Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

DIW-Studie: Europa bremst Energiewende

Grüner Strom könnte schneller fließen

Das Atomkraftwerk in Cattenom, Frankreich (picture alliance / dpa)
Das Atomkraftwerk in Cattenom, Frankreich (picture alliance / dpa)

Die Europäische Kommission verberge die vollen Kosten von Atomstrom und benachteilige dadurch die ökologische Stromerzeugung. Das ergaben Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die Folge: Die Energiewende verzögere sich.

Nach Ansicht des DIW wäre die Energiewende schneller möglich als derzeit geplant. Die EU-Kommission entwickle ihre Energiepolitik auf der Basis falscher Zahlen und bremse so die Umstellung auf erneuerbare Energien aus, urteilten die DIW-Experten.

Die Kosten der Atomkraft würden in den Szenarien aus Brüssel
"systematisch" kleingerechnet, die der erneuerbaren Energien hingegen deutlich zu hoch angesetzt, heißt es in der in Berlin veröffentlichten Studie des Instituts.

Photovoltaik deutlich günstiger als geplant

Eine Baustelle für Photovoltaik-Anlagen in der Oberpfalz. (Deutschlandradio)Eine Baustelle für Photovoltaik-Anlagen in der Oberpfalz (Deutschlandradio)Tatsächlich lägen besonders bei der Photovoltaik die Kapitalkosten schon jetzt unter dem von der Kommission für das Jahr 2050 erwarteten Wert. In der Solar- und Windenergie seien die Produktivitätsfortschritte in den vergangenen Jahren "bahnbrechend" gewesen. Selbst wenn als Reserve Gaskraftwerke vorgehalten würden, wäre Sonnen- und Windenergie günstiger als von der EU angenommen, schätzte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert bei der Präsentation der Studie.

Europa benötige für die erneuerbaren Energien anspruchsvollere Ziele, "damit diese die historisch entstandene und politisch geförderte Vormachtstellung von Atomkraft und fossiler Energieerzeugung mittelfristig ablösen können", forderte Kemfert. "Besonders eklatant" sei, wie die Kosten von Atomstrom in dem EU-Szenario von 2011 klein gerechnet worden seien. Die EU-Kommission müsse umgehend aktualisierte Modellrechnungen zur Verfügung stellen.

DIW über Atomkraft:" Finanzielles Risiko tragen die Steuerzahler"

Zur Wirtschaftlichkeit von Atomkraftwerken sagte DIW-Forschungsdirektor Christian von Hirschhausen: "Weder in Europa, noch an einem anderen Ort dieser Welt ist jemals ein Atomkraftwerk unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gebaut worden". Nur die Formen der staatlichen Subventionierung würden sich unterscheiden. "Übliche Kostenschätzungen für Atomkraft beinhalten oft nicht den Rückbau der Anlagen sowie die Endlagerung des Atommülls, ganz zu schweigen von den enormen Kosten möglicher Großunfälle wie in Fukushima oder Tschernobyl." Das finanzielle Risiko werde allein vom Staat, also von den Steuerzahlern getragen.

Europa müsse sich für die Energiewende daher höhere Ziele stecken, forderten die Wissenschaftler. Genaue Zielmarken für den Ausbau erneuerbarer Energien, Effizienz und die Reduzierung von Emissionen nannten sie allerdings nicht.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:14 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Feature

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Mays Bündnis mit der DUP"Diese Regierung wird lange bestehen"

Die britische Premierministerin Theresa May mit der Vorsitzenden der nordirischen DUP-Partei Arlene Foster vor Downing Street Nummer 10 (26.6.2017). (AFP / Daniel Leal-Olivas)

Für ihre Minderheitsregierung ist die britische Premierministerin Theresa May ein Bündnis mit der nordirischen Partei DUP eingegangen. Der britische Historiker Brendan Simms ist optimistisch, was den Bestand dieses Bündnisses angeht: " Ich rechne damit, dass diese Regierung relativ lange bestehen wird", sagte er im Dlf.

Türkei verbannt Charles Darwin aus den Schulen "Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben"

Die Evolution des Menschen (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)

Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von "Borniertheit" in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

ETHEREUMCrash bei der Cyberwährung

Ethereum ist eine Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen einen sagenhaften Aufstieg hinter sich. Doch jetzt gab es einen Crash. Die zeigen ziemlich deutlich, wo die Gefahren dieser Währung liegen.

WohnprojektFlüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge unter einem Dach

Sharehaus Refugio - mit Flüchtlingen leben. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Flüchtlinge sollen nicht abgeschottet in Asylbewerberheimen leben. Das ist die Grundidee des Share-Hauses "Refugio". Das mächtige Gründerzeithaus in Berlin-Neukölln gehört der Evangelischen Kirche – genauer: der Berliner Stadtmission. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge wohnen unter einem Dach. Funktioniert das?

Religion und WirtschaftUmverteilen mit Luther

Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)

Allzu oft werde übersehen, dass es bei Luthers Kritik am Ablasshandel auch ums Geld ging, meint der Theologe Christoph Fleischmann. Gottes Gnade sei umsonst - und das habe auch Konsequenzen für die Verteilung von Geld und Ressourcen in der Gesellschaft.

Vor 10 Jahren: Mumie identifiziertHatschepsut - die mächtigste Frau Ägyptens

Büste des weiblichen Pharao Hatschepsut im Terrassentempel im Tal der Königinnen in Theben-West. (imago / Harald Lange)

Von 1479 bis 1458 v. Chr. regierte die Pharaonin Hatschepsut als mächtigste Frau Ägyptens. Ihre Mumie galt über 3.000 Jahre als verschollen. 2007 gelang es ägyptischen Wissenschaftlern, eine bereits 1903 entdeckte Mumie als die der Pharaonin Hatschepsut zu identifizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Washington  US-Senat verschiebt Votum zu Obamacare | mehr

Kulturnachrichten

Brönner hält an "House of Jazz" fest  | mehr

 

| mehr