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Die neuen Obdachlosen

Nahaufnahmen aus Griechland - In der Suppenküche

Von Andrea Mavroidis

Zentrum für Obdachlose in Athen (Deutschlandradio/Andrea Mavroidis)
Zentrum für Obdachlose in Athen (Deutschlandradio/Andrea Mavroidis)

Suppenküchen und Supermärkte für Bedürftige sind in Griechenland nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen haben durch die Krise ihre Wohnungen verloren. Die neuen Obdachlosen kommen auch aus der Mittelschicht.

Die Krise hat sie hervorgebracht: "Die neuen Obdachlosen" werden sie in Griechenland genannt. Allein 20.000 soll es in der Metropole Athen geben. Immer mehr Menschen können weder ihre Miete zahlen, noch sich regelmäßig ein warmes Essen leisten. Und es trifft schon lange nicht nur die, die immer schon am unteren Rand der Gesellschaft lebten. Es sind zunehmend mehr Familien und Rentner die Hilfe suchen. Andrea Mavroidis hat eine Suppenküche in Athen besucht.

"Heute haben wir Makaronia mit Tomaten Soße, Jogurt, Birnen und natürlich Brot auf dem Speiseplan."

Eine Handvoll Frauen steht in der kleinen Küche des städtischen Zentrums für Obdachlose. Sie füllen Nudeln und Tomatensoße aus riesigen Töpfen in kleine Plastikschüsseln. Lila Riadou bringt sie mit einem Speisewagen zu einem Tresen und stapelt sie dort. Das Essen stammt aus der städtischen Großküche. Es ist kurz vor 12 Uhr gleich wird die Suppenküche für die Armenspeisung geöffnet. Lila Riadou ist eine der ehrenamtlichen Mitarbeiter hier.

"Ich komme drei Mal die Woche her. Ich bin Rentnerin, ich wollte etwas Sinnvolles tun und hier gibt es Menschen die meine Hilfe brauchen. Es tut ihnen gut, wenn man mit ihnen redet und lacht, damit sie sich als Menschen fühlen."

Während die Frauen drinnen das Essen vorbereiten, sammeln sich draußen im Hof die Menschen. In drei riesigen Schlangen stehen sie an. Es sind Griechen, denn die Speisung um 12 Uhr ist ihnen vorbehalten. Überwiegend sind es alte Leute, deren Rente nicht mehr reicht, um sich eine warme Mahlzeit am Tag leisten zu können. Manche sind ärmlich kleidet, aber bei vielen würde man niemals darauf kommen, dass einer von ihnen überhaupt Hilfe braucht. Reden über ihre Situation, wollen die meisten hier nicht. Kyria Eleni ist eine der wenigen, die bereit ist zu sprechen. Sie trägt eine helle Wildlederjacke, eine beige Hose und fesche Slippers und sieht noch ziemlich rüstig aus.

"Ich komme seit einem Jahr hier her. Wer soll den von 400 Euro Rente leben? Können sie mir das sagen. Ich musste sogar meine Wohnung aufgeben. Ich lebe im Augenblick in einem Obdachlosenheim der Stadt Athen. Ich bin dankbar, wir bekommen ja sogar Medikamente hier."

Dass so viele in die Obdachlosigkeit fallen, auch Menschen aus der Mittelschicht, ist in Griechenland ein eher neues Phänomen und hat unmittelbar mit der Krise zu tun. Deshalb werden diese Menschen auch "Die neuen Obdachlosen" genannt. In der griechischen Gesellschaft spielt die Familie eine sehr wichtige Rolle, wenn nicht auf den Staat, so konnte man sich immer auf seine Familie verlassen. Noch gilt dieses Paradigma, aber es wird immer mehr aufgeweicht: Denn in vielen Familien sind gleich mehrere Mitglieder arbeitslos oder bekommen seit Monaten ihre Löhne nicht mehr ausgezahlt. Viele schämen sich, dass sie hier in der Suppenküche anstehen müssen, sagt die Psychologin Giolanda Zogopoulou und erzählt diese Geschichte:

"Wir haben hier eine Mutter, sie kommt jeden Tag. Ihre Kinder wissen das nicht, dass sie das Essen hier bei uns bekommt. Zu Hause füllt sie das Essen in ihre Töpfe und die Kinder denken dann, sie hätte es gekocht. Ihr ist es einfach peinlich, dass nicht mal das Geld für das Lebensnotwendige hat."

Es ist längst nicht mehr so, dass nur eine warme Mahlzeit fehlt, sagt Giolanda Zogopoulou, den Menschen fehlt es an allem.

"Wir unterhalten inzwischen auch eine Apotheke, weil viele hier nicht mehr krankenversichert sind. Die Medikamente bekommen wir gespendet auch von den Pharmakonzernen. Und dann haben wir noch einen städtischen Supermarkt für Bedürftige, da werden wir von einer großen Supermarktkette unterstützt. Bis zu 200 Familien können dort einkaufen. Wir überprüfen natürlich ihre ökonomische Situation, Zahl der Familienmitglieder, Kleinkinder und entscheiden dann, ob sie in dieses Programm aufgenommen werden können."

"Langsam, langsam, es gibt genug zu Essen für alle", ruft Lila Riadou den Wartenden zu. Während die 600 Mahlzeiten in Windeseile verteilt werden, wird auch schon das Essen für die späte Nachmittagsspeisung angeliefert. Lila Riadou eilt wieder in die Küche, und verabschiedet sich mit den Worten die Menschen leben hier in einem Drama.


Nahaufnahmen aus Griechenland - <br> Reportagen aus einer Gesellschaft im Umbruch



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:50 Uhr

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