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Die Nachricht kam ins Dorf

Jury würdigt Mo Yans Sprache als "halluzinatorischen Realismus"

Von Tim Krohn

Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan aus China (picture alliance / dpa)
Der Literaturnobelpreisträger Mo Yan aus China (picture alliance / dpa)

Mo Yan gehört zu einer Generation, die überwiegend in ganz einfachen und bäuerlichen Verhältnissen in China aufwuchs. Als Mitglied der KP des Landes wird dem heute ausgerufenen aktuellen Literaturnobelpreisträger meist aus dem Westen der Vorwurf gemacht, er habe nicht genug Distanz zum System. Groß ist allerdings auch das Lob vieler Kritiker: Seine Bücher wirken wie eine farbenprächtige Pekingoper.

Pünktlich auf die Minute öffnete Peter Englund die goldverzierte Tür der Svenska Akademien. Das, was Englund jetzt verkünden durfte, ließ die Literaturkenner im Saal laut aufjubeln.

Für die breite Masse der Leser mag die Entscheidung für Mo Yan auf den ersten Blick eine Enttäuschung sein. Die Experten allerdings sind begeistert. Schon seit Tagen wurde der Künstlername Mo Yan aus dem Osten Chinas unter den Kritikern und Buchmachern in Stockholm hoch gehandelt.

Für Peter Englund, den ersten Sekretär des Nobel-Komitees, gibt es in diesem Jahr keinen besseren als Mo Yan:

"Weil er uns einzigartige Einblicke gibt in ein einzigartiges Milieu. Er schreibt über die chinesische Provinz und umfasst dabei das ganze 20. Jahrhundert bis heute. Und gleichzeitig macht er das auf eine verdammt einzigartige Weise, möchte ich behaupten. Er hat eine wunderbare Sprache. Wenn man eine halbe Seite von Mo Yan liest, dann erkennt man sofort: Das ist er!"

Wie eine Mischung aus Faulkner und Charles Dickens, schwärmt der Sprecher der Jury noch. Mo Yans Sprache sei ein " halluzinatorischer Realismus".

Der Künstlername Mo Yan steht für "Der Sprachlose" oder auch "der Mann ohne Worte". Der heute 57-jährige gilt als der vielleicht bedeutendste, auf jeden Fall aber international erfolgreichste Schriftsteller Chinas. Mo Yan wuchs in der Provinz, im Osten des riesigen Landes als Bauernsohn auf.

Die Geschichten und Charaktere aus seinem Dorf begleiten ihn in seinen Büchern bis heute. Als Mitglied der KP in China musste sich Mo Yan zuletzt mehrfach gegen den Vorwurf aus dem Westen wehren, er habe nicht genug Distanz zum System. Kritiker allerdings sehen diesen Vorwurf als haltlos an. Mo Yan hatte in der Vergangenheit immer wieder die engen Grenzen der Zensur umschifft, vor allem durch viel Fantasie und Satire.

Göran Malmqvist, Sinologe und Mitglied der Svenska Akademien, hat viel für die Entscheidung des Nobel-Komitees getan:

"Ja, ich habe recht viel von Mo Yan ins Schwedische übersetzt. Er ist ein ungeheuerlicher und phantastischer Erzähler. Er kann schöner schreiben als alle anderen. Er ist ein gottbegnadeter Erzähler."

Mo Yans Bücher wirken wie eine farbenprächtige Pekingoper, sagen die Kritiker. Einer seiner deutschen Verleger meint, Mo Yan spiele die ganz große Orgel mit vielen Registern. Martin Walser schwärmt von "ungeheuer reichen und schönen Büchern" des Chinesen. Mo Yan sei einer wie Faulkner.

Die Leser in Deutschland haben also offenbar eine Menge zu entdecken.

Fünf Mo Yan Bücher gibt es bislang in deutscher Übersetzung. Am bekanntesten dabei dürfte wohl das "rote Kornfeld" sein, das für das Kino verfilmt wurde und 1988 auf der Berlinale den Goldenen Bären bekam.

Der Literatur-Nobelpreis für Mo Yan - es ist übrigens der erste in der über hundertjährigen Nobelgeschichte, der direkt ins bevölkerungsreichste Land der Erde geht, genauer: in das Dorf Gaomi in Shandong in der tiefsten ländlichen Provinz im Osten. Als der Anruf aus Stockholm kam, war Mo Yan dort gerade zu Besuch bei seinem Vater, dem Bauern.



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Mo Yan wehrt sich gegen Kritik

 

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

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