Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Diskussionsbedarf zu SPD-Rentenkonzept

Parteivorstand in der Sache einig, nicht im Grundsatz

SPD-Chef Sigmar Gabriel vertieft ins Konzept (dpa / Wolfgang Kumm)
SPD-Chef Sigmar Gabriel vertieft ins Konzept (dpa / Wolfgang Kumm)

Der SPD-Vorstand hat das Rentenkonzept von Parteichef Sigmar Gabriel mit Kompromissen gebilligt. Neu ist unter anderem eine abschlagsfreie Rente noch vor dem 65. Lebensjahr. Wegen des parteiinternen Streits über das Rentenniveau bleibt das Thema auf der Agenda.

In der SPD bringen die drei möglichen Kanzlerkandidaten sich und ihre Wahlkampfthemen in Stellung: Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück präsentiert offiziell heute sein Arbeitspapier zur Bankenregulierung. Parteichef Sigmar Gabriel ging gestern mit seinem Rentenkonzept in die Offensive. Nur Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat sich thematisch noch nicht so richtig festgelegt. Will der frühere Außenminister überhaupt beim Kandidatenwettkampf mitmischen? Seine Frau sei gegen eine Kandidatur, berichtet das Magazin "Der Spiegel".

Angesichts der brodelnden Debatte werden die Rufe in der SPD immer lauter, die sogenannte K-Frage nicht erst wie geplant nach der niedersächsischen Landtagswahl am 20. Januar zu klären. Möglich wäre eine Entscheidung etwa beim kleinen Parteitag am 24. November. Doch diesen öffenlichkeitswirksamen Termin hat sich Gabriel bereits für sein Thema reserviert.

Rentenniveau unter oder über 50 Prozent

Zeitungsartikel über Altersarmut (picture alliance / dpa)Mit einer Solidarrente gegen drohende Altersarmut (picture alliance / dpa)Dem SPD-Chef ist zwar im Parteivorstand ein Coup gelungen, aber die entscheidende Frage wurde vertagt: Wie hoch wird die Rente sein? Eine Antwort werde wohl nicht vor dem Parteitag stehen, erklärte Gabriel. Es gebe Diskussionsbedarf. Der Parteichef und seine beiden möglichen Mitbewerber in der K-Frage wollen das Rentenniveau auf 43 Prozent des Lohnes bis 2030 absenken. Derzeit beträgt es 51 Prozent. Vertreter der Parteilinken bekräftigten ihre Forderung, das Rentenniveau nicht unter die Hälfte des Lohnes sinken zu lassen.

Dass Gabriels Rentenkonzept mit einer derart "großen Übereinstimmung", wie er sagte, gebilligt wurde, war nicht unbedingt abzusehen. Im letzten Moment hatte er noch ein Ass aus dem Ärmel gezogen: Arbeitnehmer sollen eine abschlagsfreie Rente noch vor dem 65. Lebensjahr bekommen können. Die Idee zog bei vielen Gewerkschaftern und Parteilinken. Bis zu 200.000 Beschäftigte könnten davon profitieren. Die Mehrkosten von rund 5,4 Milliarden Euro sollen aus der Rentenkasse bezahlt werden.

