krieges, der Angst vor einem Dritten Weltkrieg, bezeichnet es jedoch als schmerzlich, dass Kriegsverbrecher auch nach dem Tod Stalins 1953, als die größte Gefahr vorbei war, weiterbeschäftigt wurden. Der Grund, die Sache sollte vertuscht werden, weil sie schädlich war für das Ansehen der CIA und die Agency enge Mitarbeiter Eichmanns wie Otto Albrecht von Bolschwing, Theodor Saevecke und Erich Rajakowitsch lieber weiter beschützen wollte als das Risiko einzugehen, dass sie bei einer Aufdeckung zu den Sowjets überlaufen oder auspacken würden.

Dass auch die damalige Bundesregierung unter Kanzler Adenauer wenig Interesse an einer rückhaltlosen Aufarbeitung der Vergangenheit hatte, wird in den freigegebenen CIA-Unterlagen belegt durch die Bitte Bonns, einen Hinweis auf Adenauers Vertrauten, Hans Globke, aus den Memoiren Eichmanns zu streichen. Life Magazine hatte sie von der Familie Eichmanns gekauft und ging prompt auf ein entsprechendes Ersuchen der CIA vor der Veröffentlichung der Autobiographie ein.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:17 Uhr

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