Profil "Studio 9 - Kultur und Politik am Abend"

 

Die Moderatorinnen und Moderatoren der Sendung

Studio 9 - Kultur und Politik am Abend

Mo. bis Do. 17.07 Uhr bis 18.30 Uhr
Fr. 17.07 Uhr bis 18.00 Uhr

Nicole Dittmer und Julius Stucke(© Deutschlandradio/B. Straub)Nicole Dittmer und Julius Stucke (© Deutschlandradio/B. Straub)

Nicole Dittmer: Im Gegensatz zum meinem Moderationspartner hatte ich zunächst klare Zielvorstellungen. Einen großen Teil meines Lebens habe ich deshalb in Sport-Stadien verbracht, immer mit dem Ziel vor Augen: einmal auf dem Treppchen stehen und die Nationalhymne spielt nur für mich allein (Das war wirklich so). Schon früh musste ich die erste Enttäuschung verkraften als ich erkannte, der Weg ist weit - zu weit von der Kreismeisterin bis an die Spitze der Welt. Es musste also was anderes her zum Geld verdienen.
Wenn schon nicht Sport-Star, dann wenigstens Sportreporterin und so landete ich nach dem Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln, ein bisschen Französisch an der Uni Köln und privaten Umwegen über Paris beim damaligen SFB, wo  ich den Sportstars dieser Welt für Radio und Fernsehen hinterherjagte. Dann ging das Berliner Inforadio auf Sendung und es boten sich plötzlich noch viel spannendere Themen als Sprintrekorde und Fußball-Wahnsinn und so blieb der Sport zwar meine private Leidenschaft, rückte beruflich aber eher ins "Abseits" ...
Zwei Jahre später gab's dann schon wieder ein neues Radio-Programm  "radioeins" (eine Fusion von SFB und ORB) war cool, ich war jung, da konnte man erstmal bleiben. Es folgte nochmal ein kurzer Ausflug zum Berliner Fernsehen, ein etwas längerer zum Hessischen Rundfunk bis ich dann 2007 beim Deutschlandradio landete, wo ich seitdem meine Lebensfreude zu verbreiten suche. Da ich aus dem Bundesland "der fröhlichen Menschen" komme ist mein Glas immer halbvoll und wenn es sich mal zu leeren droht, schenke ich einfach nach oder laufe ein paar Runden im Sport-Stadion.

Julius Stucke: Aufgeschriebene Berufsbiografien sind so eine Sache. Schön liest sich ein konsequenter und zielstrebiger Lebenslauf, in dem seit frühester Kindheit eines dem anderem nahtlos die Hand reicht. Alles fließt weich ineinander, wie Butterstücke in einer heißen Pfanne. Ich sollte als Radiomensch jetzt etwa folgendes aneinanderreihen können: Geboren mit Transistoren im und einer Antenne auf dem Kopf – bereits als Kind aus den elterlichen Altelektrogeräten funktionierende Radioempfänger gebastelt – nächtelang vor selbigen gesessen, um den Stimmen dieser Welt zu lauschen. Und vor allem immer schon gewusst: ich will ins Radio. Ist aber nicht so gewesen.

Astronaut wollte ich werden. Aber mir wird schon beim Autoscooter übel. Kriegsreporter! Absolut krisenfest und sicher nicht langweilig. Aber versuchen Sie mal als Kriegsreporter eine günstige Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Rennfahrer! Aber rückwärts einparken zu können, reichte da als Qualifikation nicht aus. Schriftsteller? Gerne, bloß: zu faul zum Schreiben. Arzt oder Apotheker. Ja, dann aber Angst gehabt, vor all den Fragen zu Risiken und Nebenwirkungen. Erfolgreicher Musiker? Zuviel Abhängigkeit vom schlechten Geschmack. Gerne Diktator – nur leider keinen Ausbildungsplatz bekommen. Ornithologe – schön, nur kann man mit Vögeln kein Geld verdienen (Äh…)

Ich habe es mit der Prüfung an einer Schauspielschule versucht. Nicht, dass ich unbedingt Schauspieler werden wollte – aber ich hatte auch nichts dagegen. (Schlechte Voraussetzung!) Geübt, den Text gelernt, zum Besten gegeben…und hörte dann vom Aufnahmeprüfer: "Schöne Stimme und Sie sprechen gut. Wollen Sie nicht Politiker werden?" Vermutlich vernichtende Worte für einen, der wirklich Schauspieler werden will (obwohl wir unter unseren Politikern die besten Schauspieler haben). Politiker? Nein Danke!

