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Droht Europa eine Inflationswelle?

DLF-Reihe "Euro in der Krise"

Von Ulrich Barths

Europa hat den Euro. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)
Europa hat den Euro. (Stock.XCHNG / Sanja Gjenero)

Die Angst vor einer Inflationswelle geht um. Die EZB hat begonnen, als Teil des Rettungsschirms Anleihen aus Griechenland zu kaufen, um den Markt zu stützen. Ein Tabubruch, der ihre Unabhängigkeit und damit ihre Autorität infrage stellt, monieren Experten.

Der Rettungsschirm für Griechenland, Portugal und Spanien könnte teuer werden. Auf Deutschland kommen im schlimmsten Fall Zahlungen von bis zu 123 Milliarden Euro zu, vielleicht sogar bis zu 148 Milliarden Euro, falls Euroländer nicht mitziehen, die selbst Hilfe gegen eine Staatspleite bräuchten.

Das Problem - auch für das vermeintlich reiche Deutschland, das den größten Teil der Hilfen stemmen müsste - das Geld liegt nicht einfach in der Schublade. Es würde über neue Schulden, die Deutschland eingeht, quasi gedruckt werden. Neues Geld könnte dann zu einer Inflationswelle in der Zukunft führen. Es muss aber nicht so kommen.

Ein Blick in die jüngste Vergangenheit hilft. Die Notenbanken haben nämlich bereits kräftig Geld in die Finanzmärkte gepumpt, schon vor Griechenland. Das war nötig, nachdem die amerikanische Investmentbank Lehman Pleite ging. Banker trauten sich nicht mehr gegenseitig, der Geldkreislauf drohte auszutrocknen. Der Finanzkollaps musste verhindert werden.

Die reichliche Liquidität - wie es Fachleute nennen - führte aber in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht zu Preisen, die davongaloppierten. Das Gegenteil ist der Fall. Die Krise hat den Preisauftrieb gebremst.

Tatsächlich steigen die Preise derzeit kaum. Von Geldentwertung kann man bei einer Inflationsrate von einem Prozent wie zuletzt im April – aufs Jahr gerechnet - in Deutschland nicht sprechen. Wenn man sich die Entwicklung der letzten Wochen anschaut, darf man sich noch mehr entspannen. Die Preise sind im April sogar langsamer gestiegen als noch im Monat März.

Grund ist, dass die Stimmung bei Wirtschaft und Verbrauchern nach wie vor schlecht ist. Es gibt zwar viel Geld- es ist da, es könnte ausgegeben werden, und damit über eine starke Nachfrage die Preise nach oben treiben. Das könnte dann höhere Lohnforderungen nach sich ziehen, die wiederum die Preisfront anheizen würden.

Aber, erst wenn es zu einem massiven Vertrauensverlust in den Euro käme, oder es der EZB nicht gelingen würde, das viele Geld wieder einzusammeln, bevor es die Verbraucher ausgeben, könnte eine Inflationswelle ins Rollen kommen.

Kritiker sehen allerdings die Gefahr, dass die Währungshüter selbst für Geldentwertung sorgen. Die EZB hat begonnen, als Teil des Rettungsschirms Anleihen aus Griechenland zu kaufen, um den Markt zu stützen.

Ein Tabubruch, der ihre Unabhängigkeit und damit ihre Autorität infrage stellt, monieren Experten. Das könnte Vertrauen in den Euro untergraben. Er würde zum Beispiel gegenüber dem Dollar an Kaufkraft verlieren. Öl und Benzin, das wir in Dollar an den Weltmärkten einkaufen, würde für uns teurer. Auch das könnte eine Inflationswelle in Gang setzen.

Alle Beiträge der Reihe "Euro in der Krise"

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:36 Uhr

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