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"Ein europäisches Drama"

Vor Italien sinkt ein Boot mit 500 Flüchtlingen an Bord

Die Leichen der Flüchtlinge liegen im Hafen von Lampedusa. (picture alliance / dpa / ANSA / Nino Randazzo)
Die Leichen der Flüchtlinge liegen im Hafen von Lampedusa. (picture alliance / dpa / ANSA / Nino Randazzo)

Mehr als 100 Tote wurden schon geborgen, Hunderte weitere werden vermisst: Vor Lampedusa ist es zu einem der schlimmsten Flüchtlingsdramen der vergangenen Jahre gekommen. Die EU-Flüchtlingspolitik steht einmal mehr in der Kritik.

<p>Der Regierungschef von Malta, Joseph Muscat, forderte, die Europäische Union müsse bei diesem Thema endlich handeln. Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dürften im Umgang mit der illegalen Einwanderung nicht "allein gelassen werden". Italiens Minierstpräsident Enrico Letta ordnete für Freitag einen nationalen Trauertag an. Innenminister Angelino Alfano sagte, der Untergang sei "ein europäisches Drama, nicht nur ein italienisches".<br /><br />Papst Franziskus bezeichnete das Unglück als Schande, für die die Welt sich schämen sollte. "Wenn wir von Frieden und einer unmenschlichen Weltwirtschaftskrise sprechen, die ein Symptom für fehlenden Respekt gegenüber dem Menschen ist, dürfen wir die vielen Opfer des erneuten Schiffsunglücks heute im Meer vor Lampedusa nicht vergessen", sagte er bei einer Audienz. Es müsse alles dafür getan werden, dass sich solche Tragödien nicht wiederholten. "Nur eine entschlossene Zusammenarbeit aller kann zur Vorbeugung beitragen." <br /><br />"Es ist eine der schlimmsten Tragödien, seit Flüchtlingsboote von Nordafrikas Küsten nach Europa aufbrechen, in der Hoffnung auf ein besseres Leben", <a class="link_audio_beitrag" href=" http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2013/10/03/drk_20131003_1720_73d60a1f.mp3" title="Korrespondent Tilmann Kleinjung zur Tragödie vor Lampedusa(MP3-Audio)"> berichtete Korrespondent Tilmann Kleinjung </a> im Deutschlandfunk.<br /><br /></p><p><strong>Von Libyen aus zwei Tage auf See</strong></p><p>Das Schiff hatte kurz vor der Küste der italienischen Insel Lampedusa Feuer gefangen und war gesunken. An Bord waren überwiegend Menschen aus Somalia und Eritrea. Unter den Opfern sind nach offiziellen Angaben auch Frauen und Kinder. Bürgermeisterin Guisi Nicolini sagte der Nachrichtenagentur Ansa unter Berufung auf Überlebende, die Insassen hätten selbst ein kleines Feuer angezündet, um die Küstenwache zu alarmieren, nachdem ihr Schiff eine Panne gehabt habe. Doch dann habe sich das Feuer ausgebreitet, es sei zur Panik gekommen und das Schiff sei umgekippt. <br /><br />Die Zahl der Opfer könnte weiter steigen, da bis zu 220 Menschen noch vermisst werden. Rund 150 Menschen konnten von der Küstenwache in Sicherheit gebracht werden; andere versuchten, sich selbst über Wasser zu halten. Das tunesische Innenministerium teilte der Nachrichtenagentur dpa mit, das Boot sei von Libyen aus aufgebrochen und auf seinem Weg nach Lampedusa an der tunesischen Hafenstadt Sfax vorbeigefahren.<br /><br />Die Migranten waren nach Angaben von Geretteten vor der Tragödie zwei Tage unterwegs. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren, einer der mutmaßlichen Schleuser wurde Medienberichten zufolge bereits festgenommen.<br /><br /></p><p><strong>Lampedusa bevorzugtes Ziel von Menschenschmugglern</strong></p><p>Vor der italienischen Küste kommt es immer wieder zu Flüchtlingsdramen: Erst am Montag waren 13 Menschen gestorben, als ihr Schiff vor Sizilien strandete. Wegen der günstigen Wetterbedingungen wagen derzeit besonders viele Flüchtlinge die Überfahrt von Afrika nach Italien. Allein am Wochenende landeten rund 600 an den Küsten Siziliens und Lampedusas. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 22.000 Menschen gezählt – dreimal mehr als im gesamten Jahr 2012. Zur Zahl der Schiffsbrüchigen gibt es keine genauen Angaben.<br /><br />Lampedusa gehört zu den bevorzugten Zielen, weil es näher an Afrika als am italienischen Festland liegt. Die Insel zwischen Tunesien und Sizilien wird daher häufig von Menschenschmugglern genutzt, um Flüchtlinge aus Afrika und auch zunehmend aus Syrien nach Europa zu bringen. <br /><br /><em>Mehr zum Thema auf dradio.de:</em><br /><br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="256984" text="Italien will schiffbrüchige Flüchtlinge aufnehmen" alternative_text="Italien will schiffbrüchige Flüchtlinge aufnehmen" /> <br> Malta blockte Schiff mit 102 Migranten ab<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="253863" text="Scheinheilige europäische Flüchtlingspolitik" alternative_text="Scheinheilige europäische Flüchtlingspolitik" /> <br> Ein Kommentar von Doris Simon<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="252402" text="&quot;Ein Aufrütteln des Gewissens&quot;" alternative_text="&quot;Ein Aufrütteln des Gewissens&quot;" /> <br> Leiter des italienischen Flüchtlingsrats lobt Papstbesuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="249946" text="In Willkommen auf dem Verschiebebahnhof" alternative_text="In Willkommen auf dem Verschiebebahnhof" /> <br> Italienischer Flüchtlingsrat kritisiert neues EU-Asylrecht<br /><papaya:addon addon="d53447f5fcd08d70e2f9158d31e5db71" article="254275" text="&quot;Eine katastrophale Situation&quot;" alternative_text="&quot;Eine katastrophale Situation&quot;" /> <br> CSU-Politiker Glück über die europäische Flüchtlingspolitik und den Papst-Besuch auf Lampedusa</p>
 

Letzte Änderung: 12.10.2013 23:11 Uhr

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