Aufgrund eines Hangs zur nicht-kontinuierlichen Lebensgestaltung folgte das eine oder andere. Eine tontechnische Ausbildung, die Arbeit in einem Tonstudio, dann ein Studium. Publizistik- und Kommunikationswissenschaften. Danach hätte sich wissenschaftliches Arbeiten angeboten. Aber so viel Hirnschmalz hatte ich nicht mehr zu investieren. Oder die Werbe-Branche. Nur fehlte dafür das Talent, seine Überzeugung zu vergessen, um irgendetwas an irgendwen zu verkaufen.

Schließlich blieb fast nur noch der Hörfunk übrig. Radio. Nun ja, Manchmal läuft das Leben eben eher zufällig und eckig ab und endet trotzdem rund und genau an der richtigen Stelle.

 

Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

(© Deutschlandradio/Bettina Straub)Axel Rahmlow und Vladimir Balzer (© Deutschlandradio/Bettina Straub)Axel Rahmlow: Bis Ende 2014 war mein wichtigstes Utensil mein Reisepass: Westafrika, Südamerika, Osteuropa – monatelang unterwegs sein um andere Länder kennenzulernen – ein Luxus, den ich mir vor, während und nach meinem Studium der Amerikanistik immer wieder leisten konnte. Ich habe in Sierra Leone in einem Zelt am Strand einer kleinen Insel geschlafen, in einer zum Gästezimmer umfunktionierten Sauna in Estland, auf dem Dach eines Hochhauses in New York, in Studenten-WGs in Bolivien - überall dort wo mich freundliche Menschen aufgenommen haben.

Abwechselnd mit dem Reisen und dem Studium: die Ausbildung zum Journalisten. Erst beim Leipziger Universitäts-Radio Mephisto 97.6, danach als freier Mitarbeiter bei Fritz vom RBB und MDR Sputnik. Im September 2010 schließlich mit allem Mut der Welt zum Auswahlgespräch für das Deutschlandradio-Volontariat gegangen – gut 5 DRadio-Jahre später bei Studio 9 angekommen, aber hier nicht zu denken ohne Vladimir Balzer. Und fast gleichzeitig ein noch schöneres Abenteuer begonnen:
Seit Ende 2014 ist meine Tochter Ella da. Ihre Mama und ich planen schon unsere ersten gemeinsamen Reisen zu dritt.

Vladimir Balzer: Die weit verbreitete Berufswunsch-Episode Feuerwehrmann war in dem Moment beendet, als mir meine Eltern ein Kassetten-Radio schenkten. Dieses Gerät hat aus mehreren Gründen mein Leben verändert. Zum einen konnte ich damit Teile von Radiosendungen aufzeichnen, die ich dann wieder neu zusammensetzte und meinem treuen Publikum - den Kuscheltieren - präsentierte. Zum anderen wurde mir durch dieses Gerät schlagartig klar, dass ich der Mann im Radio sein wollte. Dabei dachte ich: wenn ich den Leuten etwas erzähle, dann werden sie mir schon zuhören. Sie können im Grunde gar nicht anders. So wie meine Kuscheltiere, die ihre Plätze nicht verlassen konnten.Bis es so weit war, beendete ich in Leipzig noch die Schule. Pünktlich zu Beginn meiner Abiturzeit krachte die DDR zusammen. Dafür an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an die Weltgeschichte. Und als wenig später ein Radio-Redakteur in die Klasse kam und fragte, wer beim neuen Schülerprogramm mitmachen wolle, da doch jetzt endlich alles möglich sei und wir die Zukunft des Landes darstellten, da wusste ich: der Radiogott hatte mich erhört.Ich studierte dann trotzdem noch, war eine Weile im Ausland und am Ende landete ich, wie es sich gehört, beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk - wo ich heute noch bin. Erst Reporter, dann Redakteur und Moderator. Es sind jetzt schon 15 Jahre. Oh je.Da es aber nichts Schöneres gibt, gebe ich hiermit bekannt, dass ich länger bleibe.