Solidarrente, Teilrente, keine Rente

Der Rentenkompromiss sieht außerdem eine Mindestrente vor. Wer 30 Jahre Beiträge gezahlt habe und 40 Jahre versichert gewesen sei, solle mindestens 850 Euro erhalten. Diese "Solidarrente" solle aus Steuermitteln bezahlt werden. Eine Teilrente ab dem 60. Lebensjahr solle all denen zugute kommen, die einer hohen körperlichen und psychischen Arbeitsbelastung ausgesetzt seien, hieß es. Welche Berufe nicht in diese Kategorie fallen, haben die Sozialdemokraten noch nicht erklärt.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ottmar Schreiner (AP Archiv)Ottmar Schreiner (AP Archiv)Bei den Genossen sind allerlei Fragen offen: Ottmar Schreiner, der zum linken Parteiflügel zählt, hält auch mit Gabriels Änderungsvorschlägen nicht alle Probleme für ausgeräumt. Auch 45 Versicherungsjahre seien für manche Arbeitnehmer kaum zu erreichen, sagte Schreiner im Deutschlandfunk. Der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen, Klaus Barthel, kritisierte, dass sich mit dem Rentenkonzept für Frauen nichts ändere, die wegen längerer Erziehungszeiten nicht berücksichtigt würden. Es gehe aber letztlich um die Frage des Rentenniveaus und "ob damit die gesetzliche Rentenversicherung überhaupt noch den Kern der Alterssicherung in Deutschland darstellt", sagte Barthel im Deutschlandfunk.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:58 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 21:05 Uhr Musik-Panorama

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 22:30 Uhr Studio 9 kompakt

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 21:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

EU und der Westsahara-KonfliktHandel mit Afrikas letzter Kolonie Marokko

CVRIA der Europäische Gerichtshof (imago/Horst Galuschka)

Made in Marocco – mit diesem Label exportiert Marokko Produkte in die EU. In den 1970er-Jahren hat das Land die Westsahara annektiert. Ob die EU mit dem Handel eine widerrechtliche Annexion unterstützt, klärt nun der Europäische Gerichtshof.

Überwachung in DeutschlandHeiligt der Zweck die Mittel?

Polizisten von hinten. Sie tragen Helme. (Arno Burgi, dpa)

Im Februar 2011 demonstrieren rund 20.000 Menschen in Dresden gegen Neonazis. Die Polizei rechnet mit "schweren Straftaten" und besorgt sich die Mobilfunkverbindungen von Zehntausenden Bürgern per Funkzellenabfrage - eine juristisch fragwürdige Ermittlungsmethode.

Motivierend oder nervig?Die Fitness-Poser

Auf Instagram wird gestählt, gepumpt, geschwitzt. Spiegelselfies im Gym, Erfolgsmeldungen vom neuen Jogging-Rekord. Für die einen sind solche Postings Motivation pur. Für andere einfach nur nervig. Und authentisch? Schon gar nicht.

Debatte über Sexismus in der CDU"Das würde männlichen Kollegen schlichtweg nicht passieren"

Anne Wizorek spricht auf der Internetkonferenz republica am 7. Mai 2015 in Berlin (imago stock&people)

Die CDU-Politikerin Jenna Behrends ist nach eigenen Angaben vom Berliner Parteichef Frank Henkel als "große süße Maus" bezeichnet worden. Das sei kein Graubereich mehr, sondern Sexismus, sagte die Aktivistin Anne Wizorek im DLF. Sie nannte es erschreckend, dass sich die Frauen-Union nicht mit Behrends solidarisch zeige.

Erstes TV-Duell Clinton - TrumpPolitprofi trifft auf Seiteneinsteiger

Donald Trump und Hillary Clinton (AFP)

Mit rund 100 Millionen Zuschauern rechnen die Fernsehsender, wenn Hillary Clinton und Donald Trump in der Nacht zu Dienstag in ihrer ersten Fernsehdebatte gegeneinander antreten. Für die demokratische Kandidatin wie auch für ihren republikanischen Gegenspieler ist der Druck enorm.

ELEKTROAUTOSNoch liefern die Stinker die Waren

Laster und Transporter stinken unsere Städte und Autobahnen voll. Warum sind die ganzen Speditionen und Paketdienste eigentlich nicht mit Elektrofahrzeugen unterwegs?

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU  Flüchtlinge in der Türkei erhalten Geldkarten | mehr

Kulturnachrichten

Kulturstaatsministerin will Literatur stärker fördern  | mehr

Wissensnachrichten

Tiere in der Stadt  Berlin ist eine Wildschwein-Insel | mehr