Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Die Jäger des verlorenen Vertrauens

USA gestehen übertriebene Überwachung ein

Die US-Botschaft in Berlin (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)
Die US-Botschaft in Berlin (picture alliance / dpa / Wolfgang Kumm)

In der NSA-Affäre zeigt Washington Einsicht: Man sei zu weit gegangen, gibt Außenminister John Kerry zu. Der ehemalige deutsche Washington-Botschafter Wolfgang Ischinger warnt indes vor einer Einladung Berlins an Edward Snowden.

Nach dem Treffen von Hans-Christian Ströbele mit Edward Snowden in Moskau rät Wolfgang Ischinger davon ab, den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter nach Deutschland einzuladen. Der Grünen-Politiker habe als Bundestagsgeordneter das Recht gehabt, sich auf diese Weise Informationen zu beschaffen. Die Idee, Snowden bei einer deutschen Staatsanwaltschaft oder einem Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen zu lassen, hält Ischinger, der von 2001 bis 2006 deutscher Botschafter in den USA war, allerdings für "ein hochriskantes Vorhaben".

In Washington würde eine solche Einladung als "Ohrfeige" empfunden und würde dort wohl ähnliche Reaktionen auslösen wie in Deutschland das Bekanntwerden der Handyabhörmaßnahmen, warnte der ehemalige Diplomat. In der gegenwärtigen Situation müsse es darum gehen, auf "weitere Eskalationsmaßnahmen" zu verzichten, rät Ischinger weiter. Zwar sei der Vertrauensschaden durch die NSA-Affäre "erheblich". Doch nun gehe es um Schadensbegrenzung, beispielsweise durch ein "No Spy"-Abkommen beider Länder.

US-Botschafter: Keine Entschuldigung von Obama

US-Außenminister John Kerry bei seinem Treffen mit dem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow, am 8. Mai 2013 in Moskau. (picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats)US-Außenminister John Kerry (picture alliance / dpa / ITAR-TASS / Alexandra Mudrats)Auch John Kerry betonte, sein Land müsse nun wieder Vertrauen wiederherstellen. Die amerikanischen Überwachungsaktivitäten seien manchmal zu weit gegangen, sagte der US-Außenminister am Donnerstag per Videozuschaltung bei einer Konferenz in London. Gewisse Praktiken seien automatisch gelaufen und hohe Beamte der US-Regierung hätten nichts davon gewusst. Kerry versprach, dass die Überwachungspraxis gründlich überprüft werde und einige Aktivitäten ganz eingestellt würden.

Eine Entschuldigung der USA lehnte Kerry jedoch ab. Stattdessen werde Präsident Barack Obama "Taten folgen lassen", kündigte der amerikanische Botschafter in Deutschland, John Emerson, im Deutschlandfunk an. Er verstehe, wie "besorgt und bekümmert die deutsche Bevölkerung" sei. Nun müsse besprochen werden, wie man weiterhin "auf höchster Ebene" miteinander arbeiten kann, "als Freunde und Verbündete und begründet in unserer Achtung vor Rechtsstaatlichkeit".

Katholischer Kardinal hofft auf Proteste der US-Bürger

Den Ex-Präsidenten des Päpstlichen Rats Cor Unum, Paul Josef Cordes, erinnern die aktuellen Enthüllungen an die Spionage aus der Zeit des Kalten Krieges. Der emeritierte katholische Kurienkardinal sagte im Deutschlandfunk, die USA erlebten weltweit einen "Vertrauensbruch" in ihrem Verhältnis zu anderen Völkern. Er hoffe, dass sich die US-Bürger dagegen wehren.

Einem Medienbericht zufolge soll der US-Geheimdienst auch den Vatikan bespitzelt haben. Vor dem Konklave im März dieses Jahres seien zahlreiche Telefonate in und aus dem Vatikan abgehört worden, berichtete das italienische Magazin "Panorama". Darunter sollen auch Gespräche des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio vor seiner Wahl zum Papst gewesen sein. Die NSA wies den Bericht zurück, die Behauptungen des Magazins seien "nicht wahr".


