Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Draghi bleibt in Kaufstimmung

EZB will unbegrenzt Staatsanleihen übernehmen

Der EZB-Präsident erklärt das neue Anleihenkaufprogramm (picture alliance / dpa / Boris Roessler)
Der EZB-Präsident erklärt das neue Anleihenkaufprogramm (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Die Europäische Zentralbank will weiter Anleihen von Euroländern kaufen, die in Geldnöten stecken. Mit dem Kaufprogramm sollten "schwerwiegende Verzerrungen" auf den Märkten bekämpft und auch höhere Teuerungsraten vermieden werden, so EZB-Chef Mario Draghi. Der Leitzins bleibt bei 0,75 Prozent.

Voraussetzung für die Ankäufe sei, dass die betreffenden Länder mit den Mechanismen der Rettungsschirme EFSF oder ESM zusammenarbeiten. Der Rat der EZB werde dann im Einzelfall über den Umfang der Stützungskäufe befinden. Eine konkrete Obergrenze für die Ankäufe nannte Draghi nicht. Bisher hat die EZB Staatspapiere im Umfang von rund 210 Milliarden Euro in ihre Bücher genommen. Der Schwerpunkt soll auf kurzfristigen Papieren liegen, Anleihen mit Laufzeiten unter drei Jahren.

EZB-Chef: Euro ist unumkehrbar

Draghi sprach von "schwerwiegenden Verzerrungen" auf den Märkten, die mit dem Programm bekämpft werden sollen. Die Ankäufe seien ein sehr wirksames Mittel, um auch höheren Inflationsraten entgegenzuwirken. "Der Euro ist unumkehrbar", bekräftigte Draghi. Den Leitzins in der Eurozone belässt die EZB bei 0,75 Prozent. Er hat in der Schuldenkrise nach Ansicht vieler Ökonomen ein Stück seiner Durchschlagskraft auf die Finanzmärkte eingebüßt.

Die Entscheidung im EZB-Rat fiel Draghi zufolge mit einer Gegenstimme. Der Notenbankchef nannte keinen Namen. Einer der beiden deutschen Vertreter im Rat, Bundesbankpräsident Jens Weidmann, hatte allerdings wiederholt deutlich gemacht, dass er die Anleihenkäufe ablehnt. Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, der als Eurogruppenchef an der Sitzung in Frankfurt teilnahm, beschrieb die Stimmung als "gut", Ärger habe es nicht gegeben.

Umweg über den Anleihenmarkt

Seit Mai 2010 kauft die EZB Schuldscheine einzelner Mitgliedsländer, zunächst griechische Staatsanleihen, zuletzt aber verstärkt auch solche aus Spanien und Italien. Der "Kniff" dabei ist, dass die Zentralbank dies nicht direkt bei den Staaten tut, sondern am sogenannten Zweit- oder Sekundärmarkt.

Eine direkte Staatsfinanzierung ist der EZB durch ihr Mandat verboten. Sobald neu ausgegebene Anleihen aber zunächst vorübergehend von einem anderen Käufer, in der Regel einer Bank, erworben wurden, kann die EZB ihnen diese Papiere abkaufen. Der gewünschte Effekt: Durch die erhöhte Nachfrage steigen die Anleihen im Kurs, das hat eine stabilisierende Wirkung. So sinken auch die Zinsen, die die Staaten für ihre Kreditaufnahme zahlen müssen.



Mehr bei deutschlandradio.de
 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:57 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Fazit

Deutschlandfunk Kultur

MP3 | Ogg

seit 00:05 Uhr Freispiel

Deutschlandfunk Nova

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr Soundtrack

Aus unseren drei Programmen

Konföderation von Israel und Palästina"Eine Zukunft kann es nur gemeinsam geben"

Ein Grenzzaun in der Nähe der palästinensischen Stadt Beit Jala (Sabine Adler )

"Zwei Staaten - ein Heimatland" heißt eine Initiative von Israelis, die für eine Konföderation von Israel und Palästina kämpft. In echten Begegnungen lernen beide Seiten, das Recht auf Heimat des anderen anzuerkennen.

Dobrindt zur Regierungsbildung"Ich will diese Große Koalition mit der SPD"

Alexander Dobrindt telefoniert, im Hintergrund der Schriftzug CSU auf blauem Hintergrund. (dpa / Sven Hoppe)

Alexander Dobrindt begrüßt die Bereitschaft der SPD zu Sondierungsgesprächen für eine Große Koalition. Nun gehe es darum, ein Zukunftsprojekt für Deutschland zu beschreiben, sagte der CSU-Politiker im Dlf. Allerdings sei er sich nicht sicher, ob die SPD wirklich die Kraft dazu habe.

Philosophischer WochenkommentarEin Lob der Weltflucht

Ein Mann steht auf einem Steg am Gardasee in Italien, in Lazise. (imago/Westend 61)

Für Realitätsverweigerer hat Arnd Pollmann Verständnis: Sie zeichneten sich aus durch ihren Willen zur Abwesenheit. Auch wenn sie oft passiv und weltabgewandt erschienen, ihre utopischen Tagträume hätten das Potenzial ganze Welten zum Einsturz zu bringen.

InformationsgewinnungWozu noch Bibliotheken?

Blick in die Bibliothek mit Büchern auf Borden, stuckverzierten Wänden, Durchgängen und einer Empore (imago / Jürgen Ritter)

Als Informationsquelle ist das Internet schnell, vernetzt und für jeden zugänglich. Bibliotheken stehen hingegen für Dauer, Ordnung und Konzentration. Doch welchen Wert haben diese Eigenschaften im 21. Jahrhundert? Eine Spurensuche im Netz und in altehrwürdigen Gemäuern.

Schriftsteller und ihre PseudonymeDie Lizenz zur Lüge

Tippen auf einer alten Schreibmaschine (imago / Busse )

Pseudonyme sind wie kleine Menschen. Es ist gefährlich, Namen zu erfinden – ein Name lebt", schrieb Kurt Tucholsky, der unter anderem als Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel Texte veröffentlichte. Wozu dieses Versteckspiel vieler Autoren hinter Pseudonymen?

Vor 25 Jahren gestorbenGünther Anders - ein konservativer Revolutionär

Günther Anders (links) erhält bekommt 13. September 1983 den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt überreicht  (picture-alliance / dpa / UPI)

Er war überzeugter Pazifist, Philosoph und Schriftsteller: Günther Anders. Von den Nazis vertrieben, protestierte er aus dem US-Exil gegen den Einsatz der Atombombe. Zurück in Europa kämpfte Anders gegen den Vietnamkrieg, initiierte die Anti-Atom-Bewegung und kritisierte die Folgen der Technologie.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Erdogan  Türkei wird Botschaft in Ost-Jerusalem eröffnen | mehr

Kulturnachrichten

Verleihung des Europäischen Theaterpreises | mehr

 

| mehr