Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Draghis Erklär-Besuch

Zentralbankpräsident kommt in den Bundestag

Mario Draghi will sein Kaufprogramm für Staatsanleihen erläutern
Mario Draghi will sein Kaufprogramm für Staatsanleihen erläutern (picture alliance / dpa / Boris Roessler)

Seine Strategie zur Rettung des Euro ist nicht unumstritten: Mario Draghi wird sich heute Nachmittag von manchen Abgeordneten vorwerfen lassen müssen, Staatsfinanzierung zu betreiben. Zwei Stunden lang wird ihnen der EZB-Chef Rede und Antwort stehen.

Die Europäische Zentralbank werde alles tun, um den Euro zu erhalten, so versprach Mario Draghi im Sommer. Das bedeutet auch, finanzschwachen Euroländern wie Spanien unbegrenzt Schuldpapiere abkaufen zu können, um deren Zinsausgaben zu drücken. Ein Tabubruch, meinen Kritiker aus den Reihen der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Mit dem Kaufprogramm begebe sich die EZB auf das gefährliche Terrain der Staatsfinanzierung und erhöhe die Inflationsgefahr.

Heute Nachmittag wird EZB-Präsident Mario Draghi im Bundestag für seinen Plan werben, erläutert unser Korrespondent Theo Geers. In einer erweiterten Ausschusssitzung können ihn "alle interessierten Abgeordneten", wie es in der Einladung heißt, mit Fragen löchern. Das geschieht unter Ausschluss der Öffentlichkeit, im Anschluss werden Draghi und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) eine Pressekonferenz geben.

Falschmünzer und Mandats-Abtrünniger?

In den vergangenen Monaten hatte der EZB-Chef teils scharfe Worte aus den Reihen der Koalition hinnehmen müssen. Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt schalt ihn einen "Falschmünzer". Klaus-Peter Willsch (CDU) warf der EZB vor, außerhalb ihres Mandats zu handeln.

Der FDP-Abgeordnete Frank Schäffler erwartet vom heutigen Informationsbesuch ein Reuebekenntnis im mittelalterlichen Stil. "Herr Draghi muss einen Gang nach Canossa antreten oder gehen", sagte Schäfffler der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Der EZB-Chef solle klarstellen, dass er den von ihm eingeschlagenen "geldpolitischen Irrweg" verlässt und die Unabhängigkeit der Institution "unverzüglich wiederherstellt", so der bekennende Kritiker des Euro-Rettungskurses.

Steffen Kampeter (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, sagte im Deutschlandfunk, er könne die Kritik in Deutschland an den EZB-Plänen nur teilweise nachvollziehen. Draghi habe nie einen Zweifel daran gelassen, dass für ihn die Preisstabilität im Vordergrund stehe und er das Geldmengenwachstum mit anderen Instrumenten begrenzen werde. "Besorgnisse muss man ernst nehmen, aber man darf sie auch nicht überhöhen. Die EZB hat in der Vergangenheit einen guten Job geleistet", so Kampeter.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:00 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 23:10 Uhr Das war der Tag

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 23:05 Uhr Fazit

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

VerbraucherpolitikDie Stiftung Warentest wird 50

Weg vom kritiklosen Konsumenten, hin zum fordernden Verbraucher - so lautete die Devise, als der Bundestag vor 50 Jahren die Gründung der Stiftung Warentest beschloss. Seither hat sie über 90.000 Produkte getestet. 

Band "Camera"Techno mit echten Instrumenten

Timm Brockmann und Michael Hammer gehören zur Band Camera. Sie waren im Live-Gespräch am 16.09.14 im Studio.

Auftritte auf U-Bahnhöfen, öffentlichen Toiletten oder unter S-Bahn-Brücken – damit ist die Berliner Band Camera bekannt geworden. Nun legt das Trio sein drittes Album vor. Stücke, die hypnotisch wirken.

Burn-out"Erst wenn es zu spät ist, merken es alle"

Flo Mega ist Musiker. Angefangen hat er mit HipHop, heute macht er eher Soul-Funk. 2012 hatte Flo Mega ein Burn-Out. Seine Tage hat er rauchend im Bett verbracht, seine Seele sei tot gewesen. Sein Umfeld habe das viel zu spät bemerkt, sagt er im Interview.

Abkommen EU-UkraineÄrgerliches Timing

Im EU-Parlament in Straßburg stimmten 535 Abgeordnete zu, 127 Parlamentarier sprachen sich dagegen aus, 35 enthielten sich. Die Abstimmungen wurden zwischen den beiden Parlamenten live per Video übertragen.

Das Partnerschaftsabkommen zwischen der EU und der Ukraine ist ratifiziert. Allein: Der Freihandel bleibt mit Rücksicht auf russische Bedenken erst einmal ausgesetzt - und bei den Parlamentariern in Straßburg und Kiew der bittere Beigeschmack, von Moskau erpresst worden zu sein, kommentiert Annette Riedel.

KlangkunstDie Tonalität des Raums

Der österreichische Klangkünstler Bernhard Leitner zwischen zwei großen aufgehängten Walzblechen im Fischerhaus in Donaueschingen.

Seit 30 Jahren wird der Lichthof der Technischen Universität Berlin mit Klängen bespielt. Das Konzept stammt vom Künstler Bernhard Leitner. Der ist überzeugt: Architektur kann sich durch Klang verändern. Vom Eintauchen in eine andere Welt.

Umstrittenes FrackingMethan im Trinkwasser gibt Rätsel auf

Ein Fracking-Bohrturm in der Abenddämmerung. 

Fracking ist äußerst umstritten. Kritiker fürchten, dass durch das Aufpressen von Gesteinsschichten Trinkwasser verunreinigt werden könnte. In den USA haben Forscher nun ein Wasser-Analyseverfahren entwickelt, das endlich Klarheit bringen soll.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

USA steigen ab 2017  wieder in bemannte Raumfahrt ein | mehr

Kulturnachrichten

Neuer Viadrina-Präsident  wird Slawist Wöll | mehr

Wissensnachrichten

Forschung  Mikroskop für Smartphones zum Selberdrucken entwickelt | mehr