Mehr zum Thema auf dradio.de

Merkel soll seit 2002 abgehört worden sein
Bericht über geheime NSA-Liste
Snowden: Enthüllungsdokumente nicht in Händen fremder Geheimdienste
Ex-NSA-Mitarbeiter schließt Zugriff Russlands oder Chinas aus

 

Letzte Änderung: 14.11.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 16:10 Uhr Büchermarkt

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Doppelpass-Beschluss der CDU"Man kann den Menschen eine Entscheidung abverlangen"

Der Bundesvorsitzende der Jungen Union, Paul Ziemiak, spricht am 14.10.2016 in Paderborn (Nordrhein-Westfalen) auf dem Deutschlandtag der Jungen Union. (dpa / picture alliance / Guido Kirchner)

Vor der Bundestagswahl würde das nichts mehr. Aber in der kommenden Legislaturperiode müsse die CDU den Doppelpass-Beschluss des Essener Parteitages umsetzen, fordert der Chef der Jungen Union. Dann solle es die doppelte Staatsbürgerschaft nur noch in absoluten Ausnahmefällen geben, sagte Paul Ziemiak.

Erhard Eppler SPD-Urgestein und Vordenker wird 90

Der frühere Bundesminister Erhard Eppler (SPD) nimmt am 15.05.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) an der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises 2015 teil. (picture alliance / dpa / Daniel Naupold)

Der SPD-Politiker Erhard Eppler wird am Freitag 90 Jahre alt. Wir gratulieren - und sprachen mit dem früheren Entwicklungsminister über Ideale in der Politik, deren Umsetzung und was Kanzlerin Merkel diesbezüglich lernen musste.

DATENRISIKOVorsicht beim WLAN der Bahn

Die Deutsche Bahn will ab dem 1. Januar kostenloses WLAN für alle einführen. Also jetzt auch in den Waggons der Zweiten Klasse. Derzeit werden die rund 250 ICEs mit der entsprechenden Technik ausgestattet. Doch schon vor dem Jahreswechsel können sich viele Bahnkunden in das Netz einbuchen. Denn das System wird schon in zahlreichen Zügen getestet.

Mordfall in Freiburg"Solche Taten werden durch Flüchtlingspolitik nicht wahrscheinlicher"

Blumen und Trauerschmuck hängen am 05.12.2016 in Freiburg (Baden-Württemberg) an einem Baum an der Dreisam. Ein unbegleiteter minderjähriger Flüchtling wird verdächtigt, dort eine 19 Jahre alte Studentin umgebracht zu haben.  (dpa / picture-alliance / Patrick Seeger)

Nach dem Mord an einer Studentin in Freiburg habe sich seine Einstellung zur Flüchtlingspolitik nicht verändert, sagte der Student Tobias Crone im DLF. Er ist Sprecher des Wohnheims, in dem auch das Opfer lebte. Diskussionen im politischen Gemeinwesen hätten schon immer jenseits von Fakten funktioniert. Deswegen glaube er nicht, dass es ein neues postfaktisches Zeitalter gebe.

Merkel beim HandwerkZDH-Präsident: Fachkräftemangel "ganzheitlich angehen"

Der Präsident des Zentralverbandes Deutsches Handwerk, Hans Peter Wollseifer, spricht bei einer Pressekonferenz. (pa/dpa/Pedersen)

Die Auftragsbücher sind voll, die Geschäfte laufen gut - und doch sieht beim Handwerk nicht alles rosig aus. Es fehlen Fachkräfte, es mangelt an Nachwuchs, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks im DLF. Die Politik müsse jetzt handeln, damit es der Branche auch künftig noch gut gehe.

Regisseur Andreas DresenFilmbildung soll Schulfach werden

Regisseur Andreas Dresen hält lachend ein Megafon vor das Gesicht. (Foto: Peter Hartwig)

Kinder müssen lernen, wie man Filme "liest", sagt der Regisseur Andreas Dresen. Nur so verstünden sie, wie Filme funktionieren und ob diese sie manipulieren wollen. Deshalb sollten Film und Filmgeschichte in der Schule gelehrt werden.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Lufthansa-Tarifstreit  Piloten kehren an Verhandlungstisch zurück | mehr

Kulturnachrichten

Kunstwerke aus Millionen von Legosteinen in Rom  | mehr

Wissensnachrichten

Deutsches Kulturerbe  Ostfriesische Teekultur, Skat und Hebammen gehören dazu | mehr