Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

"Die staatliche Diskriminierung beenden"

Menschenrechtler fordern neue Flüchtlingspolitik

Erste Flüchtlinge aus Syrien sind inzwischen in Deutschland (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)
Erste Flüchtlinge aus Syrien sind inzwischen in Deutschland (picture alliance / dpa / Swen Pförtner)

Rund zwei Millionen Syrer sind auf der Flucht. 5000 will der Bund nach Deutschland ausfliegen. Zu wenig, finden Menschenrechtsorganisationen. Und verlangen von der künftigen Bundesregierung einen politischen Kurswechsel.

Vor zwei Wochen trafen die ersten Flüchtlinge aus Syrien in Deutschland ein. Zunächst wurden sie im Durchgangslager Friedland in Niedersachsen untergebracht, in diesen Tagen finden sich in ihren neuen Unterkünften ein: wie die neunköpfige Familie, die jetzt in Halle lebt, oder die 17 Frauen, Männer und Kinder, die in Borken, Köln, Meschede und Wuppertal untergekommen sind.

Dass Bundesregierung und Bundesländer Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen, begrüßen Amnesty Internationalund Pro Asylgrundsätzlich. Allerdings müsse Deutschland noch großzügiger bei der Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen sein. Die Menschenrechtsorganisationen fordern von der künftigen Bundesregierung einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik. Die neue Regierung müsse einer "Stimmungsmache gegen Flüchtlinge offensiv entgegentreten", indem sie "staatliche Diskriminierung von Asylsuchenden endlich beendet", erklärten beide Organisationen in Berlin.

Bedingungen für Aufnahme erleichtern

Angesichts der vielen Krisenherde in Syrien, Afghanistan oder Irak sei eine europäische Initiative gefragt. Nach vielen "verlorenen Jahren der Abschottungspolitik" müsse sich Deutschland auch "endlich für mehr Solidarität in der EU-Flüchtlingspolitik einsetzen". Die Bundesregierung dürfe nicht zusehen, "wie weiter Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen sterben".

Beide Organisationen verlangten außerdem, die Bedingungen für die Aufnahme syrischer Flüchtlinge zu erleichtern. "Die bürokratischen Hürden sind viel zu hoch", kritisierte die Asylexpertin von Amnesty International, Franziska Vilmar. Syrer, die in Deutschland leben und Verwandte nachholen wollen, müssen sich bislang verpflichten, komplett für den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen aufzukommen. Das könne sich fast niemand leisten und müsse sich dringend ändern, mahnte Vilmar, "sonst wird das Angebot kaum jemandem helfen."

Libanon fordert Geberkonferenz

Alleine 720.000 Syrer sind in den Libanon geflohen (Bild: picture alliance, dpa, Abaca)

Alleine 720.000 Syrer sind in den Libanon geflohen (Bild: picture alliance, dpa, Abaca)


Nach UN-Angaben sind schon zwei Millionen Menschen aus Syrien vor dem Bürgerkrieg geflohen. Die meisten sitzen in Nachbarländern fest, allein 720.000 im Libanon.

Der libanesische Präsident Michel Sleiman rief die internationale Gemeinschaft bei der Vollversammlung in New York dazu auf, dem Land vor allem bei der Bewältigung der Flüchtlingsströme zu helfen. Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten gefährdeten nach die Existenz des Libanon. Sleiman sprach sich für eine internationale Konferenz aus, bei der die Kosten für die Unterbringung der Syrienflüchtlinge unter Geberländern aufgeteilt werden sollen.


