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Die verhasste Heimat und der übermächtige Vater

Georg-Büchner-Preis geht an Josef Winkler

Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler 1996 in Klagenfurt. (AP Archiv)
Das Archivbild zeigt den österreichischen Schriftsteller Josef Winkler 1996 in Klagenfurt. (AP Archiv)

Der österreichische Schriftsteller Josef Winkler erhält den diesjährigen Georg-Büchner-Preis. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt mit. In der Begründung der Jury heißt es, der 55-Jährige habe auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig sei.

In den Texten des 55-Jährigen spielen Homosexualität, Tod und Katholizismus eine zentrale Rolle. Erste Erfolge hatte der Österreicher Anfang der 80er Jahre. Josef Winklers Bücher kreisen stets um seinen Vater.

"Ich habe den Büchner-Preis nicht erwartet, bin völlig überrascht und freue mich sehr darüber", sagt Josef Winkler im Gespräch mit dem "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur. (Zusammenfassung des Interviews, MP3-Audio) Er wurde in Deutschland auch als Gastdozent der traditionellen Poetik-Vorlesungen an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main bekannt.

Die wichtigste deutsche Literaturauszeichnung ist mit 40.000 Euro dotiert und wird während der Herbsttagung der Akademie verliehen. Im vergangenen Jahr hatte Martin Mosebach den Preis erhalten.

Beschwörung der Kärntner "Grablegung"

Roppongi heißt ein Stadtteil Tokios. Dort erfährt der Kärntner Schriftsteller Josef Winkler vom Tod seines 99-jährigen Vaters. Am denkbar weitesten von seiner verhassten Heimat und dem übermächtigen Vater entfernt, der den jungen Bauernsohn lieblos als "Leibeignen" behandelt hatte, gibt es für Winkler keine Chance mehr, rechtzeitig zur Beerdigung das Heimatdorf zu erreichen.

Sein Buch "Requiem für einen Vater" ist mehr als nur ein "absolvo te" für einen ungeliebten Vater, dem der Sohn erinnernd gemeinsame Erlebnismomente nachruft. Als Abwesender der väterlichen Beerdigung im Kreise der nach wie vor verhassten Dorfgemeinschaft imaginiert sich der Schriftsteller das heimische Begräbnis bis in kleinste Detail.
(Kritiken zu seinem im vergangen Jahr erschienen Buch "Roppongi. Requiem für einen Vater" in Deutschlandradio Kultur und im Deutschlandfunk)

Das Thema Tod steht im Zentrum des Schaffens von Josef Winkler, das er in das rhythmisch pulsierende Leben einzubinden versucht, meint der Literaturkritiker Helmut Böttiger, der sich im "Radiofeuilleton" von Deutschlandradio Kultur unter anderem auf Winklers Roman "Natura morta. Eine römische Novelle" aus dem Jahr 2001 bezog. (Text/ MP3-Audio)



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Letzte Änderung: 02.10.2013 13:30 Uhr

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