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Durch das Schwarze Meer fließt bald Gas in die EU

In Russland beginnt der Bau der South-Stream-Pipeline

Von Gesine Dornblüth

Die neue Pipeline soll 63 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr nach Westen pumpen. (AP)
Die neue Pipeline soll 63 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr nach Westen pumpen. (AP)

Eine neue Pipeline namens South Stream soll künftig störungsfreie Gaslieferungen aus Russland in die EU sicherstellen - unter Umgehung der Ukraine. Zugleich könnte der Bau der 16 Milliarden Euro teuren Röhre das Aus für die Konkurrenzpipeline Nabucco bedeuten.

Der Bau der Gaspipeline South Stream beginnt heute mit einer feierlichen Zeremonie im südrussischen Anapa an der Schwarzmeerküste. Die Röhre wird über 900 Kilometer Meeresgrund in den bulgarischen Hafen Warna führen, und von dort weiter über den Balkan nach Italien. Es baut ein internationales Konsortium unter Federführung des russischen Staatskonzerns Gazprom. Auch das deutsche Unternehmen Wintershall ist beteiligt. 16 Milliarden Euro soll die Pipeline voraussichtlich kosten. Für Russland ist es wichtig, seine Lieferwege nach Europa weiter auszubauen, denn es bestreitet einen erheblichen Anteil seines Staatshaushalts mit dem Verkauf von Gas.

Energieminister Aleksandr Novak: "Es gehört zu unseren Prioritäten, überdurchschnittlich in die Exportinfrastruktur zu investieren. Wir brauchen Flexibilität bei der Auswahl unserer Gasexportwege. Wir müssen unsere strategischen Märkte optimal und störungsfrei beliefern können."

Die EU ist ein strategischer Markt für Russland, doch bei den Lieferungen hatte es in der Vergangenheit wiederholt Probleme gegeben. Grund waren Streitigkeiten zwischen Russland und der Ukraine. Durch die Ukraine verläuft eine der ältesten Gaspipelines aus Russland. Bereits im vergangenen Jahr hatte Gazprom deshalb die Ostseepipeline "Nord Stream", die die Ukraine umgeht, in Betrieb genommen. Nun folgt das südliche Gegenstück durch das Schwarze Meer. Bereits Ende 2015 soll das Gas Richtung Westen strömen - vielleicht sogar schon früher, meint Valerij Jazjev, Präsident der Russischen Gasgesellschaft, der gemeinsamen Lobbyorganisation der russischen Gasunternehmen.

"Gazprom und die beteiligten Unternehmen haben das Projekt sehr effektiv vorbereitet, obwohl das nicht einfach war. Und die Technologie, mit der gebaut wird, ist heute sehr hoch, sehr effektiv. Für die erste Röhre der Ostseepipeline haben wir nicht mal ein Jahr gebraucht, und die Strecke dort war noch länger als die jetzt durch das Schwarze Meer."

Russland kann mit Nord- und South Stream aber nicht nur die Ukraine unter Druck setzen; Russland stärkt damit auch seine Position gegenüber der EU auf dem Energiemarkt. Die EU sucht derzeit nach Möglichkeiten, ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas zu verringern. Dazu will sie eine Pipeline bauen, die Russland umgeht. Sie heißt Nabucco und soll Gas aus dem Kaspischen Raum, aus Aserbaidschan und aus Zentralasien in die EU bringen. Nabucco wäre unmittelbare Konkurrenz für South Stream. An dem Projekt wäre der deutsche Konzern RWE beteiligt.

Beobachter bezweifeln schon lange, dass Nabucco jemals gebaut wird. Denn die Gasvorräte im Kaspischen Meer reichen nicht aus, um die Pipeline rentabel zu betreiben, und Turkmenistan, das einspringen könnte, verkauft sein Gas bisher lieber nach China. Dass Russland nun heute, lange bevor die Verträge für Nabucco ausgearbeitet sind, bereits mit seinem Konkurrenzprojekt, mit South Stream, beginnt, lässt Nabucco noch unwahrscheinlicher aussehen. Beate Raabe, Generalsekretärin von Eurogas, dem Europäischen Verband der Gasindustrie, bemühte sich kürzlich in Moskau dennoch um Optimismus.

"Am Ende, glaube ich, wird das Projekt gebaut, das für Europa am meisten Sinn hat. Unsere Mitglieder sind an verschiedenen Projekten beteiligt, an South Stream, an Nabucco und an anderen. Jeder hofft natürlich, dass sein Projekt weitergeht."

Valerij Jazjev hingegen, der russische Gaslobbyist, hat für die Pipeline der EU nur noch Spott übrig.

"Nabucco ist tot. Es gibt nicht genügend Gas für Nabucco. Wir dagegen haben für South Stream bereits langfristige Verträge abgeschlossen. Denken Sie mal an den Namensgeber, König Nabucco und die Literatur. Er war größenwahnsinnig und ist darüber verrückt geworden. Mit der Pipeline Nabucco ist es genauso."



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Letzte Änderung: 02.10.2013 14:02 Uhr

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