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Die Zukunft der Arbeit

Über das Betahaus in Berlin-Kreuzberg

Von Wolf-Sören Treusch

Der Strom kommt von der Decke im Berliner "Betahaus".
Der Strom kommt von der Decke im Berliner "Betahaus". (Daniel Seiffert)

Die Welt der Beschäftigten wandelt sich, und in Berlin-Kreuzberg bietet das Betahaus vor allem Freiberuflern und Selbständigen eine neue Arbeitsheimat. Tageweise können hier Schreibtische gemietet werden.

Das Betahaus in Berlin-Kreuzberg. Mit lautem Getöse öffnet sich die Tür des Lastenaufzugs. Im dritten und vierten Stock einer alten Putzlappenfabrik befinden sich riesige Arbeitssäle. Mehrfachsteckdosen hängen von der Decke herab, braun beschichtete Spanplatten sind zu Schreibtischen, Desks, aufgebockt. Betahaus-Praktikant Max Krüger.

Max Krüger: "Es gibt zwei Schreibtischmodelle, das eine ist ein ‘flex desk’, der quasi wie in der Uni-Bibliothek, für alle zugänglich, da ist ein grüner Punkt drauf, abends nimmt man seine Sachen wieder mit nach Hause, dass jemand anderes da dran kann, und dann gibt es ‘fix desks’ mit einem roten Punkt, die gehören dann einem oder einem Team, da kann man seine Sachen drauf stehen lassen, Laptop, Bildschirm, Akten, Wasserflasche."

Telefon- oder Coffee-Flatrate kann man dazu buchen, WLAN gibt es selbstverständlich inklusive. Die Preise variieren zwischen 5 Euro für einen Tag Probearbeiten und 1000 Euro für einen Monat Teamroom.

Martin Menzel: "Der Vorteil ist: Ich kann halt hier jeden Tag arbeiten, und ich muss nicht für ein Jahr ein Büro anmieten."

Martin Menzel entwickelt Websites und ist schon seit zweieinhalb Jahren Betahaus-Member. Obwohl es keine Mindestvertragslaufzeiten gibt, mietet er seinen Desk immer gleich für ein halbes Jahr.

Martin Menzel: "Also, der Vorteil am Shared office oder am Gemeinschaftsbüro ist halt, dass man ständig neue Leute kennen lernt, es gibt eine gewisse Fluktuation, die bringt natürlich auch Kontakte mit, wenn ich halt zuhause im Büro arbeite oder wirklich ein eigenes Büro irgendwo anmiete, bin ich erstmal für mich alleine, oder haben dann vielleicht noch zwei, drei, vier Mitstreiter, und die bringen halt nicht viele neue Ideen mit rein."

Über die Kontakte im Betahaus bekommt Martin Menzel auch schon mal einen Arbeitsauftrag, umgekehrt funktioniert es genauso. Netzwerken in der Community, aber dennoch flexibel sein – das sind die Zauberworte, findet auch Christoph Fahle, einer der Mitbegründer des Betahauses.

Christoph Fahle: "Community is core, hier geht es darum, dass die Community sich wohl fühlt, das ist der Grund, warum ich in eine Kneipe gehe, in die eine und nicht in die andere. Alsodass ich da Leute treffe, die im Grunde mir sehr sympathisch sind, die vielleicht meine Freunde sein können, aber ich muss sie nicht ansprechen. Und wenn man sich in Berlin umguckt: mittlerweile gibt es 30, 40 Co-Working spaces, das ist in der ganzen Welt ein Phänomen, und da sind wir gerade erst am Anfang von so einer Welle der Veränderung."

Anna Theil: "Wenn ich ehrlich bin, ich hätte jetzt wenig Lust, mich in so eine Kammer rein zu stellen und zu telefonieren, ..."

Eine weitere Mieterin, die hier User heißen, ist Anna Theil. Sie steht vor einer der ein Quadratmeter kleinen, fensterlosen Sqype-Boxen, die es in der vierten Etage gibt. Hierhin zieht sich zurück, wer kostenlos per Internet telefonieren will.

Anna Theil: "Da würde ich, glaube ich, klaustrophobische Anfälle kriegen,"

Sie wünschte sich Rückzugsräume, in denen man mit dem Kunden auch einmal ein vertrauliches Gespräch, zum Beispiel über Geld, führen kann. Anna Theil arbeitet für ein Start-up-Unternehmen, das Projektfinanzierung für Künstler und Kreative organisiert, sogenanntes Crowdfunding. Firmensitz ist Dresden, einen Schreibtisch im Betahaus zu mieten, war die einfachste Variante, um auszuprobieren, ob auch der Standort Berlin funktioniert.

Anna Theil: "Hier ums Betahaus tummeln sich die ganzen Kreativen und kommen auch immer gern her, wenn wir Projektbetreuung machen und wissen genau, wo sie hin müssen, und das erleichtert natürlich unsere Arbeit, dass wir immer hier schnell auffindbar sind."

Anderen ist das Treiben in den Großraumbüros hin und wieder zu wuselig. Deshalb gibt es seit kurzem einen ‘silent room’. Hier herrscht absolutes Telefonverbot. Inzwischen sind auch die Vertreter der alten Ökonomie auf das Konzept des Betahauses aufmerksam geworden. Das gefällt Mitbegründer Christoph Fahle besonders.

Christoph Fahle: "Wir bekommen sehr viel Besuch von großen, seltsamerweise Dax-50-Unternehmen als Erstes, also von oben runter, die sich hier umschauen, wo denn die Leute, die nicht mehr dort arbeiten möchten, jetzt sind. Und die sind auf der Suche nach der Zukunft der Arbeit. Tatsächlich."

Die Macher sind überzeugt: im Betahaus ist die Zukunft der Arbeit Gegenwart. Ableger des Erfolgskonzeptes gibt es längst auch andernorts.

Christoph Fahle: "Uns gibt es in Köln und Hamburg, bald auch in Sofia und Barcelona und auf dem Mond."

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:51 Uhr

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