Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Die Welt blickt nach Washington

Experten warnen vor den Folgen der doppelten US-Krise

Regieren gegen Widerstände: US-Präsident Obama  (AP)
Regieren gegen Widerstände: US-Präsident Obama (AP)

Im Streit um den US-Haushalt und die Schuldengrenze ist weiterhin keine Lösung in Sicht: Finanzministerium und IWF sagen Schäden für die Weltwirtschaft voraus, Präsident Barack Obama appelliert an seinen republikanischen Widersacher.

"Setzen Sie eine Abstimmung an, stoppen Sie diese Farce und beenden Sie diesen Stillstand!", sagte Obama bei einem Auftritt nahe Washington an die Adresse von John Boehner gerichtet. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses könne den Haushaltsnotstand "in nur fünf Minuten" beenden, so Obama. Aus Furcht vor dem Tea-Party-Flügel seiner Partei weigere er sich aber, ein Haushaltsgesetz ohne Einschränkungen für die Gesundheitsreform zur Abstimmung zu stellen.

Am Mittwochabend war ein Krisengespräch im Weißen Haus mit Boehner und anderen führenden Kongress-Politikern ergebnislos geblieben. Der Top-Republikaner warf dem US-Präsidenten nach dem einstündigen Treffen vor, sich einer Lösung zu verweigern: "Der Präsident hat erneut bekräftigt, dass er nicht verhandeln wird."

 Barack Obama mit John Boehner  (Bild: picture alliance / dpa / EPA / Olivier Douliery)

Barack Obama mit John Boehner (Bild: picture alliance / dpa / EPA / Olivier Douliery)


Keine Arbeitslosenzahlen

Die für Freitag geplante Veröffentlichung der US-Arbeitslosenzahlen fällt dem Verwaltungsstillstand zum Opfer. Das US-Arbeitsministerium will die Arbeitslosenquote und die Angaben zu den neu geschaffenen Jobs im September zu einem späteren Zeitpunkt verkünden. Ein Großteil der Mitarbeiter des Ministeriums befindet sich im Zwangsurlaub.

In den USA herrscht seit der Nacht zum Dienstag ein Haushaltsnotstand, weil sich der Kongress nicht auf ein Budget für das am 1. Oktober begonnene Fiskaljahr 2014 einigen konnte. Das republikanisch dominierte Repräsentantenhaus verknüpfte seine Etatentwürfe mit dem Schicksal der Obamas Gesundheitsreform.

Folgen für die Weltwirtschaft

Am dritten Tag des Verwaltungsnotstandes wurden Warnungen vor schweren weltwirtschaftlichen Folgen des Etatstreits laut. Sollte der Kongress wegen des Konflikts die Schuldengrenze nicht rechtzeitig erhöhen, könnte es zur größten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg kommen, hieß es aus dem US-Finanzministerium. Die Auswirkungen einer Zahlungsunfähigkeit könnten schlimmer sein als in der Finanzkrise 2008, heißt es in einem Bericht der Behörde.

Auch die Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, warnte vor ernsten Schäden für die globale Konjunktur. Wenn die Haushaltsblockade in den USA noch Wochen oder Monate dauert, seien auch hierzulande die Folgen zu spüren, sagte im Deutschlandfunk Dierk Müller, ehemaliger Geschäftsführer der US-Handelskammer in Deutschland.

Die Demokraten im US-Senat betonten erneut, sich nicht auf Bedingungen für eine höhere Schulden-Obergrenze einlassen zu wollen. "Wir werden uns dafür einsetzen, die Grenze sauber zu erhöhen", sagte der demokratische Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid. Dem US-Finanzministerium geht nach eigener Einschätzung am 17. Oktober das Geld aus. Sollte es nicht gelingen, bis dahin die Schuldengrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar anzuheben, droht den USA die Zahlungsunfähigkeit.


Mehr zum Thema auf dradio.de


Kommentar: Politik mit der Brechstange
Government Shutdown - ein Erpressungsversuch und seine Folgen

Wall Street gibt nach
Börse am Mittwoch

 

Letzte Änderung: 08.10.2013 23:12 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 02:30 Uhr Zwischentöne

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 01:05 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Stigmatisierung in DeutschlandDer Rassismus tobt nicht nur am rechten Rand

Eine türkische Mutter mit ihrer Tochter in Berlin-Kreuzberg (imago/Steinach)

Der Rassismus in Deutschland sei in den Strukturen der Gesellschaft tief verankert, meint Schirin Amir-Moazami. Die Gleichheit vor dem Gesetz scheine wenig daran zu ändern, dass für Ayse oder Mohammed der soziale Aufstieg steiniger verläuft als für Marie oder Moritz.

NahtodWahrheit oder Hirngespinst

Ein heller Tunnel, gleißendes Licht, Landschaften wie im Paradies: Menschen mit Nahtoderfahrungen schildern ihre Erlebnisse in den schönsten Farben und Gefühlen. Viele von ihnen freuen sich sogar, wenn sie wieder ins Leben zurückgekehrt sind, auf den späteren Tod.

Über Mord und Tod im FernsehenAll die schönen Toten

Eine junge Frau liegt mit geöffneten Augen auf dem Boden. (Imago / Westend61)

Deutsche Fernsehkultur ist Todeskultur. Auf den Bildschirmen wird in einer Tour gestorben und gemordet. Allerorten liegen Leichen, fließt Blut, stets stellen Ermittler die gleichen Fragen, verkünden Rechtsmediziner einen ungefähren Todeszeitpunkt. Im Fernsehen ist der Tod omnipräsent - doch woher kommt diese als Fiktion verkleidete Faszination des Todes?

Kultur des TodesWenn der Friedhof stirbt

Jahrhundertelang war er der einzige Ort, um die Toten zu bestatten. Doch allmählich stirbt der Friedhof selbst. Immer mehr Menschen finden ihn als letzte Ruhestätte zu teuer und die strengen Vorgaben nicht zeitgemäß. Sie lassen ihre Asche lieber übers Meer verstreuen, sich unter einem Baum beerdigen oder neben dem geliebten Haustier.

Soziologe Khosrokhavar über Terror in EuropaWarum der Dschihadismus weiter andauern wird

Der iranisch-französische Soziologe Farhad Khosrokhavar ist Studienleiter an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. (AFP / Damien Meyer)

Seit fast 30 Jahren erforscht Farhad Khosrokhavar das Phänomen der Radikalisierung unter Moslems. Europa werde das nächste Jahrzehnt mit dschihadistischem Terror leben müssen, ist sich der iranisch-französische Soziologe sicher.

Unruhen in IndienDie Wut der Jugend von Kaschmir

Jugendliche werfen Steine auf ein indisches Polizeiauto während der Unruhen in Srinagar, der Sommerhauptstadt des indischen Teils Kaschmirs. (picture alliance / dpa / Farooq Khan)

Seit dem 8. Juli gehören Tote und Verletzte zum traurigen Alltag im indischen Teil Kaschmirs. Damals erschossen Soldaten den Kämpfer Burhan Wani. In den Augen der indischen Regierung ein Terrorist, für viele Jugendliche ein Held und Märtyrer. Seitdem gehen seine Anhänger regelmäßig demonstrieren - doch immer seltener geht es dabei friedlich zu.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syrien  Streit im UNO-Sicherheitsrat um Aleppo | mehr

Kulturnachrichten

Ex-Ärzte-Bassist Hagen Liebing gestorben  | mehr

Wissensnachrichten

Ozean-Müllabfuhr  Schiff sammelt Plastikabfall ein | mehr