Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Dobro došla, Kroatien!

Seit Mitternacht hat die EU ein neues Mitglied

Das 28. EU-Mitglied Kroatien (picture alliance / dpa / Antonio Bat)
Das 28. EU-Mitglied Kroatien (picture alliance / dpa / Antonio Bat)

Um Punkt Mitternacht erklang in Zagreb die EU-Hymne, Beethovens "Ode an die Freude". Zehntausende Menschen feierten mit einem großen Feuerwerk den Beitritt ihres Landes in die Europäische Union. In die Feierstimmung mischen sich aber auch kritische Töne und Zukunftssorgen.

"Willkommen in der Europäischen Union", rief EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in kroatischer Sprache den Feiernden zu. "Das ist eine historische Nacht. Sie haben Kroatien auf seinen angestammten Platz im Herzen Europas zurückkehren lassen."

Auf Zagrebs zentralem Ban-Jelačić-Platz wurden viele blau-weiß-rote Flaggen geschwenkt. Präsident Ivo Josipovic rief seine Landsleute zum Optimismus auf. Die Krise in seinem Land sei eine «Herausforderung», auf eine bessere Zukunft des Landes hinzuarbeiten. Mehrere hundert EU-Vertreter sowie Staats- und Regierungschefs der Nachbarländer waren bei den Feiern anwesend.

Schulz: EU trägt zum Frieden auf dem Westbalkan bei

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte, Kroatien habe Institutionen geschaffen, die auf Demokratie, Versöhnung und Rechtsstaatlichkeit beruhen. Im westlichen Balkan, der noch vor zwei Jahrzehnten durch Krieg erschüttert wurde, trage die EU zu Frieden und Wandel bei.

Insbesondere unter den jungen Kroaten ist viel Optimismus zu spüren. "Der EU beizutreten ist das Beste, was wir machen konnten", zitiert Ralf Borchard in seinem Bericht aus Zagreb einheimische Studenten. Gleichzeitig machen sich aber auch viele Menschen Sorgen über die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft ihres Landes. In anderen ehemals sozialistischen Ländern, die der EU beigetreten sind, gibt es zwar tendenziell einen steigenden Wohlstand, aber auch oft heftige Verschiebungen in Landwirtschaft und Industrie, steigende Preise und eine höhere Arbeitslosigkeit.

Merkels Absage stößt auf Kritik

Nicht bei den Feiern in Zagreb dabei war die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hatte ihren Besuch kurzfristig abgesagt, aus Termingründen, wie es hieß. "In Kroatien war das tagelang das Topthema, man war schon schwer verstimmt", erläutert unser Korrespondent. Merkel habe für die Medien als wichtigster Gast gegolten. Ihre Absage wurde zum Teil als "diplomatische Ohrfeige" dargestellt.

Der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Michael Georg Link, forderte das neue EU-Mitglied Kroatien auf, weitere Reformschritte zu unternehmen. Als Beispiel nannte der FDP-Politiker im Deutschlandfunk die Korruptionsbekämpfung.

Kroatien ist nach Slowenien die zweite ehemalige jugoslawische Teilrepublik, die nun EU-Mitglied ist. Dem Beitritt waren zehn Jahre mühsamer Verhandlungen vorausgegangen. Das 28. Mitglied mit seinen rund 4,2 Millionen Einwohnern wird der drittärmste Staat sein - nach Bulgarien und Rumänien. Das Bruttoinlandsprodukt liegt laut EU-Statistik 39 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt. Seit 2009 befindet sich das Land in der Rezession, 21 Prozent der Menschen sind arbeitslos.

Mehr auf dradio.de:

Zwischen Kriegstrauma und Jugosphäre - Kroatien tritt der Europäischen Union bei
Kroatiens Rückkehr nach Europa - Der Mittelmeerstaat ist das 28. Mitglied der EU
Prosecco-Streit mit Italien - Kroaten wollen an ihrem "Prosek" festhalten

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:13 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 14:10 Uhr Deutschland heute

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 14:07 Uhr Kompressor

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 10:00 Uhr Grünstreifen

Aus unseren drei Programmen

Mays Bündnis mit der DUP"Diese Regierung wird lange bestehen"

Die britische Premierministerin Theresa May mit der Vorsitzenden der nordirischen DUP-Partei Arlene Foster vor Downing Street Nummer 10 (26.6.2017). (AFP / Daniel Leal-Olivas)

Für ihre Minderheitsregierung ist die britische Premierministerin Theresa May ein Bündnis mit der nordirischen Partei DUP eingegangen. Der britische Historiker Brendan Simms ist optimistisch, was den Bestand dieses Bündnisses angeht: " Ich rechne damit, dass diese Regierung relativ lange bestehen wird", sagte er im Dlf.

Türkei verbannt Charles Darwin aus den Schulen "Das sind einfach dumme Leute, die das Sagen haben"

Die Evolution des Menschen (picture alliance / dpa / De_Agostini/Photoshot)

Der Diplomphysiker Ernst Peter Fischer hat die Evolutionstheorie von Charles Darwin verteidigt. Der frühere Professor für Wissenschaftsgeschichte sprach von "Borniertheit" in Polen oder der Türkei, wenn dort Darwin aus dem Schulunterricht genommen werde.

ETHEREUMCrash bei der Cyberwährung

Ethereum ist eine Kryptowährung, die in den vergangenen Wochen einen sagenhaften Aufstieg hinter sich. Doch jetzt gab es einen Crash. Die zeigen ziemlich deutlich, wo die Gefahren dieser Währung liegen.

WohnprojektFlüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge unter einem Dach

Sharehaus Refugio - mit Flüchtlingen leben. (Deutschlandradio / Cara Wuchold)

Flüchtlinge sollen nicht abgeschottet in Asylbewerberheimen leben. Das ist die Grundidee des Share-Hauses "Refugio". Das mächtige Gründerzeithaus in Berlin-Neukölln gehört der Evangelischen Kirche – genauer: der Berliner Stadtmission. Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge wohnen unter einem Dach. Funktioniert das?

Religion und WirtschaftUmverteilen mit Luther

Magneten mit dem Porträt Martin Luthers aus einem Cranach-Gemälde liegen am 25.09.2015 im Lutherhaus in Eisenach (Thüringen) auf einem Tisch. (dpa/picture-alliance/Sebastian Kahnert)

Allzu oft werde übersehen, dass es bei Luthers Kritik am Ablasshandel auch ums Geld ging, meint der Theologe Christoph Fleischmann. Gottes Gnade sei umsonst - und das habe auch Konsequenzen für die Verteilung von Geld und Ressourcen in der Gesellschaft.

Vor 10 Jahren: Mumie identifiziertHatschepsut - die mächtigste Frau Ägyptens

Büste des weiblichen Pharao Hatschepsut im Terrassentempel im Tal der Königinnen in Theben-West. (imago / Harald Lange)

Von 1479 bis 1458 v. Chr. regierte die Pharaonin Hatschepsut als mächtigste Frau Ägyptens. Ihre Mumie galt über 3.000 Jahre als verschollen. 2007 gelang es ägyptischen Wissenschaftlern, eine bereits 1903 entdeckte Mumie als die der Pharaonin Hatschepsut zu identifizieren.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

EU-Kommission  Rekordstrafe gegen Google | mehr

Kulturnachrichten

Diskussion um Institut für Islamische Theorie  | mehr

 

| mehr