Aktuell-Archiv des früheren dradio.de-Auftritts / Archiv /

 

Ein Abitur-Standard für alle Bundesländer

Kultusminister wollen gleiche Schwierigkeitsgrade

Abiturprüfung in Ravensburg
Abiturprüfung in Ravensburg (AP)

Ab dem Schuljahr 2016/17 sollen alle deutschen Abiturienten einheitliche Leistungsanforderungen erfüllen, egal, ob sie ihre Prüfungen in Bremen oder Bayern ablegen. Das dürfte Bildungsvergleiche, aber auch Umzüge für Familien einfacher machen.

Für das deutsche Abitur gelten bislang 16 unterschiedliche Standards. Künftig soll die allgemeine Hochschulreife in Kernfächern vergleichbarer sein. Die Kultusministerkonferenz (KMK) der Länder beschloss dazu verbindliche Anforderungen in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Französisch. So soll etwa in den Fremdsprachen der Fokus verstärkt auf das Sprechen und Hörverstehen gelegt werden; in Mathe soll die Stochastik - dies umfasst die Wahrscheinlichkeitsrechnung und die Statistik - zentraler Bestandteil der Unterrichtsinhalte in der Oberstufe bleiben. Ein Zentralabitur ist damit aber nicht angepeilt. Die Bildungsstandards sind eine Konsequenz aus dem schlechten Abschneiden Deutschlands bei der internationalen PISA-Schulstudie vor gut zehn Jahren.

"Ich glaube, dass es eine wichtige und richtungsweisende Weichenstellung für Deutschland ist", sagte Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU). Mit der Einigung geht eine jahrelange Diskussion zu Ende. Das sei "ein großer Schritt für das deutsche Schulwesen", sagte der amtierende KMK-Präsident, Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Neben den Kernfächern sollen auch für die naturwissenschaftlichen Fächer bundeseinheitliche Standards erarbeitet werden.

Nur ein kleiner Fortschritt

Der Deutsche Philologenverband begrüßte im Deutschlandfunk die Entscheidung der Kultusminister. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger betonte aber, die Oberstufen seien nach wie vor sehr uneinheitlich organisiert. "Es gibt Länder, da muss man gar nicht in Mathematik oder in Deutsch ins Abitur gehen, also ins schriftliche Abitur gehen. Das heißt natürlich, da greifen dann auch die Bildungsstandards ins Leere." Ein Einheitsabitur sei jedoch kaum möglich, unter anderem wegen der unterschiedlichen Ferienordnungen. "Man kann vielleicht auch - das machen ja jetzt ein paar Länder vor - tatsächlich zu ganz gemeinsamen Prüfungsteilen gelangen, die dann teilweise sozusagen vor dem Abitur schon zu einem gemeinsamen Termin geschrieben werden."

Sechsergruppe prescht vor

"Wir leben in einem Staat, nicht in 16 verschiedenen", so Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD)Sechs Bundesländer wollen noch schneller noch enger zusammenarbeiten. Althusmann zufolge sind dies neben Niedersachsen auch Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern und Sachsen. Sie planen, schon 2014 gleich schwierige Abiturprüfungen einzuführen.

Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) sagte am Rande der Beratungen, es gehe nicht um ein Einheitsabitur in Deutschland, sondern darum, Verbindlichkeit und Gleichwertigkeit zu regeln. "Es war nicht unser Ziel, ein Einheitsabitur zu konzipieren, sondern die Vergleichbarkeit herzustellen", erklärte der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). In der Vergangenheit legte die KMK bereits Standards für die Kernfächer in der vierten Klasse, für den Hauptschulabschluss und die mittlere Reife nach der zehnten Klasse fest.

Mehr Biss beim Lesen

Die Kultusminister einigten sich auch mit dem Bund auf ein gemeinsames Programm für Kinder mit ausländischen Wurzeln. Deren Sprach- und Lesefertigkeiten sollen besser gefördert werden. Die Initiative "Bildung durch Sprache und Schrift", kurz BISS, soll im Herbst 2013 anlaufen und in Schulen und Kindertagesstätten eine bessere individuelle Betreuung sicherstellen.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 13:59 Uhr

Beitrag hören

 
 
Dradio Audio
Kein Audio aktiv
 
 
 
 
 

Für dieses Element wird eine aktuelle Version des Flash Players benötigt.

Jetzt Im Radio

Deutschlandfunk

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Nachrichten

Deutschlandradio Kultur

MP3 | Ogg

seit 17:30 Uhr Kulturnachrichten

DRadio Wissen

MP3 | Ogg

seit 00:00 Uhr DRadio Wissen

Aus unseren drei Programmen

Gesundheitsreport 2015Gefährliches Dauersitzen

Dauersitzen ist eines der Themen im neuen Gesundheitsreport 2015 der privaten Krankenversicherung DKV. Erwachsene sitzen an einem normalen Werktag laut der Studie 7,5 Stunden, ein Drittel davon vor dem Fernseher. Mediziner sehen darin ein enormes Problem – und plädieren etwa für Büroarbeit im Stehen.

Private UnterkünfteMit Flüchtlingen wohnen

Drei Kinder einer syrischen Flüchtlingsfamilie, eines verdeckt sein Gesicht mit einer Tüte Bonbons.

Klaus und Dolores Pehlke aus Hannover vermieten an neun Flüchtlinge aus dem Irak. Doch das hat sie einige Überwindung gekostet, sie hatten Angst, sagen sie. Mittlerweile haben sich Kontakte gebildet, die alle Beteiligten bereichern.

Asteroid 2004 BL86Besuch aus dem All

Wir bekommen Besuch - ein Asteroid passiert heute unseren Heimatplaneten. Kein Grund zur Panik, auch wenn 2004 BL86 ein ziemlicher Brocken ist. Denn bei Himmelkörpern gilt: Je größer der Durchmesser, desto geringer die Gefahr, dass er auf der Erde einschlägt.

Bertelsmann-UmfrageViele Israelis lieben Deutschland

Eine Frau und ein Mann mit einer israelischen und einer deutschen Flagge.

50 Jahre nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen ist Deutschland in Israel beliebter als umgekehrt. Laut der Bertelsmann-Stiftung denken die meisten jüdischen Israelis gut über Deutschland und die Deutschen. 

Spaniens ExklavenLockruf des Dschihad

Ein Polizist läuft zwischen muslimischen Bewohnern nachdem die Polizei vier mutmaßliche Dschihadisten in El Principe, einem Randgebiet von Ceuta, am 24.01.2015 festgenommen hatte.

In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika wurde eine mutmaßliche Dschihadisten-Zelle deaktiviert - nicht zum ersten Mal. Spanien zeigt sich hilflos im Kampf gegen die Radikalisierung junger Muslime.

FotografieMiniaturwelt Fachmesse

Zehn Millionen Menschen besuchen jedes Jahr Fachmessen: von Erotik über Waffen bis zu Nutztieren. Schräges Publikum? Oh ja. Den Bildbeweis liefert Jakob Schnetz. Der 23-Jährige fotografiert diese Parallelgesellschaften.

 

Nachrichten

 
 

Nachrichten

Syriza-Chef Tsipras  als griechischer Regierungschef vereidigt | mehr

Kulturnachrichten

Historiker kritisiert Auschwitz-Gedenken ohne Putin | mehr

Wissensnachrichten

Ötzi  Steinzeitmensch hatte 61 Tätowierungen | mehr