Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ehrung für unbeugsames Engagement

In Stockholm wurden die Alternativen Nobelpreise vergeben

Nnimmo Bassey, einer der Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2010 (Right Livelihood Award Foundation)
Nnimmo Bassey, einer der Preisträger des Alternativen Nobelpreises 2010 (Right Livelihood Award Foundation)

Der "Alternative Nobelpreis" ist in diesem Jahr an Umweltschützer und Menschenrechtler aus Brasilien, Nigeria, Nepal und Israel verliehen worden. Sie teilen sich ein Preisgeld von 200.000 Euro. Der Alternative Nobelpreis wird seit 1980 vergeben.

In Brasilien wird der katholische Bischof Erwin Kräutler ausgezeichnet, der sich für die Menschenrechte der indianischen Bevölkerung engagiert. So kämpft Kräutler seit mehreren Jahren gegen das umstrittene Belo-Monte-Staudammprojekt. Schätzungen zufolge würde es 1000 Quadratkilometer Regenwald zerstören und 30.000 Menschen zu einer Umsiedlung zwingen.

Kräutler sagte kurz vor der Preisverleihung:
"Dieser Preis ehrt mich in einem Moment, in dem angesichts der Entwicklungsprojekte, die Amazonien bedrohen, unser Kampf für die indigenen Völker neue Dimensionen und größere Bedeutung erreicht."

Ein weiterer Preis geht nach Nigeria. Hier setzt sich Nnimmo Bassey gegen die fatalen Folgen der Ölförderung in seinem Land ein. Mit Gerichtsklagen und Öffentlichkeitsarbeit versucht der 52-Jährige, die Ausbeutung der Bodenschätze in seiner Heimat zu stoppen.

Ausgezeichnet wurde auch die Organisation Sappros aus Nepal. Sie hilft Dorfgemeinschaften dabei, eigenständig Wege aus der Armut zu finden und nicht auf westliche Entwicklungshilfe zu warten.

Mit den Medizinern für Menschenrechte aus Israel würdigt der Alternative Nobelpreis Aktivisten, die benachteiligte Bevölkerungsgruppen medizinisch versorgen, unter anderem durch mobile Kliniken, die sie auch in den Gazastreifen schicken.

Kritik an "echten Nobelpreisen"

Die "Alternativen Nobelpreise", die eigentlich Right Livelihood Awards heißen, wurden 1980 von dem deutsch-schwedischen Publizist Jakob von Uexküll gegründet. Im Deutschlandradio Kultur sagte von Uexküll, dass Menschenrechte und Umweltschutz heute mehr denn je zusammenhingen. Darauf wollten die Preise aufmerksam machen. Wenn man sich das Klimaproblem ansieht, also wenn wir das nicht lösen, dann verhungern die Menschen, um das ganz klipp und klar zu sagen", so Uexküll.

Ihm gehe es darum, jene zu ehren und zu unterstützen, die beispielhafte Antworten auf die dringendsten Herausforderungen unserer Zeit fänden und diese erfolgreich umsetzten. Es sei "ein Preis für Mut, ein Preis für praktische Arbeit" - nicht für Theorien. Die Träger seien "Weltverbesserer".

Besonders freue ihn, dass die Auszeichnung den Prämierten, die oft wenig bekannt seien, helfe, Türen bei Politikern zu öffnen und mehr Mitstreiter für ihr Engagement zu finden.

Offen kritisierte Uexküll die "echten Nobelpreise". Hier stünden nur Vertreter aus den Industriestaaten im Fokus. Und speziell beim Friedensnobelpreis gebe es immer mal wieder "Fehlgriffe". Als Beispiel nannte er die Auszeichnung von Henry Kissinger im Jahr 1973.