Mehr zum Thema auf dradio.de

Fliehst du noch oder wohnst du schon?
Wie Ikea das Leben von Flüchtlingen und das eigene Image verbessern möchte
"Solidarität verlangt nach echter Hilfe"
SZ-Journalist verlangt mehr Anstrengungen der europäischen Länder für syrische Flüchtlinge
Themen der Woche Rote Linien
Die Syrien-Diplomatie vor der UNO-Woche

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:18 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 05:35 Uhr Presseschau

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 05:07 Uhr Studio 9

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Neuer Büchner-Preisträger "Ich bedaure Autoren, die nur Romane schreiben"

Der Schriftsteller Marcel Beyer (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Gerne nimmt sich der neue Georg-Büchner-Preisträger Marcel Beyer der Nachkriegszeit in Bundesrepublik und DDR an - stets mit Rückbezügen auf die NS-Zeit. Auslöser, sich mit Geschichte zu befassen, war Beyer zufolge die Fernsehberichterstattung über den Fall der Mauer. "Geschichte ist etwas, was sich ganz akut in dieser Sekunde vollziehen kann", sagte der Schriftsteller im Deutschlandfunk.

Nobelpreisträgertagung in LindauKluge Köpfe am Bodensee

Das Handout vom 26.06.2016 zeigt das Publikum bei der Eröffnung der Nobelpreisträgertagung im Lindauer Stadttheater. (Christian Flemming  /Lindau Nobel Laureate Meetings / dpa)

Noch bis Ende der Woche läuft in Lindau das 66. Treffen der Nobelpreisträger, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Physik. Dass die Teilnehmer neben ihrem wissenschaftlichen "Know How" einen Sinn für Humor haben, das erfuhr Thomas Wagner bei seinem Besuch.

Arabische Clans in Berlin-NeuköllnVon falschen und enttäuschten Hoffnungen

Polizisten führen bei einem Einsatz eine Person in Handschellen aus einem Haus in Berlin im Bezirk Neukölln. (dpa/ picture-alliance/ Gregor Fischer)

Im April haben Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Razzien in Berliner Wohnungen acht Männer festgenommen. Sie gehörten zu kurdisch-arabischen Clans, die speziell im Berliner Stadtteil Neukölln für schwere und organisierte Kriminalität bekannt sind. Wer sich auf die Suche nach Gründen dafür macht, stößt auf Geschichten von Entwurzelung und enttäuschten Hoffnungen. Für den deutschen Staat wird es Zeit, aus Fehlern zu lernen.

Malawi zwischen Dürre und FlutHunger im Land der Wetterextreme

Menschen erhalten am 15.3.2016 an einem Verteilungspunkt des UN World Food Programme nordwestlich von Lilongwe, Malawi, Lebensmittelhilfe. (picture alliance / dpa / Unicef / Chipiliro Khonje)

Im April hat die Regierung in Malawi wegen der Hungerkrise den Notstand ausgerufen: Derzeit sind mehr als acht Millionen Menschen in dem afrikanischen Land von Lebensmittelhilfe abhängig. Diszipliniert stehen sie in der brennenden Sonne Schlange.

RaumfahrtWeltraumbahnhof, teilmöbliert, in ruhiger Lage zu vermieten

Spaceport America. Das klingt nach Raumfahrt, Rakten, Weltall. Die Raumfahrtsache im ganz großen Stil. Tatsächlicher aber warten und hoffen sie dort auf irgend wen, der den Spaceport nutzen will. Für den Flug ins All, als Partylocation oder auch als Filmkulisse. Hauptsache Geld kommt rein.

Kriminalität im PflegesystemGut gepflegt - oder gepflegt betrogen?

Krankenhaus (imago/Gerhard Leber)

Rund 14.000 ambulante Pflegedienste gibt es in Deutschland, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zu alten oder kranken Menschen ins Haus und pflegen sie dort. Doch nicht immer wird geleistet, was bezahlt wird. Der Abrechnungsbetrug ist so lukrativ, dass sich schon die organisierte Kriminalität dafür interessiert. Eine Gesetzesänderung soll Abhilfe schaffen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Atatürk-Flughafen Istanbul  Türkische Regierung vermutet IS-Miliz hinter Anschlag | mehr

Kulturnachrichten

Kulturfrauen verdienen 24 Prozent weniger als Männer  | mehr

Wissensnachrichten

Computer  10.000 Dollar, weil Windows 10 den Rechner lahmlegt | mehr