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Ein Bewahrer, kein Reformer

Die Amtszeit von Papst Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)
Papst Benedikt XVI. (dpa / picture alliance / Hannibal Hanschke)

Knapp acht Jahre regierte Papst Benedikt XVI. die katholische Kirche. Von der anfänglichen Begeisterung, dass ein Deutscher Papst wurde, blieb in seiner Heimat nicht viel übrig: Missbrauchsskandale und die konservative Haltung des Pontifex verärgerten viele Menschen.

"Ich habe mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir dies nicht an!" Mit diesen Worten beschrieb Papst Benedikt XVI. im Rückblick vor deutschen Pilgern jenen historischen Moment, an dem er 2005 vom Konklave im Vatikan zum Papst gewählt wurde - zum Nachfolger von Papst Johannes Paul II, der jahrzehntelang die katholische Kirche geprägt hatte. Nun, knapp acht Jahre später, zieht sich Benedikt freiwillig von seinem Amt zurück - als erster Papst in mehr als 700 Jahren. Er habe nicht mehr "die Kraft" zum Weitermachen, erklärte der 85-Jährige seine Beweggründe.

Nach seiner Wahl im April 2005 war in seiner deutschen Heimat eine Art Papst-Rausch durchs Land gegangen. "Wir sind Papst" etwa titelte die "Bild"-Zeitung. Auch seine erste Auslandsreise wenige Monate später zum Weltjugendtag in Köln wurde für Benedikt zu einer Art Triumphzug.

Spitzname "Panzerkardinal"

Doch seitdem hat sich viel verändert: Bei vielen Gläubigen ist die Euphorie über den deutschen Papst in Ernüchterung umgeschlagen. Von Benedikt hätten sie sich mehr innerkirchliche Reformen und beherzte Schritte für die Ökumene gewünscht. Dabei dürfte Benedikts konservative Haltung keine große Überraschung gewesen sein: Als Präfekt der Glaubenskongregation hatte er die Weihung von Frauen zu katholischen Priesterinnen abgelehnt und trat gegen Abtreibung, Sterbehilfe und Homo-Ehen ein. Rock-Musik bezeichnete er einmal als Ausdruck "niederer" menschlicher Gefühle. Kritiker nannten ihn "Panzerkardinal" oder auch "Inquisitor".

In seiner Amtszeit als Papst gab es dann in Sachen Sexualmoral keine Aufweichung alter Positionen - weder beim Thema Empfängnisverhütung noch bei der Einstellung der Kirche zur Homosexualität. Ausgerechnet in Afrika, wo es die meisten Aids-Toten gibt, vertrat Benedikt XVI. die Ansicht, der Gebrauch von Kondomen könne das Problem verschärfen. Auch am umstrittenen Zölibat ließ der Papst nicht rütteln. Unter Benedikt sei die Kirche teilweise gar hinter das für eine Erneuerung der Kirche stehenden Zweiten Vatikanischen Konzil im Jahr 1962 zurückgefallen, beklagen enttäuschte Reformer.

Dialog mit anderen Glaubensrichtungen

Papst Benedikt XVI. trifft den britischen Großrabbiner Jonathan Sacks bei einem Treffen im St. Mary's University College bei Twickenham in London (AP)Papst Benedikt XVI. trifft den britischen Großrabbiner Jonathan Sacks bei einem Treffen im St. Mary's University College bei Twickenham in London (AP)Auch zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche gab es aus Sicht der katholischen Reformgruppe "Wir sind Kirche" in der Zeit kaum neue Impulse. Benedikt selbst hat betont, die Annäherungen ließen sich nicht aushandeln wie ein politisches Thema. Ein großes Anliegen war dem Papst allerdings der Dialog mit anderen Glaubensrichtungen. Auf fast jeder Reise traf er mit Vertretern von Judentum und Islam zusammen. Als zweiter Papst besuchte er kurz nach Amtsantritt ein jüdisches Gotteshaus.

Eine Äußerung bei einer Vorlesung in Regensburg führte im Jahr 2006 allerdings zu einem Proteststurm in der muslimischen Welt. Einen byzantinischen Kaiser hatte der Papst mit der Einschätzung zitiert, der Islam habe nur Schlechtes gebracht und sei mit dem Schwert verbreitet worden. Drei Jahre später brachte der Papst viele Juden gegen sich auf, als er die Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft aufhob - darunter auch jene des Holocaust-Leugners Richard Williamson.

Bei seinem Deutschlandbesuch 2011 mahnte Benedikt vor zu viel Reformeifer und forderte von den deutschen Katholiken mehr Papst-Treue sowie die Einheit mit der Weltkirche. Kirchliche Reformgruppen sprachen von einem Rückschlag für den eingeleiteten Dialogprozess.

Missbrauchsskandale und "Vatileaks"

Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)Der frühere Papst-Diener Paolo Gabriele (picture alliance / dpa / Osservatore Romano)In Benedikts Pontifikat fällt zudem einer der schlimmsten Skandale der Kirche, bei dem in den vergangenen Jahren zahlreiche Fälle von Missbrauch durch katholische Priester ans Tageslicht kamen. Die Folge war eine nie dagewesene Welle von Kirchenaustritten. Der Papst selbst hat sich über die Vorfälle erschüttert gezeigt und eine Aufarbeitung versprochen.

Ein herber persönlicher Schlag für den 85-Jährigen war die "Vatileaks"-Affäre im vergangenen Jahr, bei der sein Kammerdiener Paolo Gabriele als Spitzel enttarnt wurde. Bei ihm waren mehr als 1000 vertrauliche Dokumente gefunden worden, die er aus den Gemächern entwendet und an einen Journalisten weitergeleitet hatte. Gabriele wurde zu einer Haftstrafe von 18 Monaten verurteilt, der Papst begnadigte ihn später jedoch.

 

Letzte Änderung: 02.10.2013 14:06 Uhr

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