Links zum Thema bei dradio.de:
Umwelt und Verbraucher: Kämpfer für den Urwald <br> Bischof Erwin Kräutler erhält den Alternativen Nobelpreis (DLF)
Eine Welt: Hilfe über Grenzen hinweg
Ortszeit, Sendung vom 6.12. 2010 (DKultur):
Kampf für das Nigerdelta (mp3-Audio)
Ausgezeichnete Ärzte für Menschenrechte (mp3-Audio)
Porträt Bischof Kräutler (mp3-Audio)


Programmhinweis:

Deutschlandradio Kultur, Dienstag, 7.12., 15.07 Uhr: Allein gegen den Fortschrittstraum - Interview mit dem katholischen Bischof Erwin Kräutler, der seit Jahren gegen die Zerstörung des Regenwaldes und der Indio-Kultur in Brasilien kämpft. Er ist der Träger des diesjährigen Alternativen Nobelpreises.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:39 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 15:05 Uhr Corso - Kultur nach 3

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 15:30 Uhr Tonart

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Stefanie Sargnagel in KlagenfurtStinkefinger für Bachmann-Wettbewerb

Die österreichische Bloggerin und Autorin Stefanie Sargnagel sitzt in einem braunen Ledersessel (picture alliance / dpa / Horst Ossinger)

Klagenfurt hat begonnen - und die österreichische Facebook-Autorin und Bloggerin Stefanie Sargnagel musste gleich als erste ran. Wie sie sich geschlagen hat, hat unser Literaturkritiker Kolja Mensing beobachtet.

Baselitz-Ausstellung "Helden" in FrankfurtDer Held als einsamer Outsider

Der Maler Georg Baselitz vor seinem Bild "Große Nacht im Eimer" (John MacDougall / AFP)

Mit dieser Ausstellung verabschiedet sich Kurator Max Hollein von Frankfurt: Er zeigt im Städel-Museum eine Werkreihe von Georg Baselitz mit dem Titel "Helden". Sie gilt als Schlüsselwerk im Schaffen des 78-jährigen Malers.

Schäuble kritisiert die EU-Kommission"So züchtet man Euroskepsis"

Wolfgang Schäuble spricht auf dem Podium (Deutschlandradio / Christian Kruppa)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat der EU-Kommission eine Mitschuld an der Vertrauenskrise in der EU gegeben. Bei einer Podiumsdiskussion des Deutschlandfunks warf er ihr vor, verschuldete Staaten nicht zur Verantwortung zu ziehen und damit die europäische Solidarität zu untergraben.

Neuer Büchner-Preisträger "Ich bedaure Autoren, die nur Romane schreiben"

Der Schriftsteller Marcel Beyer (Deutschlandradio / Bettina Straub)

Gerne nimmt sich der neue Georg-Büchner-Preisträger Marcel Beyer der Nachkriegszeit in Bundesrepublik und DDR an - stets mit Rückbezügen auf die NS-Zeit. Auslöser, sich mit Geschichte zu befassen, war Beyer zufolge die Fernsehberichterstattung über den Fall der Mauer. "Geschichte ist etwas, was sich ganz akut in dieser Sekunde vollziehen kann", sagte der Schriftsteller im Deutschlandfunk.

Nobelpreisträgertagung in LindauKluge Köpfe am Bodensee

Das Handout vom 26.06.2016 zeigt das Publikum bei der Eröffnung der Nobelpreisträgertagung im Lindauer Stadttheater. (Christian Flemming  /Lindau Nobel Laureate Meetings / dpa)

Noch bis Ende der Woche läuft in Lindau das 66. Treffen der Nobelpreisträger, in diesem Jahr mit dem Schwerpunkt Physik. Dass die Teilnehmer neben ihrem wissenschaftlichen "Know How" einen Sinn für Humor haben, das erfuhr Thomas Wagner bei seinem Besuch.

Arabische Clans in Berlin-NeuköllnVon falschen und enttäuschten Hoffnungen

Polizisten führen bei einem Einsatz eine Person in Handschellen aus einem Haus in Berlin im Bezirk Neukölln. (dpa/ picture-alliance/ Gregor Fischer)

Im April haben Sondereinsatzkommandos der Polizei bei Razzien in Berliner Wohnungen acht Männer festgenommen. Sie gehörten zu kurdisch-arabischen Clans, die speziell im Berliner Stadtteil Neukölln für schwere und organisierte Kriminalität bekannt sind. Wer sich auf die Suche nach Gründen dafür macht, stößt auf Geschichten von Entwurzelung und enttäuschten Hoffnungen. Für den deutschen Staat wird es Zeit, aus Fehlern zu lernen.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Cameron-Nachfolge  Boris Johnson will doch nicht Premier werden | mehr

Kulturnachrichten

Anne Birkenhauer erhält Paul-Celan-Preis 2016  | mehr

Wissensnachrichten

Neu-Mitglieder  Oscars bald nur noch 89 Prozent weiß | mehr