 

Liane von Billerbeck und Hans-Joachim Wiese

(© Deutschlandradio/Bettina Straub)Hans-Joachim Wiese und Liane von Billerbeck (© Deutschlandradio/Bettina Straub)

Liane von Billerbeck:
Die Losung zuhause lautete immer: Erst ins Brötchen beißen, dann die Zeitung aufschlagen. Das fällt mir bis heute schwer, denn ich war und bin eine Zeitungstante, daran haben weder die Jahre beim Fernsehen noch beim Radio etwas geändert. Und kommen Sie mir jetzt nicht mit elektronischen Ausgaben: "Zeitung" meint natürlich eine richtige, gedruckte, eine, die beim Umschlagen knistert, und so groß ist, dass man dahinter die Teetasse nicht findet. Seit ich „Studio9" früh moderiere, ist der Blick zur Tasse allerdings freier als mir lieb ist: Morgens kurz vor drei gibt's weder die frische Zeitung noch bäckerofenwarme Schrippen. An den, zugegeben, ebenso wunderbaren Tagen, an denen ich nur Hörerin bin; auch nicht im Doppel oder anderswo moderiere, nicht schreibe und nicht in der Bibliothek hocke, bin ich eine glückliche Berlinerin im märkischen Paradies. Sollten Sie also irgendwo, mitten im Wald, mal eine Frau sehen, die intensiv den Boden absucht und ab und zu an einem Kurbelradio dreht - ja, sowas gibt's!- das könnte ich sein. Besonders netten KollegInnen, bringe ich aus der Wildnis manchmal was mit: meist ist es grün und schmeckt sogar.

Hans-Joachim Wiese:
Nein, ich habe als Kind nicht heimlich unter der Bettdecke Radio gehört. Und nein, ich wollte auch nicht schon immer Journalist werden. Dass ich in diesem „Traumberuf" gelandet bin, ist reiner Zufall. Letztlich jedoch ein glücklicher.
Aber der Reihe nach. Nach dem Abitur in meiner Heimatstadt Flensburg hatte ich wie so viele Nach-68er keinen blassen Schimmer, was ich werden wollte. Es sollte auf jeden Fall etwas „mit Menschen" sein. Also fing ich ein Lehrerstudium an. Oh Gott!  Glücklicherweise für mich und die mir potenziell Anvertrauten kam mein Zivildienst dazwischen, den ich mit der Aktion Sühnezeichen in Israel verbrachte. Ich betreute da blinde Kinder in einem Heim in Jerusalem. Das war zwar interessant, zeigte mir aber auch in aller Deutlichkeit meine überschaubaren pädagogischen Fähigkeiten auf. Trotzdem war die Israelzeit für mich entscheidend, wie sich noch herausstellen sollte.
Nach meiner Rückkehr irrlichterte ich erstmal durch verschiedene sozialwissenschaftliche Studiengänge an der FU Berlin. Und landete schließlich bei der Publizistik, die mir noch am lebensnahsten erschien. Mit Recht. Ich absolvierte das eine oder andere Praktikum, machte meinen Magister und ergatterte nach Dutzenden Bewerbungen bei Presse, Funk und Fernsehen einen Volontariatsplatz beim Deutschlandfunk. Nach einigen Jahren freier Mitarbeit beim RIAS Berlin bekam ich einen Anruf aus der Chefredaktion in Köln. Ob ich eine Festanstellung im Zeitgeschehen wolle. Ja klar, ich wollte. Es folgten zehn Jahre als Redakteur und Moderator der Kölner Informationssendungen. Und dann zahlte sich meine Israel-Erfahrung doch noch aus: Ich wurde ARD-Hörfunkkorrespondent in Tel Aviv, von 1998 bis 2003. Eine extrem harte, aber journalistisch auch glückliche Zeit, die mitten in die zweite Intifada fiel.
Meine Resozialisierung war dann umso schwieriger. Letztlich glückte sie aber doch mit Zwischenstationen wieder in Köln und im Hauptstadtstudio. Seit Sommer 2007 bin ich nun wieder an altvertrauter Stätte im Berliner Funkhaus. Womit sich ja in gewisser Weise ein Kreis geschlossen hat. In meinem „Traumberuf".

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